An der Kreuzung zum Latinum

Nicht nur in Theologie und Geschichte braucht man es, auch in vielen romanischen Sprachen ist es an der Uni ein Muss: Das Latinum. Studenten, die es nicht in der Schulzeit erworben haben, müssen es während des Studiums nachholen. Viele Wege führen zum Ziel – Lernstress ist bei allen sicher.

Lateinbücher werden zum ständigen Begleiter. Foto: Hanna Zimmermann

Lateinbücher werden zum ständigen Begleiter. Foto: Hanna Zimmermann

Um sich auf die zentrale Abschlussprüfung für das Latinum vorzubereiten, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder direkt an der Uni oder über einen Crashkurs in den Semesterferien. „Diejenigen, die sich durch die Unikurse gequält haben, schaffen auch größtenteils das Latinum“, erklärt Gabriele Schwabe. Sie leitet die Kurse an der Bochumer Uni und ist Prüfungsberechtigte von Arnsberg. „In diesem Semester haben 93 Prozent der Bochumer Studenten bestanden. Die Durchschnittsnote lag bei 2,9. Von denen, die aus Crashkursen dazu gestoßen sind, haben 63 Prozent mit einer Durchschnittsnote von 4,3 bestanden.“

Lernstress ist vorprogrammiert

Latein an der Uni nachzuholen, bedeutet neben den eigentlichen Studienfächern zusätzlichen Lernaufwand. Lavinia Haupt, Studentin der Germanistik und Komparatistik in Bochum, spricht von zehn bis zwölf Stunden pro Woche, die sie mit Grammatik-, Vokabellernen und Übersetzen verbracht hat. „Latein an der Uni bedeutet ein drittes Fach zu haben“, sagt Lavinia. In Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen sind die Lateinkurse in drei aufeinander folgende Kurse mit fünf Semesterwochenstunden gegliedert.

Burkhard Sauerwald, Kursleiter in Dortmund, beschreibt: „Viele Studenten brechen schon nach einigen Wochen ab. Wir haben in diesem Semester mit 65 Studenten in Latein I angefangen und sind jetzt 35. Das Durchhaltevermögen ist das größte Problem.“ Hier kommen die Crashkurse ins Spiel.

Zeitersparnis durch Crashkurs

Der Weg zum Latinum kann mühsam sein. Foto: Hanna Zimmermann

Der Weg zum Latinum kann mühsam sein. Foto: Hanna Zimmermann

Das „Collegium Germanicum“ in Bochum ist ein Beispiel. „Zu uns kommen Studenten, die die überfüllten Unikurse abschrecken“, erklärt Institutsleiter Gerd Romahn. „Außerdem versprechen sie sich Zeit- und Geldersparnis, denn wenn sie die Kurse ständig wiederholen, müssen sie erneut Studiengebühren zahlen.“ Die Crashkurse dauern abhängig von Vorkenntnissen zwischen vier und sechs Wochen und kosten zwischen 700 und 1200 Euro.

Die Lateinlehrer an den Unis raten größtenteils von Crashkursen ab. „Es ist nicht möglich den ganzen Stoff in sechs Wochen zu erlernen“, betont Gabriele Schwabe. Burkhard Sauerwald hebt die unterschiedlichen Lernmethoden heraus: „Unsere Kurse sind für die kognitiven Lerntypen gemacht, die Crashkurse sind eher für visuelle, intuitive Typen.“

Beim Latinum ist es wie mit Rom: viele Wege führen dorthin. Den richtigen Weg zu finden, bleibt jedem Studenten selbst überlassen.

Von unserer Mitarbeiterin Janine Teipel

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