Buchtipp: Himmlische Ausbildung

Zu Gott hat Felix eigentlich nie einen Draht gehabt. Doch in dem Roman „Himmlische Ausbildung“ steht Hauptperson Felix plötzlich vor der Himmelstür – und traut seinen Augen kaum. Was zunächst scheint, wie ein schlechter Scherz, wird immer rätselhafter. Felix soll im Himmel die Ausbildung zum Schutzengel durchlaufen. Warum er? Was ist in seinen letzten Monaten auf der Erde passiert? Felix fehlt die Erinnerung – und die Himmelscrew gibt sich geheimnisvoll. Beschrieben wird die Geschichte einer zweiten Chance.

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Christine Pierk ist Diplom-Politikwissenschaftlerin, Journalistin und nun auch Autorin. Foto: privat.

Wie sieht der Himmel aus? Mit einem „vorläufigen Himmelspass“ ausgestattet, versucht sich Felix zu Beginn des ersten Romans von Christine Pierk ein Bild vom Leben über den Wolken zu machen. Mit dabei: Der Leser, den Felix als Ich-Erzähler auf dem Laufenden hält. Viel Zeit, sich umzusehen, hat er nicht: Sein persönlicher Betreuer Erwin und Ausbilderin Kathi haben mit ihm und den anderen Schutzengelanwärtern eine Menge vor. Nur eines wollen sie nicht – Felix‘ zahlreiche Fragen beantworten. Am Abend vor der ersten Unterrichtseinheit darf Felix, den sie im Himmel alle ‚Schutzengelanwärter 123‘ nennen, noch schnell sein Zimmer beziehen: „Eines kann ich Ihnen jetzt schon sagen, das wird kein Urlaub hier.“

Wohnst du noch, oder schwebst du schon?

Ein bisschen eintönig ist es im Himmel schon. Kein Telefon, kein Computer und kein Fernseher im gesamten Himmelsappartment. Dafür hält Felix‘ Unterkunft andere Raffinessen bereit. Zum Abendessen gibt es Sternenschauer. Zähne putzen war gestern – ein Schritt ins Bad genügt, und Felix fühlt sich frisch geduscht und sauber wie auf Knopfdruck. Auf dem Nachttisch fehlt der Wecker – doch pünktlich vor Unterrichtsbeginn wird der Schutzengelanwärter von Harfe spielenden Frauen aufgeweckt. „Wenigstens ein Klischee stimmt also“, findet er.

Foto: Joujou/pixelio.de

Wie wohnt man da oben eigentlich? Foto: Joujou/pixelio.de

Der Deal ist einfach: Weil Felix in seinem Leben einige Male vom rechten Weg abgekommen ist, soll er sich nun im Himmel beweisen. Die Ausbildung zum Schutzengel ist seine Chance, Fehler, die er auf der Erde begangen hat, wieder gutzumachen. Je nachdem, wie der „Schutzengel auf Probe“ sich in theoretischer und praktischer Ausbildung anstellt, geben seine Ausbilder Felix‘ Erinnerungen an die letzten Monate auf der Erde wieder frei. Drei Schutzengel-Einsätze muss Felix erfolgreich absolvieren, um seine Erinnerung komplett zurückzuerhalten. Doch Ausbilderin Kathi lässt keine Zweifel aufkommen: „Bis Sie ein richtiger Schutzengel sind, ist es also noch ein langer Weg.“ Denn Felix, der auf Erden alles andere als ein Musterknabe war, steht unter besonderer Beobachtung seiner Ausbilder. Deshalb ist er auch der einzige Schutzengel-Azubi, der für seine Einsätze keinen Düsenantrieb bewilligt bekommt. Zum Spott seiner Mitschüler kommt der enttäuschte Felix also zu den ersten Flugübungen mit den deutlich langsameren Engelsflügeln. Uncool: Mit Superman hat das nichts mehr zu tun.

Felix wünscht sich eigentlich nur eins. Er will wieder wissen, was er angestellt hat. Weil ihn der Ehrgeiz packt, bringt er die theoretische Prüfung mit links hinter sich. Auch das Fliegen klappt recht schnell. Ein paar blaue Flecken, und Schutzengelanwärter 123 schwebt ein paar Zentimeter über den Boden. Schneller als gedacht, steht Betreuer Erwin mit zufriedenem Grinsen vor ihm und hat den ersten von drei Einsatzplänen dabei.

Foto: Peter Smola/pixelio.de

Protagonist Felix hat nie an Gott geglaubt, an Schutzengel schon gar nicht. Foto: Peter Smola/pixelio.de

Blühende Fantasie

Seine Engels-Einsätze auf Erden helfen Felix Stück für Stück, seine alte Identität zurückzuerlangen und eine neue Perspektive auf sein Leben und Handeln zu gewinnen. Mit großem Einfallsreichtum und kindlicher Fantasie lässt die Autorin den Schutzengelanwärter einige knifflige Prüfungen durchlaufen. Felix ist im Himmel auf dem Weg zu sich selbst. Zuweilen anstrengend ist der bemühte Dialog des Ich-Erzählers mit dem Leser: „An Ihrer Stelle würde ich mir auch gar nicht länger zuhören“. Doch die Diplom-Politikwissenschaftlerin und Journalistin Christine Pierks lässt mit ihrer niedlichen Illustration des Treibens oben im Himmel vielleicht sogar Atheisten hoffen. Die Geschichte schlägt die Brücke zur Nahtoderfahrung, die trotz intensivierter Forschung der Wissenschaft ein Rätsel aufgibt.

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