Pegida hat es in Dortmund schwer

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Die Dortmunder Straßen bleiben heute leer, während bundesweit in vielen Städten erneut Pegida-Demonstrationen stattfinden. Der Polizei und der Stadt liegen, wie auch in den vergangenen Wochen, keine Anmeldungen für Pegida-Demonstrationen vor. Und das, obwohl die rechte Szene in Dortmund weit verbreitet ist. Woran liegt das?

„Pegida hat in Dortmund kein Potenzial.“ Das ist die Einschätzung von Iris Bernert-Leushacke, Sprecherin des antifaschistischen Bündnisses Blockado. „In Dortmund leben einfach zu viele Menschen mit Migrationshintergrund, deren Familien schon seit Generationen hier leben. Während einer Pegida-Demo würden die Rechten deshalb zu viel Gegenwind bekommen.“

Trotzdem sieht Bernert-Leushacke die Bewegungen zumindest als eine diffuse Bedrohung an. Sie befürchtet, dass auch Dortmunder Neo-Nazis Pegida für ihren eigenen Vorteil  instrumentalisieren könnten und sich zum Beispiel deren Parolen aneignen, um weitere Anhänger zu gewinnen.

Mitte der Gesellschaft distanziert sich von den Rechten

Die rechte Szene in Dortmund ist eine der größten Deutschlands. Bei der letzten Kommunalwahl haben die rechtsextreme Partei „Die Rechte“ und die NPD jeweils einen Sitz im Dortmunder Rat erhalten. Gemeinsam kamen sie auf fast 4000 Stimmen. Immer wieder gibt es in Dortmund Demonstrationen von Neonazis.

Rechter Demonstrant in Düsseldorf von hinten. Aufschrift auf der Jacke: Unsere Regeln unsere Tradition.

Rechte Slogans bei der Düsseldorfer Pegida-Demonstration. Foto: Bündnis ’90/Grüne NRW / flickr.com.

Die Stärke der rechten Szene in Dortmund würde ihr allerdings nicht helfen, sollte sie unter dem Stichwort „Pegida“ mobilisieren, sagt der Bochumer Politikwissenschaftler Jan Schedler. Eine Pegida-Demonstration würde sich nach außen nicht von einer Nazi-Demo unterscheiden und ein ähnliches Publikum erreichen. Diese Assoziation mit der rechten Szene wirke abschreckend. „Die Rechten würden kaum Zuspruch von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft bekommen“, ist der Bochumer Politikwissenschaftler überzeugt.

In Köln und Düsseldorf sei schnell deutlich geworden, dass Mitglieder rechter Gruppen die Pegida-Demos organisiert hatten. „Deshalb hatten sie keinen Erfolg“, so Schedler. Neonazis aus dem Ruhrgebiet reisten aber durchaus zu Pegida-Demos nach Düsseldorf oder nach Dresden. 

Rechte Einstellung: weit verbreitet aber versteckt

„Aktuelle Untersuchungen belegen, dass rechte Einstellungen weit verbreitet sind“, erklärt Jan Schedler. Dennoch würden sich diese Menschen aus der Mitte der Gesellschaft nicht selbst als rassistisch sehen. „Die Menschen aus der sogenannten ‚Mitte‘ gehen also nicht auf die Straße, wenn sie dort gemeinsam mit Anhängern rechter Gruppen stehen, auch dann nicht, wenn sie sich faktisch in ihren Ansichten gar nicht so fern sind.“

Schedler glaubt, dass es  theoretisch durchaus auch hier größere Pegida-Demonstrationen geben könnte, wenn die Veranstalter nicht offensichtlich rechten Gruppen zuzuordnen seien.

Schilder bei der Pegida-Gegendemo: "Habt keine Angst", "Ich bin kein Nazi. Aber... Aber was?"

Gegendemonstranten in Dresden. Foto: Caruso Pinguin / flickr.com.

Die Dortmunder Polizei möchte keine Spekulationen darüber abgeben, ob es in Zukunft zu Pegida-Demonstrationen auf Dortmunds Straßen kommen wird. Die Antifaschistische Union in Dortmund sieht derzeit keinen Handlungsbedarf. „Wir glauben, dass antifaschistische Gruppen in Köln und Bonn bisher gut mit der Situation umgehen können.“ 

Vermutlich keine Pegida-Demos in Dortmund 

In ganz Deutschland ist bekannt, dass es in Dortmund eine ausgeprägte rechte Szene gibt. Und das nicht erst, seit am Sonntagabend Das Erste einen Tatort gezeigt hat, in dem es um die Dorstfelder Neonazi-Szene geht.

Den Dortmundern ist das nur allzu bewusst. Die wenigsten möchten deshalb mit diesen Gruppen in Verbindung gebracht werden. Und genau deshalb wird es vermutlich auch weiterhin montags auf Dortmunds Straßen ruhig bleiben, während in vielen Städten bundesweit Pegida-Demos stattfinden.

Beitragsbild: Caruso Pinguin / flickr.com, Liliana / flickr. com. Montage: Bastian Pietsch.