Bahn: Höhere Preise – auch beim Semesterticket

Einmal im Jahr werden europaweit die Fahrpläne gewechselt. An diesem Sonntag war es wieder soweit. Gleichzeitig hat die Deutsche Bahn die Ticketpreise im Nah- und Fernverkehr erhöht. Grund sind laut Bahn gestiegene Energie -und Personalkosten.

Im Fernverkehr sind die Preise um knapp 3,9 Prozent gestiegen. Im Nahverkehr werden Angebote wie Schönes-Wochenende-Ticket oder das Quer-durchs-Land-Ticket im Schnitt um 2,7 Prozent angehoben.

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Egal, ob am Automaten, online oder im Reisezentrum: Wer sich einen Sitzplatz reservieren möchte, bezahlt vier Euro. Fotos: Vivien Schütz

Semesterticket teurer

Die Preiserhöhung bei der Deutschen Bahn hat auch Auswirkungen auf den Semesterbeitrag. Der steigt laut dem Asta ab dem Sommersemester 2012 von 150,61 Euro auf 156,05 Euro. Grund ist das Semesterticket. Das kostet statt 139,56 Euro dann 145 Euro.

Bahncard wird teurer

Die Bahncard 25, mit der man einen Rabatt von 25 Prozent bekommt, kostet nun 59 Euro und damit zwei Euro mehr als davor. Die Bahncard 50 ist mit 240 Euro jetzt zehn Euro teurer geworden. Unverändert bleiben die Sparpreise. Ein 2.-Klassen-Ticket kostet weiterhin 19 Euro für unter 250 km und 29 Euro für über 250 km, allerdings gibt es von diesen Tickets nun weniger im Angebot.

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Vier Euro pro Sitzplatzreservierung

Sitzplatzreservierungen kosten seit Sonntag einheitlich vier Euro, unabhängig davon, ob der Sitzplatz am Automaten, im Internet oder im Reisebüro gebucht wird. Damit kostet die Reservierung online und am Automaten nun 1,50 Euro mehr, im Reisebüro nun 0,50 Cent weniger.

Höhere Energie- und Personalkosten

Dass die Preise dieses Jahr deutlich gestiegen sind, begründet Daniele Bals, Sprecherin des Personenverkehrs der Deutschen Bahn, mit höheren Energiepreisen. Die Bahn erhält einen Großteil ihres Stroms aus Atomkraftwerken. Durch den Ausstieg aus der Atomenergie sind die Energiepreise deutlich gestiegen. Außerdem habe die Bahn die Gehälter ihrer Mitarbeiter erhöht, sagt Bals. Im Winter 2010 hatte die Bahn nach Ausfällen bei den Fernzügen und Problemen mit den Heizungen auf teurere Tickets im Fernverkehr verzichtet. Die damalige Qualität des Reiseverkehrs hätte dies nicht rechtfertigen können, erklärt Bahnsprecherin Bals. Die Preise im Nah- und Regionalverkehr waren dagegen um 1,9 Prozent gestiegen.

Auf diesen Winter aber sei man besser vorbereitet, sagt Daniele Bals. So habe die Deutsche Bahn unter anderem mehr Mitarbeiter eingestellt, um die Pannen im letzten Winter zu vermeiden.

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In Deutschland sind jeden Tag knapp 27.000 Züge der Deutschen Bahn unterwegs.

Teurer, aber nicht besser?

Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, kann die höheren Preise nicht komplett nachvollziehen. Dass die Energiepreise gestiegen sind und die Mitarbeiter ein höheres Gehalt bekommen, sei zwar richtig. Seiner Meinung nach aber dürfte die Bahn die Preise erst erhöhen, wenn sich auch die Qualität verbessert. Die Fahrgäste seien durchaus bereit, mehr zu zahlen, sagt er. Allerdings nur, wenn die Züge auch pünktlich kommen würden. Mit einer Pünktlichkeitsquote von 80 Prozent im Fernverkehr sei die Verspätungslage noch weit von den gewünschten 95 Prozent entfernt, sagt Naumann. Zur Info: Als pünktlich gilt ein Zug für die Deutsche Bahn, wenn er weniger als sechs Minuten Verspätung hat.

