Die Show der starken Männer

Er ist ein riesiges Event. Er verbindet Spitzensport mit Show, höchste Professionalisierung und ausgefeilte Taktik mit dem Kampf Mann gegen Mann: Der Super Bowl fasziniert nicht nur in den USA Sportfans. Fakten und Geschichten zu seiner 47. Auflage am 3. Februar in New Orleans.

Helm auf, los geht`s. (Foto: imageworld 24, pixelio. Teaserfoto: Tim Reinhardt, pixelio)

Helm auf, los geht`s. (Foto: imageworld 24, pixelio. Teaserfoto: Tim Reinhardt, pixelio)

Die Mannschaften der Baltimore Ravens und der San Francisco 49ers sind bereits nach New Orleans gereist, wo das Spiel um die „Vince Lombardi Trophy“ in der Nacht zu Montag im Mercedes-Benz-Superdome stattfinden wird. Eine Woche ist es her, dass sie die Playoff-Halbfinals gewannen. Seit die Finalpaarung Baltimore gegen San Francisco feststeht, hat der Super Bowl XLVII – er wird traditionell mit römischen Ziffern durchnummeriert – schon mehre Spitznamen: Er wird mal „BroBowl“, mal „HarBowl“ oder auch „HarbaughBowl“ genannt. Alle Spitznamen spielen auf eine noch nie dagewesene Besonderheit an.

In diesem Jahr stehen sich mit Jim und John Harbaugh erstmals zwei Brüder als Cheftrainer im Super Bowl gegenüber. Der 15 Monate ältere John trainiert die Ravens, Jim die 49ers. Baltimore, die in den Playoffs neben den Indianapolis Colts auch die hoch gehandelten Denver Broncos und Vorjahresfinalisten New England Partiots inklusive Superstar Tom Brady ausschalteten, gelten als Favorit.

Die Spieler im Fokus

Das Brüder-Duell Harbaugh gegen Harbaugh ist eine der im Vorfeld des Spiels gern aufgegriffenen Geschichten. Eine andere handelt von dem jüngeren der beiden, Jim, und seinen Quarterbacks: Am Anfang der Saison spielte Alex Smith diese zentrale Offensivrolle bei den 49ers. Er tat dies außergewöhnlich gut, seine Statistiken waren die besten der Liga. Doch dann zog er sich im zehnten Saisonspiel gegen die St. Louis  Rams eine Gehirnerschütterung zu. Für ihn wurde der 25-jährige Nobody Colin Kaepernick eingewechselt. Er machte seine Sache sehr gut und als Smith wieder gesund war, fand sich der etatmäßige Startspieler nur noch auf der Reservebank wieder. Trainer Jim Harbaugh überraschte die Football-Welt mit seiner Wahl, weiter auf Kaepernick zu setzen und das ungeschriebene Gesetz zu brechen, dass kein Spieler aufgrund einer Verletzung seinen Platz im Team verlieren sollte.

Trainer behält Recht

Der Trainer sollte aber mit der umstrittenen, viel diskutierten, Entscheidung, auf den eigentlichen Ersatzspieler zu setzen, Recht behalten.  Kaepernick hat San Francisco nun in den Super Bowl geführt und dabei nicht nur mit Pässen, sondern auch durch Laufstärke geglänzt: Für einen Quarterback ist er erstaunlich schnell und kann auch selbst Raumgewinn erlaufen, wenn seine Passempfänger eng gedeckt werden. Für Jim Harbaugh ist es die erste Super Bowl Teilnahme, für den Klub aus San Francisco die erste seit 18 Jahren.

Quarterback Colin Kaepernick hofft vermutlich, während des Spiels nicht allzu oft auf Ray Lewis zu stoßen. Lewis ist Linebacker, Abwehrchef der Ravens und der Mann, der auf Seiten Baltimores die Schlagzeilen beherrscht. Denn der Super Bowl wird sein letztes Spiel und die Gelegenheit sein, seine 17 Jahre lange Karriere ein zweites Mal zu krönen. Bereits 2001 gewann er mit den Ravens die „Vince Lombardi Trophy“ und wurde zum wertvollsten Spieler des Spiels gewählt. Heute ist der 37-Jährige der letzte Veteran der Meistermannschaft und eine Legende.

