Kommerz an der Uni: Debatte über das Hochschulfreiheitsgesetz

In der einstündigen Debatte an der TU Dortmund lautete das Motto wie bei den drei vorangegangenen Wortgefechten auch: DebaDo gegen den Rest der Welt. Zwei Dortmunder Landtagskandidaten der FDP und der Vorsitzende der Dortmunder Jungen Liberalen verteidigten das 2006 beschlossene Gesetz.

„Mehr Freizeit für den Minister – weniger Freiheit für die Hochschulen“ kommentierten die Redner des Debattierclubs der Dortmunder Hochschulen (DebaDo) das Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) für das Land NRW. Hochschulfreiheitsgesetz? Das Gesetz, das Studienbeiträge ermöglichte. Das Gesetz, das den Universitäten mehr Entscheidungsfreiheiten brachte. Das Gesetz, das noch immer umstritten ist, obwohl es seit drei Jahren gilt.

Kommerz und Etikettenschwindel schaden Unis

Verbaler Anstoß der DebaDo-Opposition: Tobias Raschke stellt fest: „Deutschland ist ein Wissensstandort. Mehr Freiheit für die Hochschulen bedeutet eine Kommerzialisierung der Bildung!“ Darüber hinaus ließe sich ein Etikettenschwindel bei der Besetzung des Hochschulrates nicht wegdiskutieren. Intransparenz und das grundsätzliche Risiko von Inkompetenz machten den Hochschulrat zu einer Gefahr für jede Hochschule in NRW.

Marc Hövermann kurz vor seiner Abschlussrede für die Liberalen.

Marc Hövermann kurz vor seiner Abschlussrede für die Liberalen. Dass ein Zwischenruf ihn aus dem Konzept bringt, weiß er noch nicht. Fotos: F. Hückelheim

Liberaler Konter von Lars Rettstadt: „Durch die Unabhängigkeit von der Landespolitik kann die Uni als Arbeitgeber auftreten und selbst entscheiden, wie die praktizierte Lehre aussieht.“ Ein finanzieller Vorteil für Hochschulen sei zudem, dass die Studienbeiträge an der jeweiligen Bildungseinrichtung verblieben. „Lieber ein gutes Studium, das etwas kostet, als ein schlechtes Studium, das nichts kostet“, fordert Rettstadt, der im Landesfachausschuss für Schule und Bildung sitzt.
Pauschalisierungen von Studienbeiträgen sieht Debado-Redner Henning Blunck kritisch. Würde die Co-Finanzierung der Hochschulen durch Drittmittel aus Wirtschaftskreisen zukünftig anwachsen, wäre dies der endgültige Ausstieg aus der staatlichen Bildungsförderung. Jede Uni müsse so zwangsläufig aus Geldnot drittmittelschwache Studiengänge aus dem Lehrangebot streichen.

„Wir befinden uns im Bildungssektor und nicht auf dem Eiermarkt“

Maximilian Kreipe, Ergänzungsredner der Liberalen, sieht keinen Grund zur Beunruhigung. „Auch mit mehr Drittmitteln werden nicht sofort ganze Fakultäten sterben. Die Grundlagenforschung wird es weiterhin geben.“ Grundlagenforschung die ausschließlich kostet statt Gewinne einzufahren?
„Wir befinden uns im Bildungssektor und nicht auf dem Eiermarkt“ resümiert Markus Krümpel für die Opposition. Der Hochschulrat sei eine „Runde wirtschaftlicher Günstlinge der Politik“. Polemik, die Beifall erntet.

Markus Krümpel und Henning Blunck während der Debatte.

Markus Krümpel und Henning Blunck achten nicht nur auf ihr Redekonzept. Auch die Zuschauerreaktionen haben sie im Blick.

Neben den Zuschauern können sich auch die FDP-Vertreter ein lautes Lachen nicht verkneifen – wenngleich der Hohn darin nicht zu überhören ist.
Den humorvollen Vergleich seines Vorredners anscheinend noch im Ohr, gerät Marc Hövermann bei seiner Abschlussrede ins Stocken. Quintessenz bis zur abschließenden Redepause: Studierende werden für den Arbeitsmarkt ausgebildet. Deshalb muss eine Uni auch marktorientiert arbeiten. Am Abstimmungsergebnis der Zuschauer änderte dieser rhetorische Patzer nichts: Zwei Drittel der Anwesenden lehnten das HFG in seiner jetzigen Form vor und nach der Debatte ab.

DebaDo gegen den Rest der Welt – Herausforderungen willkommen

Das Meinungsbild war auf diese Weise für die Redner spürbar. JuLi-Vorsitzender und StuPa-Mitglied Maximilian Kreipe war trotz Antipathien positiv gestimmt: „In der Debatte war kein Zwang spürbar, dass die Diskussion krampfhaft auf einem politischen Niveau gehalten werden muss. Die DebaDo-Redner waren gut vorbereitet, wirkten authentisch und schlagfertig.“

Abstimmung im Publikum: Zwei Drittel sind gegen das HFG

Abstimmung im Publikum: Zwei Drittel sind gegen das HFG.

DebaDo-Präsident Tobias Raschke zog nicht ganz ohne Stolz ebenso eine positive Bilanz: „In der Debattenreihe hatten wir viele hochkarätige Redner erlebt. Der Meinungsaustausch und damit das Debattierprinzip wurden erreicht.“ Als einmalige Veranstaltungsreihe möchte er „Studierende vs. Politiker“ aber nicht sehen. „Wir wünschen uns, dass das Debattieren besonders in der Uni mehr Gewicht erhält und sind gerne bereit, gegen eine Meinungsgruppe zu einem beliebigen Thema in den Debattierring zu steigen.“
Was viele bislang nicht wussten: In der frühen Phase der Hörsaalbesetzung in der Emil-Figge-Straße 50 debattierte DebaDo mit den Studierenden und unterstützte so die Diskussion über Studienbeiträge und die Verbesserung der Lehre.

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