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Was sagen die Studenten?

Xiao Xiao, 21: Von mir aus können die die Preise schon erhöhen, aber wenn, dann auch mit einer guten Begründung und nicht nur aus Profit. Und wenn jetzt auch noch der Semesterbeitrag höher wird, finde ich das schlecht. Die sollen mal an uns arme Studenten denken. Wir müssen schon genug bezahlen für Bücher und so weiter.

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Maren, 21: Wir bezahlen mehr, aber der Service bei der Bahn verbessert sich nicht. Die Bahn fällt ständig aus. Heute sind auch schon wieder zwei Züge ausgefallen.

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Bastien, 20: Warum denn genau vor Weihnachten? Gerade jetzt hat man doch kein Geld über. Ich finde die sollten das nicht auf uns Fahrgäste abwälzen. Und wenn wir mehr zahlen, dann muss man auch erwarten können, dass die Züge pünktlich kommen. Wer viel verlangt, muss auch viel geben.

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Strecke Dortmund – Berlin nach dem letzten Vorlesungstag, am 23.12.2011


Bahn

Preis: 84 oder 96 Euro

Dauer: 3 1/2- 4 Stunden

Flugzeug

Köln: ab 150 Euro

Düsseldorf: ab 130 Euro

Dauer: 1 Stunde 10 Minuten

Dortmund: keine Verbindung.


Auto

Preis: ca. 65 Euro

Dauer: rund 5 Stunden

Mitfahrgelegenheit: 25 bis 30 Euro

Teaser: flickr.com/Christopher Lorenz/Christian Allinger/Don Obrien

4 Comments

  • Super Artikel und schöne Auflistung der verfügbaren Verkehrsmittel. Man sieht auf den ersten Blick die preisgünstigste Alternative und hoffe immer mehr Menschen entscheiden sich für das gemeinsame Reisen weil es die Umwelt schon und billiger ist.

  • Vivien Schuetz sagt:

    Hallo Johannes,

    der Preis ist nur ein ungefährer Wert. Ich weiß nicht, wie die Spritpreise am 23. dann genau sind, ob derjenige mit Diesel fährt oder wie schnell genau.
    Ich habe das folgendermaßen überschlagen:
    >> Vom HBF Dortmund bis HBF Berlin sind es ca. 500 km.
    >> Pro 100 km verbraucht man rund 9 Liter. Und Pro Liter bezahlt man derzeit rund 1,40 Euro
    ->Also 5*9Liter*1,40 Euro= 63 -> aufgerundet 65.
    Klar, Versicherungssachen und Abnutzung sind nicht in der Rechnung.

  • Johannes sagt:

    Eine Frage zu der „Strecke Dortmund – Berlin nach dem letzten Vorlesungstag, am 23.12.2011“: Wie schafft man diese Strecke mit dem Auto für 65 Euro? Dies entspricht umgerechnet ca. 13 cent/km. Gerne würde ich diese Möglichkeit nutzen, mir ist jedoch nicht bekannt, wie ein solcher Preis erreicht werden kann.

  • Andy sagt:

    Eine Ergänzung: Ich hab die Erfahrung gemacht, dass viele Studenten noch gar nicht wissen, dass es immerhin auch eine ermäßigte BC25 für nur 39 Euro gibt! Mit den selben Konditionen. Dieser Preis ist auch nach dem Fahrplanwechsel gleich geblieben. Also wenn Bahncard, dann die ermäßigte 25, denn dann gibts auch nochmal Rabatt auf Sparpreise (gäbe es mit BC50 nicht!). Ist die günstigste vom Beschaffungspreis und mit Sparpreis auch für die Fahrtkosten.

    Die gibts schon seit einem Jahr, hat die Deutsche Bahn mMn lange Zeit seeehr unkommuniziert gelassen. Erst jüngst gabs ne Imagekampagne, passend zum Semesterstart.

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