Kommentar: YouTuberin Bibi
trällert nur für die Klicks

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: YouTube-Star Bibi macht jetzt auch Musik. Die 24-jährige Bianca Heinicke – besser bekannt unter ihrem YouTube-Namen „BibisBeautyPalace“ – veröffentlichte ihren ersten eigenen Song mit dem Titel „How it is ( wap bap … )“. Ein Lied, das die Welt nicht braucht. 

Wenn YouTuberin Bibi etwas in die Hand nimmt, zieht sie erfahrungsgemäß stets die Aufmerksamkeit auf sich. So auch mit ihrem neuen Lied. Innerhalb weniger Stunden nach der Veröffentlichung ihres Musikvideos auf YouTube schossen die Klickzahlen in die Höhe und brachen sämtliche Rekorde Deutscher Vlogger. Mittlerweile hat das farbenfrohe Musikvideo mit primitiver Kinderliedmelodie über 22 Millionen Aufrufe – Potenzial zur Steigerung durchaus vorhanden. Für die Newcomer-Sängerin Bibi scheinen die Klicks ein Erfolg zu sein. Wären da nicht die vielen Dislikes. Mit 1,6 Millionen Daumen nach unten ist Bibi in die Top Ten der Videos mit den schlechtesten Bewertungen auf YouTube eingezogen. Das muss man erst einmal schaffen! Auch in anderen sozialen Netzwerken wird ihr Musikvideo hart kritisiert. Doch das scheint die YouTuberin wenig zu stören. 

Gelassen trotz Shitstorm?

Bibi reagierte nämlich relativ entspannt auf die Kritik an ihrer Musik. In einem ihrer jüngsten Videos geht sie nur kurz auf den Shitstorm ein und sagt: „Nur weil mir der Song gefällt, heißt das nicht, dass jedem anderen der Song auch gefallen muss. Jeder kann ihn bewerten, wie er möchte.“ Ob das wohl ihre ehrliche Meinung ist? Vermutlich nicht. 38.000 Abonnenten auf YouTube hat Bibi durch ihren Musik-Fauxpas verloren. Für einige YouTuber wäre das ein Desaster, Bibi kann das belächeln. Dabei hilft ihr auch sicher der hohe Geldbetrag, den sie für die Produktion bzw. die vielen Klicks auf YouTube bekommen hat – der wohl wahre Grund für ihre Gelassenheit.   

Hauptsache das Geld stimmt

Auch wenn die blonde Kölnerin vielleicht gerne als Popstar rauskommen würde – nicht jeder hat das Talent zum Musik machen. Und auf eine zusätzliche Einnahmequelle durchs Singen ist die YouTuberin auf keinen Fall angewiesen. Mit rund 4,5 Millionen Abos gehört Bibi schließlich zu den erfolgreichsten Social-Media-Stars Deutschlands. Regelmäßig versorgt sie ihre Fangemeinde mit Videos, finanziert sich durch Klickzahlen und zahlreichen Produktplatzierungen. Daran gibt es nichts auszusetzen, solange sie es offen kommuniziert. Dass man mit YouTube und sozialen Netzwerken Geld machen kann, ist ja kein Geheimnis. Doch der Versuch, jetzt als Sängerin durchzustarten, hat mit Sicherheit nichts mit ihrem entdeckten Talent für Musik zu tun. Das ist deutlich zu hören in ihrem neuen Video. Hier geht es einmal wieder nur um das Geld. 

Auch wenn Bibis kleiner Ausflug in die Musikbranche für ihren Account keine Katastrophe sein wird, ihre Fans hat sie trotzdem hintergangen. Schon Wochen vor dem Release von „How it is ( wap bap … )“ kündigte sie stolz ihre Single an und ermutigte ihre Follower mehrfach, sich die CD bei Amazon vorzubestellen. Natürlich kostenpflichtig und ohne Hörprobe vorab. 

Dass das nicht geht, kritisieren nicht nur ihre eigenen Fans, sondern auch andere bekannte Internetstars. Diana zur Löwen beispielsweise, ebenfalls eine erfolgreiche deutsche YouTuberin, erklärt, dass sie es schade findet, dass ein Song den Fans nicht kostenlos zur Verfügung gestellt werde. Denn dass Bibis CD gekauft würde, war abzusehen. Die Mehrzahl ihrer Abonnenten ist im Jugendalter und junge Leute lassen sich oft leichter beeinflussen. Es war auch abzusehen, dass nicht nur die CD verkauft würde, sondern auch ihr Video auf YouTube gut geklickt werden würde. Musikvideos auf YouTube sind laut der JIM- Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest als die meist geschauteste Art von Videos unter 12- bis 19-jährigen Jugendlichen in Deutschland. Das entspricht auch etwa dem Alter von Bibis Zielgruppe.

https://twitter.com/R_Peter1/status/860451242987974656

Doch nicht nur der Social-Media-Star selbst, auch die Melodie ihres Hits wird stark kritisiert. Es gibt den Vorwurf sie sei geklaut und klinge wie „The Show“ von Lenka. Plagiat hin oder her: Bibis Stimme gehört sowieso wohl kaum in die Charts, höchstens in den Kinderchor. Ihr neues Lied ist der beste Beweis dafür. 

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