Von der Hochschule zum Hofladen

hans-bringt-glueck-2Er machte seinen Bachelor an der TU und eröffnete anschließend sein eigenes Geschäft im Zentrum von Dortmund: Welche Hürden der Kulturwissenschaftler Julian Hans auf seinem Weg in die Selbstständigkeit überwinden musste.

Dienstagmorgen: Julian nimmt die tägliche Lieferung entgegen. Für ihn mittlerweile ein gewohnter Ablauf. Wurst und Fleisch bekommt er heute, wichtige Bestandteile seines Sortiments. Julian verkauft Lebensmittel. In einem kleinen Laden im Dortmunder Kaiserviertel. Wen es hierher schon einmal verschlagen hat, dem ist „Der Hans“ vielleicht bekannt. Für alle anderen: Es ist ein kleiner Hofladen an der Kaiserstraße, der benannt ist nach Julian Hans.  Der 31-jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, frische Lebensmittel aus der Region zu verkaufen. Obst, Gemüse, Fleisch, Milch und Gewürze gehören zum Sortiment. Was anfangs eine vage Idee war, ist seit über einem Jahr Realität. Ein Vollzeitjob. Julian ist sein eigener Arbeitgeber. Dabei war das ursprünglich gar nicht geplant.

Aufgewachsen ist Julian im Münsterland. Obst und Gemüse aus eigenem Anbau und Milch vom Bauern um die Ecke gehörten zu seinem Alltag. Jedoch verband er  das damals  ausschließlich mit dem Landleben. Nach seinem Abitur begann er eine Ausbildung zum Hotelkaufmann in Bonn. Statt beruflich in diesem Bereich zu bleiben, entschied er sich 2008, an der TU Angewandte Sprach- und Wirtschaftswissenschaften zu studieren.

Von den Finnen inspiriert

„Das ist dem, was ich heute mache, gar nicht so unähnlich“; sagt Julian. „Ich habe mich während des Studiums mit Kommunikationskonzepten beschäftigt, also mit Verkaufsgesprächen und der Frage, wie man ein simples Produkt, wie beispielsweise eine Kartoffel, erfolgreich verkaufen kann.“ Doch das Gelernte im eigenen Betrieb anwenden: das war noch keine Option. Er wollte in die Wirtschaft gehen, in einem größeren Unternehmen oder einer Werbeagentur arbeiten. Die Idee, sich mit einem Geschäft für regionale Lebensmittel selbstständig zu machen, kam Julian während seines Auslandssemesters in Helsinki.

In der finnischen Hauptstadt ist regionales Essen etwas ganz Gewöhnliches. „Es ist fest im Alltag der Menschen integriert, dass sie das essen, was gerade regional auf den Wiesen, in den Wäldern, im Meer zu erbeuten ist“, sagt Julian. „Und ich dachte mir: krass, das geht also auch in der Großstadt.“ Sein Ziel von nun an: einen Laden in Dortmund eröffnen, der zeitgemäß kommuniziert und hochwertige Lebensmittel anbietet.

Der Weg zum Erfolg

Zurück in Deutschland wandte sich Julian an die Gründerinitiative der Dortmunder Universität, tu-startup. Er stellte sein Konzept vor und bekam Feedback und eine Mentorin.

Die Vorgehensweise hing allein von ihm ab. Er musste sich ein Bild von der gegenwärtigen Marktlage machen. Er untersuchte, inwiefern sein Vorhaben umsetzbar war, ob er später so seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte und wie ähnliche Geschäfte  angenommen werden. Vor allem aber benötigte er das Urteil von potenziellen Kunden, was ihn zu einem eigenen kleinen Forschungsprojekt führte und weg von dem Ursprungsgedanken, einen Onlineshop zu gründen.

Julian änderte sein Konzept und machte sich auf die Suche nach passenden Räumen. Er hatte Glück, der Projektraum „offene antworten“ in Dortmund stand frei, den man für begrenzte Zeit günstig mieten kann. Julian bekam dort die Möglichkeit, für vier Monate einen PopUp-Store zu gründen, eine Beta-Version dessen, was er sich als langfristigen Beruf vorstellte. Die kam besser an als anfangs gedacht, weswegen schnell der Entschluss stand: Er würde einen Hofladen eröffnen. 

Alles eine Sache der Finanzen?

Wieder musste er nicht lange nach neuen Räumen suchen: Er mietete eine ehemalige Weinstube in derselben Straße an, so dass ihm seine Kundschaft erhaltenhans-bringt-glueck-3 blieb. „Ein echter Glücksgriff“, berichtet Julian. Für das Startkapital wandte er sich an Banken, die aber von  seiner Gründungsidee abrieten.  Julian ließ sich nicht beirren, zog Familie und Bekannte zurate und lieh sich von seinen Eltern 10.000 Euro . Viel Geld, das er bis heute monatlich zurückzahlt. Viele Vorbereitungen, wie zum Beispiel den Bau der Palettenregale, die vorher im Garten eines Freundes lagen, hat Julian ganz allein gestemmt.

Ein ganz normaler Arbeitstag

Am 1. April 2015 eröffnete Julian sein Geschäft. Die Arbeit, die er investiert hat, hat sich gelohnt. Ausruhen kann er sich allerdings nicht. Einmal die Woche steht seine Kollegin Jessica zwar mit im Laden, doch der Großteil bleibt am Inhaber hängen. Die anfallenden Aufgaben versucht Julian während der Öffnungszeiten zu erledigen: Ware kontrollieren und neu bestellen, Lieferungen entgegennehmen und Abrechnungen machen. Und natürlich verkaufen. Der Austausch mit seinen Kunden ist ihm wichtig, von ihnen holt er sich Tipps. „Die Molkerei, von der ich meinen Ziegenkäse bekomme, kannte ich  nicht, bis eine Kundin sie mir empfohlen hat. Bis heute bekommt sie dafür Rabatt“, erzählt Julian. Mittlerweile bekommt der Ladenbesitzer auch Anfragen von den Erzeugern aus der Umgebung. Anfangs belächelten sie ihn, jetzt bieten sie ihm ihre Produkte an. Ein großer Fortschritt für Julian. Er ist zufrieden und froh, dass er endlich ernst genommen wird.

 

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