Hiwi: Ein gut bezahlter Job

Laut Spiegel Online arbeiten studentische Hilfskräfte in Nordrhein-Westfalen für einen Hungerlohn. Doch so schlecht geht’s ihnen gar nicht: Sie verdienen im Ruhrgebiet mitunter fast zehn Euro pro Stunde.

Constanze Pollhaus

Constanze Pollhaus an ihrem Arbeitsplatz im Sekretariat des Fachbereichs Informatik. Sie hat Spaß an ihrem Job.

Constanze Pollhaus (26) ist alleinerziehende Mutter. Ihr Wirtschaftsinformatik-Studium an der Dortmunder FH finanziert sie mit einem Studienkredit. Trotzdem arbeitet sie als studentische Hilfskraft im Informatik-Sekretariat. Der Job macht ihr Spaß und „man kann sich damit ja gut was dazu verdienen“.

Constanze ist eine von 210 studentischen Hilfskräften an der Fachhochschule Dortmund. Für sie alle ist ein einheitlicher Stundenlohn von neun Euro festgelegt, unabhängig davon, welcher Lehrstuhl sie beschäftigt.  Tutoren werden mit 13 Euro vergütet, wissenschaftlichen und künstlerischen Hilfskräften zahlt die FH sogar 15 Euro in der Stunde.

391 Euro bedeutet das für Constanze im Monat, dafür muss sie zehn Stunden in der Woche im Büro sitzen und Evaluationsbögen vorbereiten, Krankmeldungen von Professoren publik machen und am Anfang des Semesters die Erstsemester-Gruppen einteilen. „Ich bekomme mehr Gehalt als damals in meiner Lehre.“ Und sogar Anspruch auf Urlaub hat sie: 17 Stunden pro Semester kann sie sich freinehmen. Das steht in ihrem Arbeitsvertrag.

NRW-Fachhochschulen miese Arbeitgeber?

Die FH Dortmund ist damit ein positives Beispiel. Entgegen Aussagen von Spiegel Online zahlt sie ihren Hilfskräften keinen Hungerlohn von unter sechs Euro, obwohl die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL), an deren Vorgaben sich die Hochschulen zu halten haben, nur Obergrenzen für Löhne vorgibt. Die Richtlinien des TdL ließen theoretisch sogar die Zahlung von Weihnachtsgeld zu. „Ob und wie das in den Verträgen geregelt wird, hängt aber von den Hochschulen und Lehrstühlen selbst ab“, erklärt Robert Vorderwülbdecke vom NRW-Landesministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie.

Als studentische Hilfskraft im Labor kocht man seltener Kaffee als in einem Büro. Foto: Michael Bührke

Als studentische Hilfskraft im Labor kocht man seltener Kaffee als im Büro. Foto: Michael Bührke

Auch die Dauer des Vertrags muss individuell festgelegt werden, darf allerdings maximal zwei Jahre betragen. „Die Freiheit, was die Befristung angeht, macht Sinn“, sagt Solmaz Mjildi vom Asta der FH Dortmund. „Wenn eine Hilfskraft für ein Praktikum gesucht wird und das eben nur ein Semester dauert, ist der Vertrag natürlich auch auf ein Semester beschränkt.“ Auch Constanzes Vertrag muss jedes Semester neu aufgelegt werden. Bis jetzt wurde sie aber schon einmal problemlos übernommen.

Trotzdem Kaffee kochen

Die Richtlinien, die die FH Dortmund für die Beschäftigen von Studenten als Hilfskräfte vorgibt, nennen „wissenschaftliches Arbeiten“ als Schwerpunkt der Hiwi-Tätigkeit. Mit anderen Worten: Die Hiwis sollen nicht wie Klischee-Praktikanten nur Kaffee kochen und kopieren. Constanzes Stelle wird diesem Anspruch aber zum Beispiel nicht gerecht. „Das mit dem Kaffee kochen kommt schon öfter vor. Aber ich arbeite ja auch in einem Sekretariat.“ Da fallen solche Beschäftigungen häufiger an, als beispielsweise in einem Labor.

Ruhr-Unis zahlen gut

Laut der aktuellen Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks arbeiten immerhin 28 Prozent aller Studenten, die sich nebenbei Geld verdienen, als Hilfskraft. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als noch 2006. Im Schnitt verdienen die Hiwis neun Euro pro Stunde – und das Ruhrgebiet liegt damit im guten Mittelfeld: Die TU Dortmund zahlt wie die FH neun Euro und in Bochum und Duisburg/Essen übertrifft man mit 9,17 Euro pro Stunde sogar den Durchschnittswert. Die guten Lohnvoraussetzungen scheinen die angestellten Studenten zufrieden zu stellen. Zumindest in Dortmund haben die Allgemeinen Studentenausschüsse noch nichts von schlechten Arbeitsbedingungen gehört. Birgit Girlich vom Asta der FH: „Ich bin nun wirklich schon lange dabei und bei den Hiwi-Jobs sind uns noch nie Probleme zu Ohren gekommen.“

Constanze ist nicht nur wegen der guten Bezahlung glücklich über ihre Beschäftigung. „Ich habe keine Rennerei und keinen Reiseaufwand. Das ist gut verdientes Geld. Ich glaube, ich hätte den Job auch für sechs Euro pro Stunde angenommen.“

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