Warum Hummeln nicht fliegen konnten

Bienen können es ohne Probleme, Wespen auch und Fliegen sowieso – nur der Fakt, dass Hummeln fliegen können, hat der Physik lange Zeit Probleme bereitet. Die Forscher konnten es sich einfach nicht erklären!

Alltagsmythos 3:
„Hummeln können physikalisch gesehen nicht fliegen.“

 

Eine Hummel fliegt vor einer Blüte.

Fliegen: In der Praxis noch nie ein Problem für die Hummel Foto: Mats Eriksson/flickr.com

 Im Sommer können wir das sehr häufig beobachten – Hummeln, die über Felder fliegen, sich auf Blüten niederlassen und danach wieder abheben. Lange Zeit war dieser eigentlich friedliche Anblick ein Dorn im Auge vieler Physiker: Physikalisch gesehen waren Hummeln nämlich viel zu schwer, um mit ihren kleinen Flügeln überhaupt über den Boden düsen zu können!

Die Hummel wird deswegen auch heute noch gerne als Beispiel für große Willensstärke genommen, immerhin kann sie den Gesetzen der Physik widerstehen – aber das ist ein Mythos!

Wie die Flügel funktionieren

Mitte der 90er-Jahre lieferte der Physiker Dr. Charlie Ellington von der Cambridge-Universität die Erklärung dafür, dass die Hummel fliegen kann. Ihm fiel auf, dass die Flügel von Insekten anders funktionieren als die Tragflächen eines Flugzeugs. Bei bisherigen Untersuchungen hingegen hatten Forscher die beiden Mechanismen oft gleichgesetzt und waren davon ausgegangen, dass auch Hummeln starre Tragflächen als Flügel haben.

Da sich allerdings ein Insektenflügel nach unten bewegt – und zwar an der Spitze schneller als am Rumpf – entsteht an seiner Spitze ein Unterdruck. Dadurch kann der Luftstrom, der den Flügel passiert, viel effektiver genutzt werden als beim Flugzeug, da er den gesamten Flügel entlang streift.

Die Hummel gewinnt dadurch zusätzlichen Auftrieb – und kann fliegen. Damit gibt es seit knapp 20 Jahren eine physikalische Erklärung dafür, dass Hummeln fliegen können. Willensstark sind die kleinen Tiere bestimmt trotzdem.

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