Ein Quadratmeter, der glücklich macht

In diesen Wochen wird in Deutschland eine Givebox nach der anderen gezimmert. „Sharing is caring“, lautet das Prinzip. Wer schöne Dinge selbst nicht mehr benutzt, legt sie als Geschenk für seine Mitmenschen in der Givebox ab, statt sie auf Ebay zu verkaufen oder wegzuwerfen. Der Gratis-Flohmarkt im Telefonzellenformat hat sich von Berlin aus quer in der Republik verbreitet – alle wollen eine Givebox haben.

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So sieht ein moderner Ort des Schenkens aus. Eine von drei Giveboxen in Düsseldorf. Fotos: Alexander Greven

Viel braucht es dafür nicht: Ein, zwei Metallregale, drei Holzplatten und eine Europalette, die als Fußboden dient. Sägen, streichen, bohren – in wenigen Stunden ist die Box gebaut. Wer mag, kann sie dann noch mit ein bisschen Tapete und Deko aufhübschen. „Die Kosten liegen bei etwa 200 Euro“, sagt Hildegard Düsing-Krems. Sie kümmert sich in Düsseldorf um die Givebox-Pressearbeit. Mit Freunden hat sie in Düsseldorf-Eller bereits die dritte Givebox der Stadt errichtet; weitere Ortsteile sollen folgen. Das Geld dafür investieren die Düsseldorfer zum Teil selbst, außerdem haben sie ihr Projekt auf der Spendenplattform betterplace.org angemeldet. Die Bauanleitung für die Givebox schließlich gibt es auf Facebook.

Dort hat die Idee erst so richtig Fahrt aufgenommen. Als er im Sommer mit seiner Freundin die Wohnung ausmistete, kam Givebox-Initiator Andreas Richter auf den Gedanken: Warum Dinge wegschmeißen, die eigentlich noch völlig intakt sind? Am 20. August stand in Berlin-Mitte dann die erste Givebox, darin Bücher, Kleidung, CDs. Der 28-Jährige erstellte eine Facebook-Seite zur Givebox, die Aktion wurde zum Selbstläufer. 4.895 Fans hat allein die Fanseite aus Berlin. Daneben existieren mittlerweile zahlreiche Seiten für Giveboxen in Münster, Hamburg, Frankfurt und anderen Städten.

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Kleine Danksagungen im Gästebuch.

Erfolgsrezept: Mitmachen ist kinderleicht

Die Aktion erfreut sich generationenübergreifend breiter Beliebtheit: 5.168 Fans hat die Facebook-Seite der Berliner Givebox, die Seite der Düsseldorfer Boxen hat es innerhalb weniger Wochen auf 1.376 Freunde gebracht. Elf Boxen gibt es seit August in Deutschland, außerdem hat die Idee San Francisco, Zürich und Kopenhagen erreicht. Vielleicht ist das Geheimrezept, dass das Mitmachen so einfach ist. Allein der Bau ist im Handumdrehen erledigt. „Ich habe gedacht, ich komme mal kurz vorbei, mal schauen, ob vielleicht Hilfe gebraucht wird“, sagt Konstantin Kokkos, der beim Bau der Givebox in Düsseldorf-Eller den Hammer geschwungen hat. Dafür hat er seinen Samstagmorgen gerne geopfert. Sechs, acht helfende Hände – und die Box ist in wenigen Stunden fertig. „Das macht uns einfach Spaß“, erklärt Karl-Heinz Krems aus Düsseldorf. Mit ihrem Geld und Körpereinsatz sorgen die Aufsteller dafür, dass sich Menschen langfristig gegenseitig eine Freude machen – das ist ihre Motivation. „Natürlich denken wir an sozial Schwächere“, sagt Krems. Aber auch wenn jemand, der es sich eigentlich leisten könnte, ein Schmuckstück in der Givebox entdeckt, ist er mit der Aktion zufrieden. „Hauptsache, man muss gut erhaltene Gegenstände nicht wegschmeißen“, sagt Hildegard Düsing-Krems.

„Danke lieber Spender. LG.“

Das Prinzip Givebox ist simpel: Hier kann man, ohne große Mühe, andere und sich selbst glücklich machen – durch Schenken und Nehmen. Alles ist anonym, die Givebox steht rund um die Uhr offen. Nur zwei Regeln hat Richter aufgestellt: Wer  etwas in der Givebox anbietet, soll spätestens nach zwei Wochen noch einmal danach sehen. Ladenhüter müssen dann wieder mitgenommen werden. Im kleinen Gästebuch an der Pinnwand hat ein dankbarer Nehmer dann vielleicht schon einen Gruß hinterlassen. Und wer aus einer Box etwas ersteht, soll es außerdem nicht andernorts weiterverkaufen. „Dann muss man nur noch ein paar Leute in der Nachbarschaft finden, die regelmäßig nach dem Rechten sehen“, sagt Hildegard Düsing-Krems vom Düsseldorfer Team. Manchmal seien die Boxen nämlich von der Wühllust der Besucher etwas mitgenommen. Das bisschen Aufräumen könne man aber selbst auf die Schnelle beim Weg zum Supermarkt erledigen.

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Mit Spanplatte und Akkuschrauber die Welt verbessern: Die Düsseldorfer Uwe Fischer, Konstantin Kokkos, Harald Walter und Karl-Heinz Krems zimmern die Givebox im Stadtteil Eller nach der Anleitung auf Facebook zusammen.

Facebook statt Vereins-Stammtisch

Die Vernetzung der Giveboxen aus den verschiedenen Städten, die Kommunikation unter Helfern, Gebern und Nehmern -„das alles läuft über Facebook“, sagt  Hildegard Düsing-Krems. Eine Vereinsstruktur, Vorsitzende und regelmäßige Treffen ersetzt das Internet. Es ist flexibles Engagement auf Abruf, das oft spontan stattfindet und nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt. Als zum Beispiel ein Berliner Anwohner das Foto der von Vandalen verunstalteten Givebox bei Facebook postete, waren freiwillige Aufräumer schnell vor Ort. Das Projekt schweißt Nachbarschaften zusammen: „Die Leute identifizieren sich mit den Boxen und gucken gern mal nach dem Rechten“, sagt Hildegard Düsing-Krems. Es ist ganz offensichtlich: Euro-Angst und Wirtschaftskrise haben dem Tauschgeschäft wieder zu einem echten Aufschwung verholfen. Abzuwarten bleibt jedoch, wie lange die Boxen stehen: Die Düsseldorfer haben bewusst keinen Antrag bei der Stadt gestellt; sie haben keine Lust, lange zu warten und sich vom bürokratischen Prozess aufhalten zu lassen. Da sie die Boxen auf öffentlichen Flächen platzieren, könnte das noch Ärger nach sich ziehen.