Wissenswert: Wenn es nicht Winter wird

Weihnachten ohne Schnee ist ja mittlerweile nichts Neues mehr. Dass man Silvester anstatt Raclette zu machen aber auf der Terrasse grillen kann, ist schon ein bisschen komisch. Aber was bedeutet es für Natur- und Tierwelt, wenn der Winter ausbleibt?

Während in den USA Temperaturen von bis zu minus 30 Grad gerade das öffentliche Leben lahm legen, herrscht hier in Mitteleuropa eher Frühlingsstimmung. Das hängt mit dem Wetter in den USA zusammen: Wegen der natürlichen Strömungsverhältnissen über dem Atlantik zieht das dortige Tiefdruckgebiet über den Atlantik nach Osten und schiebt dabei warme Luft vor sich her. Vereinfacht kann man sagen: Wenn es dort kalt ist, wird es hier warm.  Langanhaltender Süd-West-Wind bringt zusätzlich warme Luft aus dem Mittelmeerraum zu uns.

Die warmen Temperaturen wirken sich auf Flora und Fauna aus. Viele Vögel wie Kraniche und Stare verschieben ihre Reise in den Süden, bis es kalt wird oder bleiben ganz zuhause. Denn solange der Boden nicht gefroren ist, finden sie noch genug Futter. Für die Vögel, die schon in den Süden geflogen sind, hat das aber einen Nachteil: Wenn sie im Frühjahr wiederkommen, haben die Zuhausgebliebenen schon viele Bruthöhlen besetzt.

Schimmelpilze vernichten Mücken

Das milde Wetter bringt auch den Rhythmus anderer Tiere durcheinander. Viele Fledermäuse, Siebenschläfer und Igel zum Beispiel haben ihren Winterschlaf noch nicht angefangen oder wachen zu früh wieder auf. Für den Winterschlaf müssen die Temperaturen nämlich längere Zeit unter sechs Grad bleiben. Im Moment gibt es für sie aber trotz der Wärme nicht genug Futter. Wacht ein Igel auf, reicht sein Winterspeck lediglich für etwa zwei Wochen.

Vor allem Kraniche verzichten immer häufiger auf die Reise in den Süden - denn in Deutschland ist es warm genug. (Foto: flickr.com/victoriagracia

Kraniche fliegen immer seltener in den Süden – denn in Deutschland ist es warm genug. (Foto: flickr.com/victoriagracia) Teaserfoto: flickr.com/photos/martinlabar

Für Insekten, speziell für Mücken, ergeben sich ganz andere Probleme: Bei den milden Temperaturen wachsen Schimmelpilze, die die Mücken und ihre Eier befallen und vernichten. Das heißt aber nicht, dass es im Sommer keine Mücken geben wird: Wenn der Frühling warm wird, kann sich die Mückenpopulation schnell erholen.

Auch auf Pflanzen wirken sich die warmen Temperaturen aus. Einige bekommen schon Knospen und beginnen zu blühen, etwa Magnolien und Rhododendren. Wenn es in den nächsten Monaten aber noch friert, verenden die neuen Triebe. Das schadet den Pflanzen jedoch nur bedingt, weil sie meist noch genügend Nährstoffe für eine zweite Blütezeit gespeichert haben, die dann jedoch schwächer ausfällt. Sollte der Winter komplett ausfallen, blühen die Pflanzen im Frühling erst später. Denn erst durch kalte Temperaturen im Winter bekommen sie den Impuls, Blüten zu bilden.

Für die Landwirtschaft kann der warme Winter Ernteverluste bedeuten. Denn das Getreide wächst durch die milden Temperaturen immer weiter. Gibt es jetzt plötzlich harten Frost, gehen die zu großen Pflanzen schnell kaputt: Das Wasser in ihren Zellen gefriert bei Minusgraden, wodurch sie quasi zerreißen. In kälteren Wintern passiert das nicht, weil die Pflanzen während der ersten Fröste einen eigenen Frostschutz entwickeln und in Winterruhe gehen.

Je mehr Sonne, desto fröhlicher die Menschen

Für uns Menschen ist der warme Winter dagegen kein Problem. Im Gegenteil: Wenn die Sonne scheint, produziert der Körper Serotonin. Dieses Hormon ist für viele Prozesse im Körper verantwortlich und sorgt letztlich für unser Wohlbefinden. Durch eine höhere Serotoninkonzentration wird die Produktion seines Gegenspielers Melatonin vermindert. Melatonin ist ein Hormon, das uns müde und antriebslos macht. Außerdem produziert der Körper bei Sonneneinstrahlung Vitamin D, das gut für Knochen, Zähne und Muskeln ist. Je mehr die Sonne also scheint, desto besser geht es uns.

Einen Nachteil haben die warmen Temperaturen aber trotzdem: Mitten im Winter hat die Heuschnupfenzeit begonnen. Eigentlich blüht der Hasel erst ab Mitte Januar. In diesem Winter sind die ersten Haselpollen aber schon seit Dezember unterwegs.

 

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