Ohne Teddy, ohne mich!

Das Fell ist längst nicht mehr braun. Es ist fleckig grau, ein Ohr fehlt und das linke Auge hängt nur noch an einem Faden. „Teddy“ hat die besten Tage gewiss schon hinter sich. Trotzdem ist er noch längst nicht ausrangiert. Seit 20 Jahren lässt er sich drücken und knuddeln, hört immer zu und streitet nie. Wer möchte auf so einen Begleiter schon freiwillig verzichten?

Die wenigstens würden es tatsächlich zugeben, aber nicht nur Kinder teilen ihr Bett mit einem kuscheligen Freund aus Plüsch. Auch Erwachsene hängen häufig noch an ihren treuen Begleitern aus Kindheitstagen. Aber woran liegt es, dass die Plüschtiere auch das erwachsene Herz noch zum Schmelzen bringen?

Erinnerungsträger der Kindheit

„Kuscheltiere sind quasi der Anker zur eigenen Kindheit“, erklärt Paartherapeut Georg Krause. „Sie spenden Trost, können Verlustängste stillen und als emotionale Stütze in Stresssituationen dienen, auch im Alter. Viele Erwachsene sehen in ihren Kuscheltieren auch eine Art Maskottchen; mit dem Plüschtier werden oft positive Erfahrungen von früher verbunden.“

Kuscheltiere im Bett können auch zum Spielverderber werden. Foto: flickr.com/sarahamina

Kuscheltiere im Bett können auch zum Spielverderber werden. Foto: flickr.com/sarahamina

Als Paartherapeut weiß Krause aber auch, dass der treue Plüschgefährte in einer Partnerschaft schnell zum Unruhestifter werden kann. „Es kann vorkommen, dass der Partner für die Beziehung zu einem Kuscheltier kein Verständnis hat. Den alten Plüschteddy zu drücken, wenn man traurig ist, kann befremdlich wirken.“ Dies könne sich sogar zu einer Form von Eifersucht entwickeln, wenn der Partner sich durch das Kuscheltier ersetzt fühle. „Im schlimmsten Fall können Kuscheltiere sogar das Sexualleben beeinflussen“, sagt Krause. „Für viele hat ein Kuscheltier im Bett nichts mehr mit Erotik zu tun.“ Es gebe sogar Paare, die lieber mit Kuscheltieren spielen, als Sex zu haben.

Doch neben ihrer Rolle als Liebestöter haben Kuscheltiere auch wichtige positive Funktionen. Sie gehören zum „Großwerden“ dazu – eine Kindheit ohne Kuscheltier ist unvorstellbar. Im Fachjargon heißen sie „Übergangsobjekte“, denn sie sollen Kindern dabei helfen, auch ohne den Körperkontakt der Eltern auszukommen. Das Kuscheltier kann zwar keine persönliche Beziehung zu Eltern, Geschwistern und Freunden ersetzen, trotzdem nimmt es im Laufe der Kindheit einen besonderen Platz im Leben seines Besitzers ein. Es simuliert zwischenmenschliche Wärme und Nähe und erleichtert die Trennung von Mama und Papa. 

Kuscheltier im Koffer

Doch manchmal wird der Teddy von damals auch dann noch gebraucht, wenn der Besitzer schon graue Haare bekommt. Zum Beispiel als Reisebegleitung. Für das Reiseportal lastminute.de startete die Gesellschaft für Konsumforschung eine Umfrage unter dem Motto „Nicht ohne mein Kuscheltier“. Das Ergebnis: Jeder siebte deutsche Erwachsene reist mit Plüschbegleitung in den Urlaub. Von 1100 Befragten gab jede fünfte Frau an, nur mit ihrem kuscheligen Begleiter zu verreisen. Bei den Männern ist es jeder neunte.

Georg Krause, Paartherapeut

Für Paartherapeut Georg Krause sind Kuscheltiere im Alter kein Grund zur Sorge. Foto: privat

„Wenn man einfach nur ein Kuscheltier von früher bis ins Alter behalten hat, ist das völlig normal und nicht besorgniserregend. Ein gesundes Verhältnis zur eigenen Kindheit ist wichtig“, erklärt Paartherapeut Georg Krause. Trotzdem geben nur die wenigsten auch offen zu, dass sie sich noch nicht von ihren alten Plüschfreunden trennen konnten. 
Denn: Je älter wir werden, desto peinlicher scheint uns unser kuscheliger Freund zu sein. In der Regel aber distanziere man sich spätestens nach der Pubertät von Kuscheltieren und anderem Spielzeug, sagt Krause. „Alles Kindliche und Unreife wird dann im Zuge des ‚Erwachsenwerdens‘ aus dem Leben verbannt.“

Ob und wie lange wir unser Kuscheltier behalten, hängt aber von unserem individuellen Lebensstil ab. Menschen, die lange alleine leben, suchen häufig bei ihren Kindheitsbegleitern Trost. Aber wenn die alte Spielzeugeisenbahn im Keller einen Platz findet, warum dann nicht auch der ergraute Teddy mit dem fehlenden Ohr?