Er diente während Hurricane "Katrina" als Notunterkunft - Am Sonntag beherbergt er den Super Bowl: Der Mercedes-Benz Superdome (Foto: Wikipedia)

Er diente während Hurricane "Katrina" als Notunterkunft - am Sonntag beherbergt er den Super Bowl: der Mercedes-Benz-Superdome (Foto: Wikipedia)

Die Show

Natürlich ist das Spiel der Hauptbestandteil des Events, aber die Show drumherum ist in den USA fast ebenso wichtig – auch wenn es nicht zu einem Skandal wie dem „Nipplegate“ kommen sollte, als Justin Timberlake Janet Jacksons Brust entblößte. Dieses Jahr wird in der Pause zwischen zweitem und drittem Viertel die R&B-Sängerin Beyonce Knowles auftreten. Nachdem sie bereits die Nationalhymne bei Barack Obamas Amtseinführung sang, ist die Halbzeitshow bereits ihr zweiter großer Auftritt in diesem Jahr.

Laut dem Magazin „US Weekly“ kommt es während der Show sogar zu einer Wiedervereinigung der Musikgruppe Destinys´s Child: Die Ex-Kolleginnen Michelle Williams und Kelly Rowland sollen gemeinsam mit Beyonce auf der Bühne stehen.

Die Nationalhymne „Star Sprangled Banner“ wird hingegen vor dem Kickoff von Alicia Keys gesungen – ohne Frage eine große Ehre, allerdings nicht ohne Risiko. Die Folgen eines Tritts ins Fettnäpfchen wären groß, es besteht die Gefahr, die patriotischen Gefühle von bis zu 140 Millionen zuschauenden US-Amerikanern zu verletzen – so wie Christina Aguilera vor zwei Jahren in Pittsburgh: Sie vergaß den Text einer Strophe und sang dafür eine Variation einer vorangegangenen. Der Spott war daraufhin groß. Wenn die Nationalhymne allerdings gut über die Lippen kommt, kann man es mit ihr sogar in die Charts schaffen, wie Whitney Houston 1991 mit ihrer Soul-Version.

Fernsehübertragung

US-Amerikanische Statistiker haben haben herausgefunden, dass sich am Tag nach dem Super Bowl durchschnittlich sechs Prozent mehr Arbeitnehmer krank melden als an einem durchschnittlichen Montag. Bei deutschen Football-Fans dürfte die Quote deutlich höher sein. Das Spiel beginnt durch die Zeitverschiebung in Deutschland in der Nacht von Sonntag auf Montag um halb Eins und dauert etwa vier Stunden. Nimmt man sich den Montag nicht frei, bekommt man also nicht besonders viel Schlaf. Trotzdem sahen sich den letzen Super Bowl in der Spitze 1,24 Millionen Menschen in Deutschland an.

In Deutschland hat sich Sat1 die Übertragungsrechte für das Free-TV gesichert. Es überträgt ab 0.10 Uhr live aus dem Mercedes-Benz-Superdome in New Orleans. Außerdem gibt es auch auf der Internetseite www.ran.de einen Livestream. Leider muss der Zuschauer dabei auf die aufwändigen und kreativen Werbespots verzichten, die in den USA Teil des Events sind. Die Sendeplätze sind dabei so werbewirksam und begehrt, dass in diesem Jahr Preise von bis zu vier Millionen US-Dollar pro 30 Sekunden Sendedauer erwartet werden.
Ein bisschen mehr „Super Bowl Sunday“-Atmosphäre kann man auf den Super Bowl Partys haben. In Dortmund finden beispielsweise im „Klubhaus 1249“ oder im Hombrucher Jugendzentrum „Epi-Zentrum“ Partys für Football-Fans statt.

Es gibt allerdings auch noch die Möglichkeit, das Spiel vor Ort anzusehen. Auf der offiziellen Super Bowl Internetseite werden noch Tickets angeboten – die billigste kostet 1775 US-Dollar.

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