Fechten mit Worten

Beim Rededuell des Debattierclubs der Dortmunder Hochschulen gegen SPD Landtagsabgeordnete ging es heiß her. Das Thema: „Eine Schule für alle: die Gemeinschaftsschule?“ Fast 90 Minuten lang argumentierten, aber auch polemisierten die sieben Redner das Für und Wieder für eine einheitliche Schulform in Deutschland.

Hauptschüler am Gymnasium – Kein Problem!

Es als rein sachlichen Fakten- und Meinungsaustausch zu beschreiben, wäre wohl untertrieben. Die Redner der SPD und des Debattierclubs schenkten sich am Redepult nichts und vertraten ihre Position mit allen (nicht)rhetorischen Mitteln.

Der SPDler Rainer Bovermann eröffnete seinen Redebeitrag mit einer harschen Kritik am dreigliedrigen Schulsystem. Mit einem System von Gymnasien, Haupt- und Realschulen wäre es nicht möglich, Schüler adäquat zu fördern; so könne „ein Hauptschüler ohne Weiteres auch gymnasialen Unterricht genießen“, wenn er die nötige Auffassungsgabe und ein gesundes Interesse am Stoff hätte.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Bovermann hatte sichtlich Spaß an der Debatte.

Der SPD-Landtagsabgeordnete hatte sichtlich Spaß an der Debatte.

Prinzipiell wäre es für ihn aber denkbar, auch eine Differenzierung nach Fächern zu etablieren, wenn die Eltern dies wünschten. Als Ausgangsbasis soll dafür der offene Ganztagsschulbetrieb dienen. „Ganztagsschulen sind der Auftakt für eine neue Lehr- und Lernkultur“, so Bovermann. Er fordert: „Schluss mit dem Unsinn! Jeder soll einen Schulabschluss erlangen können!“

Von PISA bis Polemik

Diese argumentative Vorlage nutzte Henning Blunck vom Debattierclub und betonte eine emotionale Differenzierung in den Schulen: „Ein Schüler in einer Ganztagsschule wird immer der Ziehende oder der Gezogene sein“. Eine Unterscheidung der Schulformen sei also zwingend nötig, wenn man der Frustration bei Schülern vorbeugen wolle. Einen Zwischenruf von der SPD-Bank konterte Blunck: „Mit der PISA-Studie lässt sich alles belegen.“

SPD-Ortsvereinsvorsitzende Nadja Lüders teilte argumentativ aus

SPD-Ortsvereinsvorsitzende Nadja Lüders teilte argumentativ aus

Mit Nadja Lüders am Redepult gewann die Debatte deutlich an Fahrt. „Privatschulen werden überflüssig sein!“ polarisierte die 40-jährige. Prompt standen alle drei studentischen Oppositionsredner auf, um eine Zwischenfrage stellen zu können. „Sie dürfen gleich ihre Argumente vortragen, die für mich keine sind“, kommentierte sie vom Rednerpult. Ein Schmunzeln ging daraufhin durch die gut gefüllten Zuschauerreihen. Den Nutzwert von Privatschulen in Frankreich oder den USA, den ein Zwischenruf aus dem Publikum aufwarf, beurteilte Lüders lächelnd: „Wir wollen hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.“

Für ein erstes Highlight sorgte anschließend Jens Schulze in seinem ergänzenden Beitrag für die studentische Opposition. Seine Redezeit leitete er mit den Worten „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gesamtschüler“ ein, bevor er seine Position über den Begriff der Gemeinschaftsschule zu Investitionen im finnischen Bildungsbetrieb darlegte.

„Klein-Kevin“ wird gemobbt

Neben Gerd Bollermann, der sich sachlich um den integrativen Wert von Gemeinschaftsschulen bemühte, verließ Markus Krümpel gelegentlich diesen nüchternen Pfad. „Wir wollen doch alle das Gleiche, nur wir haben den besseren Weg zum Ziel,“ würgte er eine Bemerkung aus der SPD-Reihe ab. Reaktionsträchtig legte nach: „Es muss schwer sein, sich in der Landespolitik zu profilieren bei so viel Wahlkampfgerede, das Sie uns hier bieten.“ Das Gelächter im Publikum überdeckte die Gegenwehr.

SPD Landtagsabgeordneter Gerd Bollermann

SPD Landtagsabgeordneter Gerd Bollermann

Um das Mobbingpotential von Gemeinschaftsschulen auszuschmücken, griff Krümpel zu einem saloppen Beispiel, das das Publikum erneut laut lachend honorieren sollte: „Stellen Sie sich vor: Der kleine Kevin macht eine Irrfahrt durch die Zahlen 1 bis 10, während die kleine Anna-Lena Integrale rechnen will.“

„Nah dran an den Plenardebatten“

Trotz einer Menge Polemik und teils spitzen, persönlichen Bemerkungen wussten alle Redner die Diskussion einzuschätzen. „Bei dieser Debatte haben wir alle eine Rolle gespielt. Die Ausgestaltung vieler Argumente war nah dran an den Plenardebatten“ resümierte Rainer Bovermann am Ende und lobte die Mitglieder des Debattierclubs: „Kompliment!“ Wie nah der Grad der Polemik am just Dargebotenen war, verriet er nicht. Sein Bank- und Landtagsgenosse Gerd Bollermann ergänzte: „Es ist wichtig, sich mit politischen Themen öffentlich auseinanderzusetzen. Wir hätten auch gerne über kommunale Finanzen geredet, aber das Thema war ja vorgegeben.“ Beide fühlten sich letztlich in keinster Weise gekränkt, lächelten amüsiert über Debatte: „Wir würden jederzeit wiederkommen. Zwischenrufe und eine lebendige Diskussion sind wichtig, schließlich ist das hier keine Vorlesung!“

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