Lachen ist die beste Medizin

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Montage: Falk Steinborn, Foto: sxc.hu, emospada, BrightyG, mfb1982

Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte, muss nicht immer sofort ins nächste Fitness-Studio laufen. Training ist jetzt immer und überall möglich. Das Zauberwort heißt: Lachen. Es ist gesund, trainiert die Bauchmuskeln und geht auch ganz spontan. Außerdem macht es viel mehr Spaß, als stupides Schwitzen in schlecht klimatisierten Studios. Aber kann man Lachen auch lernen? Um das herauszufinden, hat pflichtlektüre-Mitarbeiterin Alexandra Ossadnik an einem Lachyoga-Kurs teilgenommen.

Ich steh mit ca. 20 Menschen mitten im leer geräumten Klassenraum der freien Schule Bochum und lache. Wir alle lachen. Obwohl es dazu keinen Anlass gibt. Außer, dass wir uns und unseren Körpern etwas Gutes tun wollen. Denn hier findet der Kurs für Lachyoga statt.

In der Gruppe klappt das Lachen gleich viel besser. Foto: Hubertus Salinger

Das Ehepaar Salinger, Martina und Hubertus, sind die Leiter des Kurses. Sie haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Menschen das Lachen wieder beizubringen. Mit Lachyoga-Kursen und -Workshops gelingt ihnen das. Seit 17 Jahren beschäftigen sich Martina Salinger-Rost (Kommunikationswissenschaftlerin, Präventologin und Lachyogaleiterin) und Hubertus Salinger (freischaffender Künstler, Diplom-Kaufmann und Lachyogaleiter) mit der mentalen und emotionalen Gesundheit. Sie arbeiten eng mit Krankenhäusern zusammen, halten Vorträge und Workshops zu Themen, die sich mit der Kraft der Gesunderhaltung und Genesung beschäftigen. Bereits seit zwei Jahren gehört das Lachen zu den täglichen Arbeitsaufgaben des Ehepaars.

Augenkontakt fordert zum Mitmachen auf

Lachyoga ist eine bunte Mischung aus Klatsch-, Dehn- und Atemübungen, die mit Lachen unterbrochen werden. Die Lachübungen sind zu Beginn noch recht künstlich. Doch durch ständigen Augenkontakt mit den anderen Teilnehmern wird aus dem künstlichen sehr bald ein natürliches Lachen. Teilnehmer und Leiter animieren sich dabei durch Mimik und Gestik zusätzlich und unterstützen so das natürliche Lachen.

Martina Salinger-Rost erklärt uns im Kurs, wie das Pinguin-Lachen funktioniert: Beine eng zusammen, die Fußspitzen nach außen verdrehen, die Arme eng an den Körper anlegen, Handflächen parallel zum Boden, und mit kleinen watschelnden Schritten durch den Raum laufen. Und dabei das Lachen nicht vergessen. Beim Pinguin-Lachen ist es ein piepsiges und kurzatmiges “Hihihi”. Während die Meisten Übungen das kräftigere “Hoho”-Lachen beinhalten, welches das Zwerchfell bis ganz tief in den Bauchraum anregt. Was in der Theorie ziemlich merkwürdig anmutet, mach im Kurs richtig Laune.

Lachyoga als Alternative zum klassischen Yoga

Lachyoga kann sich auf vielerlei Arten positiv auf den Körper auswirken. Foto: Hubertus Salinger

Fünfmal in der Woche reisen Martina und Hubertus durch Bochum und geben Nachhilfe im Lachen. Und das äußerst erfolgreich. Denn in zwei Jahren hat bisher niemand einen gebuchten Kurs vorzeitig abgebrochen. Und bisher hat nur eine Person nach der  Schnupperstunde für sich befunden, der Kurs sei nicht das Richtige für ihn.

