Wiener Walzer auf dem Mensa-Parkett

Weiße Tischdecken statt bunter Flyer, feine Gedecke statt Besteckkästen, Gourmet-Fleisch statt Schweineschnitzel – Wie sich die Mensa beim Dortmunder Uniball in einen edlen Tanzsaal verwandelte.

Vier Gläser gab es pro Person. Dazu jeweils Messer und Gabel für die Vor- und Hauptspeise, einen Esslöffel, einen Teelöffel und eine Kuchengabel für das Dessert, künstlerisch gefaltete Servietten. Auf den Tellern mal Entenbrust an Himbeerdressing mit Parmesan und Rucola, mal gebratenes Rumpsteak mit Cognacsauce und Gratin aus frischen Rosmarin-Kartoffeln. Jazzige Hintergrundmusik, gedimmtes Licht.

Die Gäste tanzten Standard-Tänze auf dem Kirschparkett der Mensa.

Die Gäste tanzten Standard-Tänze auf dem Kirschparkett der Mensa.

Was sich hier wie ein exquisites Feinschmecker-Restaurant andeutet, beschreibt die „Kantine der Studierenden“: Die Mensa auf dem Campus Nord war Veranstaltungsort des Dortmunder Uniballs am Freitagabend. Nicht wenigen der 500 Gästen widerstrebte die Vorstellung einer edlen Ball-Atmosphäre dort, wo jeden Tag fast 7000 Studierende Großküchen-Speisen essen. So auch Journalistik-Professorin Susanne Fengler. „Ich freue mich zwar auf den Abend, aber vom Essen erwarte ich mir ehrlich gesagt nicht viel“, sagte sie in anfänglicher Skepsis.

Um 20 Uhr eröffnete Rektorin Ursula Gather den Ball und damit das Galabuffet. 180 Kilogramm Fleisch und Fisch bereiteten die Köche der Mensa Nord zu. „Die Köche freuen sich natürlich, auch mal was Edleres kochen zu dürfen, das ist eine ganz andere Herausforderung“, erklärte Organisator Christian Pruslednik vom Studentenwerk Dortmund.

Vor allem zum Tanzen

Aber nur wenige Studierende gönnten ihrem Gaumen die Exklusivitäten der Mensa-Köche. Die Mehrheit kam erst zum späteren Eröffnungstanz. „Die Karten waren ein Geburtstagsgeschenk, deswegen stellt sich die Frage nicht, warum wir uns das Buffet trotz des Preises geleistet haben“, erklärten die Studierenden Jan Kappe und Nina Wunde lächelnd. Die Wirtschaftsmathematik-Studentin und der Elektrotechnik-Student tanzten zwei Jahre lang im Verein in ihrer Heimatstadt Marl. „Wir sind eigentlich wirklich vor allem zum Tanzen hier.“ Auch Bauwesen-Student Karl Walther wollte beim Uniball die Ergebnisse seines Tanzkurses zeigen. „Natürlich bin ich wegen des Tanzens gekommen, aber ich möchte auch den Profis zuschauen.“

Lebhafte Formation: Die Tanzgruppe Rot-Weiß-Silber aus Bochum war Teil des Showprogramms.

Lebhafte Formation: Die Tanzgruppe Rot-Weiß-Silber aus Bochum war Teil des Showprogramms.

Professionelle Tänzer gab es nicht nur unter den Gästen, auch das Showprogramm bot den Zuschauern einstudierte Vorführungen. So überzeugte der Tanzturnier-Club Rot-Weiß-Silber aus Bochum mit einem Formations-Tanz in orange, eine Hula-Hoop-Künstlerin balancierte mit silbrig glitzernden Reifen und ein Akrobat vollführte Kunststücke in einem einzigen großen Rad zu moderner Musik von Gnarls Barkley.

Akrobatisch: Künstlerin Marina Yakubova ließ die Reifen um ihre Hüften kreisen.

Akrobatisch: Künstlerin Marina Yakubova ließ die Reifen um ihre Hüften kreisen.

Stichwort Networking

„Der Ball soll den Mitarbeitern der TU Dortmund, den Gästen und den Studierenden die Möglichkeit bieten, miteinander in lockerer Atmosphäre in Kontakt zu treten“, sagte Pruslednik. Dabei stehe vor allem der Spaß im Vordergrund. Die Veranstaltung habe ein höheres Niveau, aber trotzdem gehe es nicht nur ums sehen und gesehen werden, sondern vor allem darum, mit Gleichgesinnten zu tanzen. „Es gibt solche Bälle auch an Universitäten, die Medizin- und Jura-Fakultäten haben. Das Klientel und dementsprechend die Stimmung sind dann anders. Ich bin froh, dass das Ambiente bei uns eher ungezwungen ist“, erklärte der Koordinator.

Finanziert wird der Universitätsball von Sponsoren, den Einnahmen aus den Eintrittsgeldern und dem Getränkeverkauf. Seit der Renovierung der Mensa 2005 findet er wieder jährlich statt – und schafft es seitdem, ab und zu seine Gäste zu überraschen. So auch Professorin Susanne Fengler: „Ich muss sagen, das Essen war richtig lecker. Das hätte ich wirklich nicht gedacht.“

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