Die Psychologie des Lachens

Montage: Falk Steinborn, Fotos: sxc.hu, emospada, BrightyG, mfb1982

Montage: Falk Steinborn, Fotos: sxc.hu, emospada, BrightyG, mfb1982

Es war der 30. Januar 1962 in einem Dorf im heutigen Tansania: Drei Schulmädchen begannen zu lachen und konnten beim besten Willen nicht mehr aufhören. Das Lachen breitete sich zu einer wahren Epidemie aus. Ein ganzes Dorf brach immer wieder in hysterische Lachanfälle aus. Bei dieser Epidemie, die je nach Quelle sechs bis 18 Monate dauerte, waren über 1000 Menschen „infiziert“ worden, doch Blutuntersuchungen brachten keine auffälligen Ergebnisse. Der Grund für diese mysteriösen Vorfälle war wohl großer Stress aufgrund der gerade erworbenen Unabhängigkeit und den damit verbundenen höheren Erwartungen der Eltern an die Kinder. Lachen ist ein Teil unserer Psyche.

Babys und Kinder lachen im Schnitt 400 Mal am Tag, oft grundlos. Erwachsene lassen sich nur zu etwa 15 Lachern am Tag verleiten. Foto: flickr.com / gagilas

Babys und Kinder lachen im Schnitt 400 Mal am Tag, oft grundlos. Erwachsene lassen sich nur zu etwa 15 Lachern am Tag verleiten. Foto: flickr.com/gagilas

Dieser Vorfall zeigt, wie wenig selbst heute über das Lachen bekannt ist und welche enormen Auswirkungen das Lachen haben kann. Der Psychoanalytiker Alfred Kirchmayr sieht Lachen als eine „elementare Möglichkeit, sehr widersprüchliche Gefühle auszudrücken und soziale Kontakte zu gestalten“. Für ihn ist Lachen eine der „komplexesten Lebensäußerungen, die vom Wesen her vieldeutig ist“. Deshalb lachen wir bei fröhlichen Anlässen ebenso wie bei Trauer, Schadenfreude oder Angst.

Doch warum hat sich das Lachen überhaupt entwickelt? Sicher ist, dass das Lachen eine soziale Aufgabe erfüllt. So verschieden die Theorien über die Ursprünge des Lachens auch sind, sie alle sehen darin eine Funktion für das soziale Miteinander. Das Lachen könnte sich also bei unseren Vorfahren als sozialisierendes Element entwickelt haben. Bereits bei Primaten – und damit auch bei unseren Vorfahren – lassen sich Anzeichen von einem Lachen erkennen. Dieses Verhalten zeigen sie zum Beispiel beim spielerischen Balgen miteinander, es signalisiert hier den harmlosen Charakter des Beißens und Kratzens.

Gemeinsames Lachen schweißt zusammen

Lachen dient also der Kommunikation. Es wird in einer Hirnregion ausgelöst, die älter als das Sprachzentrum des Menschen ist. Schon vor der Entwicklung der Sprache lachten Menschen gemeinsam, zum Beispiel wenn eine drohende Gefahr vorbei war. Dieser Gruppenzusammenhalt war überlebensnotwendig, da es sich in der Gruppe einfacher und damit länger leben ließ.

Wie auch immer das Lachen genau entstand, die Funktion ist dieselbe geblieben: Lachen ist sozusagen der Kitt, der eine Gemeinschaft zusammenhält. Mit dieser Verbindung von Menschen kommt es aber auch zu einer Ausgrenzung. Schließlich gibt es auch sarkastisches oder höhnisches Lachen. In diesem Fall ist Lachen ein Zeichen der Überlegenheit, das signalisieren soll, dass der andere nicht zur eigenen Gruppe gehört und deshalb nicht mitlachen kann. So lassen sich auch die vielen Witze über bestimmte Gruppen wie Blondinen, Ostfriesen oder auch das jeweils andere Geschlecht erklären. Auch die Schadenfreude über das Leid oder die Missgeschicke anderer zeigen die eigene Überlegenheit, aber auch die Erleichterung, dass es jemand anderem und nicht einem selbst zugestoßen ist.

Studien haben gezeigt, dass Menschen in Gesellschaft 30-mal häufiger lachen als allein. Foto: flickr.com / makelessnoise

Studien haben gezeigt, dass Menschen in Gesellschaft 30-mal häufiger lachen als allein. Foto: flickr.com/makelessnoise

Die beste Art des Lachens

Lachen mag die unterschiedlichsten Gründe haben, doch „ein herzhaftes, echtes Lachen ist immer spontan“, sagt Hans Walter Putze, Lachforscher, der sich selbst als „lebenslangen“ Clown bezeichnet. Echtes Lachen ist nämlich ein Reflex, der sich nicht künstlich herbeiführen lässt. Doch auch bei den verschiedenen Ursachen für reflexartiges Lachen sieht Putze Abstufungen: „Der wichtigste Auslöser ist für mich das Paradoxe, das Unerwartete. Das zeichnet den Clown auch aus, bei ihm ist das Scheitern schon programmiert, dafür muss er auch gar nicht viel reden.“

Schon Arthur Schopenhauer schrieb 1820, dass Lachen aus „nichts anderem als aus der plötzlich wahrgenommenen Inkongruenz“, also einer Abweichung vom Normalzustand, besteht. Dabei hatte der als notorischer Griesgram bekannte Philosoph selber scheinbar kein sonderlich ausgeprägtes Gefühl für Humor. Doch warum lachen manche Menschen öfter als andere?

