Hoeneß: Bewährungsstrafe hätte gereicht

Ob Uli Hoeneß nach seiner Haftstrafe in den deutschen Fußball zurückkehrt, ist bisher nicht bekannt. Quelle: Hubert Burda Media, flickr.de

Sei es eine Spur Naivität meinerseits, sein soziales Engagement über seine Straftaten zu stellen und seine Strafe mit derer anderer zu vergleichen, die weitaus schlimmere Taten begangen haben als Steuern zu hinterziehen oder der entscheidende Fakt, dass er schlichtweg zu seiner Schuld steht: Ich finde die Gefängnisstrafe von Uli Hoeneß nicht fair – davon ausgehend, die rechtlichen Bedingungen weitestgehend außen vor zu lassen.

Uli Hoeneß wurde am Donnerstag, um circa 14 Uhr zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Staatsanwaltschaft und Richter Heindl zufolge war seine Selbstanzeige unwirksam. Das Verfahren konnte daher nicht – wie von Verteidiger Feigen gefordert – eingestellt werden.

Warum keine Bewährung?

Ich frage mich: Hätte eine Bewährungsstrafe nicht gereicht? In den vergangenen Tagen wurde viel spekuliert und viele Meinungen über den Menschen, den Fußballprofi und eben den Steuerhinterzieher Uli Hoeneß geteilt. Die einen sagten, er sei aufgrund seines sozialen Engagements ein zu großer Sympathisant, um ihm das Gefängnis zu wünschen. Die anderen plädierten auf schuldig.

Kontroverser hätte die Diskussion nicht sein können: Bei Twitter kursieren Hashtags wie #Hoeneßindenknast sowie zahlreiche Negativ-Tweets zum #hoenessurteil. Die Kritiker des FC Bayern-Präsidenten forderten eine gerechte Strafe. Mit der Einstellung des Verfahrens hätte das Gericht ihrer Meinung nach ein „falsches Zeichen“ für die Gesellschaft gesetzt. Der millionenschwere Promi dürfe nicht anders behandelt werden als der kleine Mann.

Ich stelle jedoch die Behauptung auf, dass eine Person der Öffentlichkeit, die wie Hoeneß so viel Gutes für den deutschen Fußball und vor allem auch für sozial schwache Menschen getan hat, mit einer Bewährungsstrafe hätte davon kommen dürfen. Wenngleich seine Selbstanzeige möglicherweise erst auf die Recherche des Sterns folgte – er hat sie gemacht. Und: Er hat sich während der Prozesstage zu der Summe von 27,2 Millionen Euro bekannt. Hoeneß möchte „steuerehrlich“ werden, nannte es Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen. Inzwischen spricht man von einer Steuerschuld von 28,5 Millionen, inklusive Solidaritätszuschlag.

Was ist diese Gerechtigkeit wert?

Außerdem ist nach wie vor juristisch nicht festgelegt, wie detailliert eine Selbstanzeige sein muss. Es handelt sich um eine Grauzone, der sich Hoeneß bedient hat. Durchaus könnte der Verdacht entstehen, er und seine Verteidigung hätten das Gericht austricksen wollen, indem sie den Großteil der Informationen bis zuletzt zurückgehalten haben. Ein Gegenargument dafür war, dass Staatsanwalt von Engel bereits Anfang 2013, also direkt nach dem Hoeneß-Bekenntnis, angeblich die erforderlichen Daten für die Prozessentwicklung hätte herauslesen können. 

Wenn ich das Bild des Hoeneß‘ als sozialen Akteur der Bayern außen vor lasse, muss ich dennoch einsehen: Das Urteil ist gerecht. Und natürlich liegen die Argumentatoren richtig, wenn sie von juristischer Gleichberechtigung sprechen. Niemand sollte aufgrund seines Einflusses und seines Kontostandes rechtlich verschont bleiben.

Allerdings sollten sich alle Kritiker fragen: Was ist diese Gerechtigkeit wert? Dass der FC Bayern seinen Präsidenten verliert? Dass BVB- und Schalke-Fans jetzt voller Häme in die Schlussphase der Bundesliga ziehen? Recht und gerecht sind nicht immer konform. Und ich finde dieses Urteil nicht gerecht. Eins ist jedoch sicher: Uli Hoeneß und seiner Verteidigung wird es eine Revision wert sein.