Duell am Donnerstag – Filme: Synchronisation oder Untertitel?

 

Endlich sind die neuen Folgen der US-amerikanischen Lieblingsserie raus! Aber nur in Originalsprache – Jetzt nicht mehr länger abwarten und die Folgen mit übersetzten Untertiteln gucken oder doch noch gedulden, bis die Folgen oder der Film synchronisiert sind? Die Autoren Noah Matzat und Christoph Wötzel sind da unterschiedlicher Meinung. 

„Untertitel sind nutzlos“, 

findet Noah Matzat.

Synchronisation ist eine Kunst! Timing und Stimmlage der Synchronsprecher müssen genau passen, damit die Zuschauer sich in Fan-Foren zu Filmen und Serien mal nicht über den verlorenen Witz hier und die schlecht transportierte Stimmung da aufregen. Aber sind wir mal ehrlich: Synchronisation ist das Beste, was einem Film passieren kann.

Es kann wohl kaum erwartet werden, dass das Publikum die Originalsprache der Filme gut genug kennt, um sie mit Originalton zu gucken. Denn nicht nur Werke in englischer Sprache sind sehenswert: Schon alleine der französische Film „Ziemlich beste Freunde“ oder der Italo-Western „Zwei glorreiche Halunken“ sind ein Beweis für hervorragende europäische Filme. Französisch und Italienisch sprechen noch weniger Menschen als Englisch. Also könnte der Originalton nur durch Hilfe von Untertiteln beibehalten werden.

Probleme der Untertitel

Während bei dem ein oder anderen Film durch die Synchronisation mal ein Witz abhanden kommt, wäre es doch viel schlimmer, wenn die Augen des Zuschauers nur noch auf den Untertiteln am unteren Bildrand sind. Der Zuschauer ist damit beschäftigt ständig mitzulesen, während er seine Aufmerksamkeit nicht mehr komplett auf das Bild richten kann. Es kann wohl kaum im Sinne des Regisseurs sein, wenn das Publikum auf nichts anderes mehr achten kann als auf die weiße Schrift im Bild.

Bei schnellen Dialogen in Filmen wird das Problem noch viel schlimmer: So schnell kann keiner mitlesen. Das Hören der Figuren hätte nicht mehr einen „Nebenbei-Effekt“, sondern muss aktiv verfolgt werden, obwohl die Augen eigentlich anderswo gebraucht werden. Und was passiert, wenn sich die Aussagen von zwei Figuren teilweise überschneiden? Das sorgt beim Publikum für Verwirrung, weil auch dabei Untertitel nicht hinterherkommen. Die übersetzten Untertitel können wohl genauso gut oder schlecht die Anspielungen und Wortwitze aus der Originalsprache transportieren wie eine Synchronisation. Fazit: Untertitel sind nutzlos.

Synchronsprecher leisten gute Arbeit

Und wer hat sich mittlerweile nicht an die deutsche Stimme seiner Lieblingsschauspieler gewöhnt? Die deutschen Synchronsprecher machen ihre Sache gut, wenn man zum Beispiel an den Wiedererkennungswert eines Manfred Lehmann denkt, der unter anderem Bruce Willis und Gerard Depardieu seine Stimme leiht. Außerdem würden die hauptberuflichen Synchronsprecher bei einer Nicht-Synchronisation auch ihren Job und Lebensunterhalt verlieren.

Die einzige Chance, damit Filme international erfolgreich werden, ist die Synchronisation! Es ist die einzige Möglichkeit, dass die sprachlichen Barrieren überwunden werden können und die Zuschauer ihre Aufmerksamkeit trotzdem noch zu 100 Prozent auf das Bild richten.

„Synchronisation verschandelt jeden Film“, 

findet Christoph Wötzel.

Ins Kino gehen, eine DVD schauen oder „netflixen“. So sehen die Abende von Studenten häufig aus. Um sich perfekt zu entspannen und das Hirn möglichst wenig zu belasten, lassen sich die meisten Filmegucker von der deutschen Synchronfassung berieseln. In den großen Kinoketten haben sie zumeist gar keine Wahl zwischen dem Film im Originalton und der synchronisierten Fassung.

Die Aufgabe, die Handlung des Films zu erzählen, wird bei fremdsprachigen Filmen den Schauspielern abgenommen und an Synchronsprecher outgesourct. Würde jemand bei einem englischsprachigen Popsong auf die Idee kommen, den Text zu synchronisieren? Das würde wohl von jedem als massiver und unnötiger Eingriff in das Originalwerk verstanden werden. Man würde sogar von einer Verfälschung und einer Respektlosigkeit gegenüber dem Künstler sprechen. Doch warum bleiben diese Stimmen bei der Synchronisierung von Filmen stumm?

Synchronsprecher verfälschen Sprache

Die Sprache ist die tragende Säule eines jeden Films. Sie vermittelt die Handlung, übersendet Emotionen und gibt jedem Film eine persönliche Note. Beim Liebesfilm überbringt sie dem Zuschauer die Botschaft der Romantik, in der Komödie den Humor, im Krimi die Spannung. In ihrer Macht liegt der Grund, warum der Stummfilm ausgestorben ist.

In einer Synchronfassung geht diese Macht verloren. Eine Sprecherkabine in einem Tonstudio kann kein Filmset ersetzen, an dem die Schauspieler durch Gestik, Mimik und Bewegung die Intensität ihrer sprachlichen Darstellung verstärken können.

Originalton fördert Englischkenntnisse

Filme im Original mit Untertitel können aber auch die Sprachkenntnisse der Bevölkerung, und hier insbesondere von Kindern und Jugendlichen verbessern. In Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und den Niederlanden werden Filme nicht synchronisiert. Die Bevölkerung dieser Länder spricht Englisch (als Fremdsprache) weltweit am besten.

Ob dies am guten Schulunterricht oder an der fehlenden Synchronisation der Filme liegt, lässt sich schwierig beweisen. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass eine frühe Konfrontation mit englischer Sprache in der Freizeit, also zum Beispiel im Kino, positive Effekte auf die Fremdsprachenkompetenz von Kindern und Jugendlichen ausübt.

Vor allem Kinder profitieren

Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre es, wenn große Kinoketten mehr Filme im Original mit Untertitel zeigen würden. Vor allem bei Kinderfilmen können sich so die Englischkenntnisse der Zuschauer stark verbessern, wenn sie auch außerhalb der Schule mit der Sprache in Berührung kommen.  

Foto: John/ flickr, lizenziert nach Creative Commons

Beitragsbild: flickr/agnellina (lizenziert nach Creative Commons) 

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