Biffy Clyro: Das einzig Beständige ist die Veränderung

Die drei Schotten James Johnston, Ben Johnston und Simon Neil

Die drei Schotten James Johnston, Ben Johnston und Simon Neil

Vom Geheimtipp entwickelte sich das Trio Biffy Clyro aus Schottland zu massentauglichen Chartstürmern. Die Haare wurden gestutzt, die Oberbekleidung komplett weggelassen und uneingängige Elemente durch poppige ersetzt. Kontinuierliche Weiterentwicklung ist dabei ihre höchste Priorität. Bassist James Johnston erzählt pflichtlektüre-Reporterin Miriam Otterbeck,  warum sie den Stillstand so hartnäckig bekämpfen, wo sie heute stehen und warum Beziehungen dabei eine so große Rolle spielen.

pflichtlektüre: Die letzten beiden Alben „Puzzle“ und „Only Revolutions“ sind, verglichen mit euren früheren Sachen viel eingängiger und weniger heavy. Wie habt ihr euch seit der ersten Platte musikalisch verändert und wodurch?

James: Es war hauptsächlich ein natürlicher Prozess. Wie versuchen immer, uns nicht zu wiederholen. Es macht ja keinen Sinn, das gleiche Album noch mal zu machen. Unser zweites Album ist sicherlich das Komplexeste von allen. Die Songs darauf gehen von einer Idee in die nächste über und man weiß nie, was als nächstes kommt. Auf den neuen Alben konzentrieren wir uns lieber auf nur eine Idee und setzen die so gut wie möglich um. Vielleicht liegt der musikalische Wandel auch daran, dass wir älter geworden sind. Über die Jahre hat sich unser privater Musikgeschmack verändert. Jetzt hören wir ganz andere Musik und das schlägt sich dann natürlich auch in unserem Sound nieder.

Was entgegnest du Leuten, die euch vorwerfen, dass ihr euch mit eurem neuen, eingängigen Sound unter eurem Wert verkauft?

Wir machen Musik, an die wir glauben. Das war schon immer so. Wir sind mit jeder unserer Platten vollkommen zufrieden. Wenn jemand unsere Musik nicht mag, dann ist das natürlich schade. Aber letztendlich muss man die Musik für sich selbst machen und sie genießen können. Es macht keinen Sinn, Songs für unsere Fans zu schreiben. Das würde ja auch nicht klappen. Ich finde es traurig, wenn Leute so was sagen, aber jeder denkt nun mal anders.

Die erste  Single des neuen Albums „The Captain“ ist nicht nur recht poppig, sondern sogar etwas musicalmäßig. Wie seid ihr auf die Idee gekomen, Musikal-Elemente mit einfließen zu lassen?

Der Song hatte lange Zeit keine klare Form, und wir wussten nicht, wie wir ihn fertig kriegen sollten. Alles was wir hatten war ein ziemlich hartes Stoner Rock Riff. Um es noch härter klingen zu lassen, wollten wir eine Sektion mit dem Horn benutzen. Dadurch ist dieser verrückte Song entstanden. Es kamen einfach immer mehr und mehr Elemente dazu und letztlich war es ein Song.  Es überrascht den Hörer. Wir versuchen immer was zu machen, das keiner erwartet.

Das Zusammenspiel zwischen Frau und Mann thematisiert das aktuellen Album

Das Zusammenspiel zwischen Frau und Mann thematisiert das aktuelle Album

Alle Lieder auf „Only Revolutions“ handeln über Beziehungen. Warum war das Thema zu dieser Zeit wichtig für euch?

Auch privat haben wir uns immer weiter entwickelt. Simon hat vor ein paar Jahren geheiratet. Das ist sicher ein Wendepunkt im Leben. Man fängt an, die Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Wenn man heiratet, gibt man der anderen Person die Hälfte seiner Seele. Da ist es ganz normal, dass diese Thematik mit in die Musik einfließt. Unsere Lyriks waren schon immer sehr persönlich. „Puzzle“ war sehr spezifisch und subjektiv.  Das neue Album ist mehr upbeat wir schauen mehr in die Zukunft.

Also seid ihr mit der Zeit einfach erwachsener und ruhiger geworden?

Unsere Musik ist immer eine Reflektion unseres Lebens. Wenn wir glücklich sind, wirkt sich das natürlich auf die Songs aus. Trotzdem machen wir jetzt nicht nur noch fröhliche Musik. Klar hören sich die Songs insgesamt fröhlicher an, aber sie handeln auch von Frustration und Angst.

Eure letzten Alben waren Konzeptalben. „Puzzle“ thematisiert den Tod von Simon Neils Mutter. „Only Revolutions“ ist über Beziehungen. Ist es einfacher für euch, Songs für ein festgelegtes Konzept zu schreiben?

So kann man das auch nicht sagen. Wir haben uns sicher nicht hingesetzt und beschlossen ein Album über Beziehungen zu machen. Wir planen so was nicht. Es ist immer etwas persönliches, so was kann man also nicht einfach planen. Es hängt immer von unseren Gefühlen zu der Zeit ab.


Wie messt ihr den Erfolg eines Albums?

Hauptsächlich daran, ob wir es mögen oder nicht. Man muss auf jeden Fall selbst damit zufrieden sein. Das merkt man aber auch schon während man es produziert. Zum Glück waren wir bisher immer mit dem Endprodukt zufrieden. Wir machen einfach Musik, die uns gefällt. Auch als bei unserem zweiten Album alle dachten, wir seien verrückt, wir haben es trotzdem für ein erfolgreiches Album gehalten.

Muss das neuste Album immer das Beste sein?

James: Das sollte es. Man sollte es immer als einen Schritt vorwärts sehen. Klar gibt’s auch Bands, die einen Klassiker schreiben. Und es muss echt schwer sein, zurück zu gehen und das zu wiederholen. Aber solange man Musik macht, die als der Seele kommt, dann ist es die Musik auf jeden Fall wert. Nicht jeder Song muss perfekt sein. Aber man versucht natürlich, ständig besser zu werden.

Bassist James Johnston im neuen Look der Band: Topless

Bassist James Johnston im neuen Look der Band: Topless


Seit „Puzzle“ seit ihr bei einem Majorlabel unter Vertrag. Hat sich das auf eure Musik ausgewirkt?

Nein, das Label kannte ja schon vorher den Sound unserer Band und wofür wir stehen. Das war ja der Grund, warum sie uns unter Vertrag genommen haben. Alle Veränderungen sind passiert, weil wir jetzt 10 Jahre älter sind und sich viele Dinge in unserem Leben verändert haben. Außerdem haben wir jetzt mehr Zeit und Geld für ein Album. Das Label hatte aber nie irgendeinen Einfluss auf den Sound unserer Musik.

In welche Richtung bewegt ihr euch in der Zukunft?

Mal sehen, wie die Dinge kommen. Erstmal abwarten, ob wir nach dem Jahr auf Tour noch am Leben sind oder alle verrückt geworden sind (lacht). Wir werden auf jeden Fall wieder versuchen etwas zu machen, das wir noch nicht gemacht haben. Dabei werden wir aber auf jeden Fall immer ne Gitarren-Rockband bleiben. Trotzdem sind wir für alle Einflüsse offen. Wenn es passt, dann machen wir das auch.

Offizielle Homepage der Band:

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