Und auch ich bin begeistert von der positiven Wirkung. Mit einem mulmigen Gefühl und viel Skepsis habe ich mich auf den Weg gemacht zu meinem Selbstexperiment. Erwachsene Leute, die grundlos in Gelächter ausbrechen und dass unter der Bezeichnung “Yoga” als gesunden Sport bezeichnen: das kann ja nichts sein. Das war bisher meine Meinung. Ich habe mich eines Besseren belehren lassen. Denn jetzt steh ich hier und finde es ganz und gar nicht lächerlich. Das Lachen der anderen wirkt ansteckend auf mich. Und sehr schnell geht mein künstlich-gezwungenes in ein natürliches Lachen über.

Auch im Nachhinein kann ich mir nicht erklären, ob es an den Menschen im Raum, der merkwürdigen Situation oder an dem ansteckenden Lachen liegt, dass ich mich zum Schluss ganz anders fühle. Aber am Ende sitze ich mit schmerzenden Muskeln, erschöpft, jedoch wie aufgeputscht im Stuhlkreis und lasse die vergangenen anderthalb Stunden Revue passieren. Die Lach-Übungen, die Atem-Übungen, das Lachen über Fehler und das Vergessen von Sorgen. Alles, worüber ich wochenlang nachgegrübelt und mir den Kopf zerbrochen habe, hab ich einfach weg-gelacht.

Lachen statt Sport für die Gesundheit

Martina Salinger-Rost erklärt mir im Anschluss, dass Lachen einen dreifachen positiven Effekt auf den Körper haben kann:

  1. Lachen setzt positive Energien frei, reduziert Stresshormone und stimuliert das Immunsystem
  2. Lachen reinigt und befreit die Bronchien und trainiert das Atemvolumen
  3. Durch die Bewegung des Zwerchfells beim Lachen werden die inneren Organe massiert und können die Funktionsfähigkeit derer steigern.

Lachyoga hat bereits die Welt für sich erobert. Foto: Hubertus Salinger

Und mein Körper merkt das auch. Meine Lunge ist durch die Anstrengung frei gepustet, als wäre ich gerade eine Stunde lang gelaufen. Mein Kopf fühlt sich ganz leicht und frei an, ich bin glücklich. Wären da nicht die schmerzenden Gesichtsmuskeln und das überanstrengte Zwerchfell. Doch eigentlich geht es mir gut. Der Stress der letzten Tage ist weg, ich muss zum ersten Mal seit Wochen nicht an die bevorstehenden Klausuren denken und ich hab das Gefühl, meinem Körper etwas Gutes getan zu haben.

Madan Kataria hat der Welt das Lachyoga geschenkt

Bei anschließenden Recherchen finde ich heraus, dass es weltweit bereits mehr als 6000 Lachclubs gibt, die sich das Prinzip des heilenden Lachens zunutze machen. Lachyoga bekannt gemacht hat Madan Kataria, ein Yogalehrer und praktischer Arzt aus Mumbai. Er entwickelte das Lachyoga, indem er die Techniken der Atemübungen des traditionellen Yoga mit Lachübungen verknüpfte. Daraus entstand dann 1995 der erste Lachclub, der sich rasend schnell über die gesamte Welt verteilte.

Ein uraltes Sprichwort lautet: “Lachen ist gesund”, und schon unsere Eltern und Großeltern haben uns gesagt, das Lachen noch niemandem geschadet hat. Und da in allem ein Fünkchen Wahrheit steckt, haben sich bereits Psychologen und Mediziner mit dem Phänomen des heilsamen Lachens beschäftigt.

Ergebnisse der Lachforschung belegen mittlerweile, dass Lachen einen positiven Effekt sowohl auf das Gemüt, als auch auf den Körper haben kann. Es steigert das allgemeine Wohlbefinden, kann die Schlaffähigkeit fördern und kann Stress reduzieren und Glückshormone freisetzen.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aber kann Lachen wirklich heilen? Was macht ein „gutes“ Lachen aus? Hat der Humor vielleicht auch eine böse Seite? Gibt es kulturelle Unterschiede? Die pflichtlektuere ist diesen Fragen gemeinsam mit eldoradio* wissenschaftlich auf den Grund gegangen. eldoradio* sendet den Ultraschall im Zeichen des Humors, auf pflichtlektuere.com geht in dieser Woche jeden Tag ein Humor-Beitrag online.