Pausenclown oder Jammerlappen?

„Ob jemand Humor hat oder nicht hängt nicht nur von der Tagesform, sondern auch von der Erziehung und den früheren Erfahrungen ab, denn man bekommt in der Kindheit viel mit“, vermutet Hans Walter Putze. Für Alfred Kirchmayr ist Humor eher eine Lebenseinstellung. „Humor im engeren, im eigentlichen Sinn, ist ein Kind der Lebensfreude, trotz aller Widrigkeiten. Echter Humor ist wohlwollend und nicht verletzend. Die bei uns verbreitete Witzkultur und Comedy ist weithin humorlos. Da dominieren blöd hinstellen und Schadenfreude.“

Studien ergaben, dass Mitte des letzten Jahrhunderts noch dreimal häufiger gelacht wurde als heute. Diese Entwicklung kann angesichts der positiven Auswirkungen von Lachen nicht begrüßenswert sein, findet auch Kirchmayr. „Unser Großhirn ist ein läppisches Organ, es besteht aus Lappen: Hör-, Riech-, Sehlappen und so weiter. Ich finde, dass wir auch einen Jammerlappen und einen Freudenlappen und Lachlappen haben. Und der Freudenlappen wird in unseren Breiten viel zu wenig ernährt und kultiviert.“

2 Comments

  • frank schaefer sagt:

    Diese Technik habe ich bei einem Sufi-Seminar erfahren und stammt vom Ursprung her weiter zurück aus dem Geheimwissen der alten Hermetiker und Schüler des Hermes Trismegistos. – Darfst gerne mal darüber googeln. – Soviel, als auch wenig mal zum Hintergrund.

    Jetzt zur besagten Technik: 3 Phasen

    Man sitzt entweder miteinander im Kreis und nimmt Kontakt zu seinem Nebenmann oder Nebenfrau au und hält sich an den Händen. – Dürfte aber auch in der geschlossenen Sitzreihe möglich sein, denk ich mal.

    1. Phase:
    „Man“ sich das Gefühl von tiefem Ärger und Missfallen vor und gebe diesem Gefühl Ausdruck. –
    Dafür eignet sich ein von unten aus dem Bauch kommendes lautes „Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhh“ – „Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhh“ …. 30 Sekunden lang.
    2. Phase:
    Danach ein direkt am Anschluss ein kopfig-kehliges „Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhh“ – Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhh“ – „Hiiiiiiiiiiiihhhhh“
    „Hiiiiiiiiiiiiiiiihhhhh “ ……. auch über 30 Sekunden lang an einem Stück
    3. Phase:
    Letztendlich in der dritte Phase im Wechsel ….. Haaaaaaaaaaaaaaaahhhh – Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiih – Haaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhh – Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhh – Haaaaaaaaaaaaaaaaaahhh – Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhh …. (30 Sekunden) lang

    (am allerbesten mal „man“ sitzt im Kreis und kann Augenkontakt halten – nicht die Augen verschliessen und nicht isoliert in sich selbst versinken)

    Wenn jetzt in der dritten Phase früher oder später mindesten einer aus der Gruppe vor Lachen losbrustet und einen nach dem Andern damit ansteckt, (Hysterie) hat das Experiment geklappt und den Ausbruch unkontrollierter, hemmungsloser Freude ja nicht bremsen wollen – in Kontakt bleiben und egal was auch passiert, nicht die Hände loslassen! –
    Fängt einer an zu weinen, sollt‘ man ihn/sie nicht alleine damit lassen oder wenn die Gruppe sehr gross ist, wenigsten danach fragen, ob jemandem dabei eher zum weinen war. –
    Um diese Person sollt‘ man sich dann etwas kümmern, damit er/sie sich nicht ausgeschlossen sondern trotz alledem mit integriert fühlt. –
    Dass durch eine solche Übung Gefühle hochkommen können, lässt sich nicht vermeiden – bei den meisten mal wird es wohl nur Freude sein, oder besser gesagt „ansteckende Gesundheit“ – wobei, wenn es zu Tränen kommen sollte, wohl eine innere Verspannung (Trauer, Verletzung, Leid) gelockert worden ist, dem ggf. nachzugehen wäre. –

    Alles in Allem würde ich das jetzt so nicht als therapheutischen Eingriff sehen, sondern als einen eher aus dem normalen Lebensbereich leich spielerisches Moment betrachten. – Es gibt ja auch in Spielfimen Szenen, wo man einem leicht angerührt die Tränen kommen, als auch situationskomische Bereiche von welchen „man“ einfach nur hingerissen wird und durchaus menschlich darauf reagieren darf. – Probiert einfach mal aus – mit dem krampfhaften, gestelzten yogalachen hat das nichts zu tun. –

    Vielleicht, probierst du es mal nur im kleinen Kreis unter Freunden aus, um das etwaige Risiko (Kontrollverlust) zunächst eher möglicht klein zu halten.

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