„Das schönste Museum der Welt“ zeigt sich in neuem Licht

Am Wochenende öffnete der Neubau des Museum Folkwang nach zweijähriger Modernisierungsarbeit die Pforten für die Öffentlichkeit. Rund 10 000 Neugierige kamen zur Eröffnung nach Essen, um einen ersten Blick auf die neue Ausstellungsfläche und die Sammlungen zu werfen. Die Architektur des Briten David Chipperfield fasziniert mit klaren Raumstrukturen und viel Licht.

Die Eröffnung des Neubaus erlebte der Museumsdirektor, Hartwig Fischer, als „das Wunder von Essen“. Ein Wunder ist nicht nur das Gebäude an sich, sondern auch dessen Finanzierung. Die 55 Millionen teure Modernisierung wurde komplett von der Krupp-Stiftung getragen. Mit dem Ziel,  „einen Ort zu schaffen, der die Begegnung mit den Werken der Sammlung ermöglicht und die Besucher zur Auseinandersetzung mit der Kunst – der Kunst der Vergangenheit und der Gegenwart –  inspiriert“.

Neubau mit Blick von der Bismarkstraße (Fotos: Lasse Otterbeck)

Neubau mit Blick von der Bismarkstraße (Fotos: Lasse Otterbeck)

Ein Aushängeschild auf Dauer

Die Finanzierung hatte im Vorfeld für Schlagzeilen in der überschuldeten Ruhrgebietsstadt gesorgt. Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) hat angeblich versucht die Kosten zu drücken, bis sich die Krupp-Stiftung entschied, die komplette Finanzierung zu übernehmen. Bei der Eröffnung betonte der Oberbürgermeister die Möglichkeiten und Bedeutung des Museumsneubaus für die Stadt Essen: „Die Eröffnung des Folkwang-Neubaus ist ein Ereignis mit nationaler und internationaler Ausstrahlung und wird die Stadt Essen weit über ihre Grenzen hinaus bekannt machen.“ Reinhard Paß wünscht sich, dass das neue Museum Folkwang ein „Aushängeschild auf Dauer“ für die Region wird. Gleichzeitig musste er aber einräumen, dass die Folgekosten für die Stadt Essen noch nicht abzusehen seien. Allein die Betriebskosten werden auf etwa 4,8 Millionen Euro jährlich geschätzt.

Klare Organisation mit der Möglichkeit sich zu verlieren

Im Frühjahr 2007 setzten sich David Chipperfields Architects (London/Berlin) mit ihrem Entwurf in einem internationalen Wettbewerb durch. Die Bauarbeiten am Standort des abgerissenen Nordflügels des alten Folkwang-Museums begannen im Sommer 2007. Schon beim Wettbewerb sei ihm die hohe Anforderung des Projektes bewusst gewesen, so Chipperfield. Den Nordflügel des Museums abzureißen sei kein leichter Schritt gewesen. Doch gemessen an der Qualität der Sammlungen seien Größe, Originalität und Ausdruck des alten Gebäudes nicht mehr ausreichend gewesen. Vor allem aber die Beziehung zwischen dem Museumsgebäude und der Stadt Essen sollte verstärkt und die „publicness“ des Gebäudes wieder eingeführt werden, sagte der Architekt auf der Pressekonferenz.

Der lichte Innenhof am Museumseingang

Der lichte Innenhof am Museumseingang

Der Neubau ist sehr offen und transparent gehalten. Über die Freitreppe des neu geschaffenen Museumsplatzes gelangt man in den lichten Innenhof und das große Eingangsfoyer. Besonders wichtig war dem Architekten David Chipperfield die Wirkung des natürlichen Lichtes. Das neue Folkwang wurde so entworfen, dass sich Änderungen des Tageslichts wahrnehmen lassen. „Der Grad an Tageslicht ist außergewöhnlich hoch. In den meisten Museen ist das Tageslicht der Feind der Werke. Doch wir verwenden es hier bewusst: Die Stimmung des Raumes verändert sich, je nach Art des Lichtes“, erklärte der britische Architekt. Der gesamte Neubau ist ebenerdig. Stufen oder Rampen sucht man hier vergeblich. Das Ziel Chipperfields war es, „dem Besucher durch die klare Organisation zu ermöglichen, jeden Teil des Museums zu sehen. Gleichzeitig ihm aber die Möglichkeit zu lassen, sich im Museum zu verlieren“. Chipperfield liebt das Paradoxe und arbeitet gerne mit Gegensätzen. Im neuen Folkwang kombiniert er isolierende und verbindende Elemente. Den Besuchern soll so eine direkte Verbindung zu den Werken ermöglicht werden, ohne es zum Labyrinth werden zu lassen.

Der neue Nordflügel beinhaltet neben der Ausstellungsfläche einen frei zugänglichen Leseraum, eine Buchhandlung und das Restaurant „Vincent & Paul“ mit euro-asiatischer Küche. Der denkmalgeschütze Altbau wird zur Zeit noch technisch an den Neubau angepasst und im Frühjahr wiedereröffnet. Er wird mit dem Neubau auf einer Ebene verbunden sein. Insgesamt stehen dem Museum dann 7.000 m² Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Hunderte neugierige kamen am Eröffnungswochenende (Fotos: Lasse Otterbeck)

Hunderte Neugierige kamen am Eröffnungswochenende

Eingangsfoyer

Das Eingangsfoyer des neuen Folkwang Museums

Das neue Folkwang - Hell und klar

Die besondere Archtiketur - Hell und klar

Große Deckenfester fangen viel Tageslicht ein

Große Deckenfester fangen viel Tageslicht ein

Helle Räume mit klaren Strukturen unterstützen die Wirkkraft der Werke.

Helle Räume mit klaren Strukturen unterstützen die Wirkkraft der Werke.

Übergang von künstlichem zu natürlichem Licht

Übergang von künstlichem zu natürlichem Licht

Selbstportraits von Grit Hachmeister

Selbstportraits von Grit Hachmeister

Ausstellung 21 Jahrhundert

Ausstellung 21. Jahrhundert

Werk aus der Ausstellung zeitgenössischer Zeichnungen.

Werk aus der Ausstellung zeitgenössischer Zeichnungen.

Andrang vor der Plakatausstellung

Andrang vor der Plakatausstellung

Eine der größten Plakatausstellungen Europas.

Eine der größten Plakatausstellungen Europas.

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