Stipendien – nicht nur für Streber

Ein Beitrag von Adriane Palka

Sechs der zwölf deutschen Begabtenförderungswerke, die Stipendien vergeben, stellten sich am Donnerstagabend bei einem Infoabend an der TU Dortmund vor. Das Motto der Veranstaltung: „Stipendien? Nicht nur für Streber!“, fasst es kurz und bündig zusammen: So schwierig ist es gar nicht, ein Stipendium zu kriegen.

Stipendiaten informieren interessierte Studenten auf dem Infoabend über ihre Stiftungen. Fotos: Anne Schwedt

Stipendiaten informieren interessierte Studenten auf dem Infoabend über ihre Stiftungen. Fotos: Anne Schwedt

Ein Stipendium bedeutet eine finanzielle Unterstützung im Studium, die nicht zurückgezahlt werden muss. Dafür muss man jedoch auch einige Voraussetzungen erfüllen. Für Stipendien gibt es Richtlinien, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erstellt werden und die für alle Stiftungen gelten. Vom BMBF kommt dann auch der Großteil der finanziellen Mittel.

Der Höchstregelsatz des Grundstipendiums beträgt 597 Euro, der Mindestsatz 26 Euro. Wie das BAföG wird an der wirtschaftlichen Bedürftigkeit gemessen, ob man ein Stipendium bekommen kann, oder nicht. Dies ist davon abhängig, wie viel die Eltern in den vergangenen zwei Jahren verdient haben. Von der Bedürftigkeit unabhängig gibt es monatlich 150 Euro so genanntes „Büchergeld“. Ob dieses aber tatsächlich für Literatur ausgegeben wird, wird nicht kontrolliert.

Mehr als 400 Euro monatlich darf man sich durch Nebenjobs jedoch nicht dazuverdienen, ansonsten wird der Stipendienbetrag gekürzt. Zudem gibt es innerhalb des Stipendiums verschiedene Zuschüsse, zum Beispiel für die Krankenkasse, sobald man das 25. Lebensjahr überschritten hat, oder einen Familienzuschlag für unverheiratete Studenten mit Kind.

Für Promovierende gibt es eigene Stipendien, für die sie sich separat bewerben müssen. Dafür müssen überdurchschnittliche Abschlüsse erzielt worden sein, allerdings werden Medizinpromotionen kaum gefördert, wie die Vertreter der Stiftungen betonten. Auch Auslandsstipendien werden von allen großen Begabtenförderungswerken vergeben.

Gute Noten sind nicht alles

Stipendiaten bekommen auf dem Infoabend nicht nur finanzielle, sondern auch ideelle Betreuung.

Stipendiaten bekommen auf dem Infoabend nicht nur finanzielle, sondern auch ideelle Betreuung.

Und wie kommt man nun an eines dieser Stipendien? Gute Noten sind natürlich ein wichtiges Kriterium – aber nicht das Einzige. Allen Stiftungen ist ein gesellschaftliches Engagement wichtig, manchen sogar wichtiger als gute Noten. Es kann sich dabei um Engagement in der Kirche, im Sportverein, Jugendgruppen und ganz anderen gesellschaftlichen Einrichtungen handeln.

Klingt doch alles easy – und jetzt ganz schnell bei allen Stiftungen gleichzeitig bewerben? Das wird nicht gerne gesehen: Abgesehen von der „Studienstiftung des Deutschen Volkes“ vertreten alle Stiftungen bestimmte Werte, mit denen sich die Bewerber identifizieren sollen. Denn ein Stipendium beinhaltet nicht nur ein monatliches Plus auf dem Konto, sondern auch ideelle Förderung, das heißt Seminare, Fortbildungen, Sommerakademien.

Meistens ist Engagement in der Stiftung Voraussetzung für das Stipendium. Zudem sind die Stiftungen verpflichtet, sich über die Namen der Bewerber auszutauschen. So macht es beispielsweise keinen Sinn, sich gleichzeitig bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung und bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zu bewerben. Eine Bewerbung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ist jedoch grundsätzlich in Ordnung.

Die Persönlichkeit zählt

Großer Andrang bei den Ständen: Die Stiftungen verteilen Infobroschüren.

Großer Andrang bei den Ständen: Die Stiftungen verteilen Infobroschüren.

Beim Infoabend an der TU Dortmund betonten alle Stiftungen, dass sie zwar den Werten einer Partei nahestehen, von ihnen aber unabhängig sind – man muss also kein Parteimitglied sein und darf sich natürlich auch kritisch äußern, solange man die grundlegenden Werte unterstützt. Das macht – neben Noten und Engagement – den dritten Aspekt der Auswahl aus: Der Charakter des Bewerbers wird bei persönlichen Gesprächen und/oder Fragebögen untersucht. Passt alles, stehen die Chancen für ein Stipendium gut.

Dennoch plagen Bewerber oft viele Fragen: Bin ich nicht zu alt für ein Stipendium? Studiere ich nicht schon zu lange? Ich habe vor dem Studium schon eine Ausbildung gemacht – und nun? Doch die Bedingungen und Fristen sind von Stiftung zu Stiftung unterschiedlich. Es stimmt jedoch: Gut ist es, sich möglichst früh – meist im oder nach dem ersten Semester – zu bewerben. Bis oder ab wann gefördert wird, entscheidet jedoch jede Stiftung selbst.

Übersicht einiger Stiftungen

Hans Böckler Stiftung
Die Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes fördert Gewerkschaftsmitglieder oder jene, denen die Werte und Ziele der Gewerkschaft gut finden und dies durch gesellschaftspolitisches Engagement gut finden. Man muss sich entweder von der Gewerkschaft oder von der örtlichen Stipendiatengruppe vorschlagen lassen. Zudem gibt es eine besondere Förderung für junge Menschen, die sich ein Studium nicht leisten können, und für den zweiten Bildungsweg.

Stiftung der Deutschen Wirtschaft
Unternehmen, Unternehmensverbände und Privatpersonen möchten mit dieser Stiftung besonders leistungsstarke Studenten fördern. Eigeninitiative und Unternehmergeist, aber auch gesellschaftliche Verantwortung sollen gefördert werden. Kontakte zu ehemaligen, heute erfolgreichen Stipendiaten, sollen dabei ebenfalls entstehen. Für Projekte kann man sich um einen Sonderzuschuss bewerben.

Friedrich-Ebert-Stiftung
Die FES ist die älteste parteinahe Stiftung zur Begabtenförderung und wurde 1925, kurz nach dem Tod des damaligen SPD-Reichspräsidenten, gegründet. Unterstützt werden „junge, ambitionierte Talente, die sich für eine gerechte Gesellschaft im Sinne der sozialen Demokratie einsetzen“. Zudem gibt es eine Journalistenakademie, die sowohl für Stipendiaten als auch für Journalisten offen ist.

Konrad-Adenauer Stiftung
Die Konrad-Adenauer-Stiftung wurde nach dem ersten Bundeskanzler benannt und steht der CDU und ihren Werten nahe. Neben den normalen Stipendien bietet auch sie eine Journalistenakademie an, die eine dreijährige Ausbildung beinhaltet.

Cusanuswerk
Das Cusanuswerk ist das Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche und der katholischen Bischofskonferenz. Eine katholische Konfession und ein aktiv gelebter, christlicher Glaube sind für eine Aufnahme essentiell. Bei Seminaren und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen ist auch immer Platz für Ruhe und Besinnlichkeit.

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