Two Door Cinema Club: Musik, die auch Mami gefällt

Es wirkt selbst auf der Bühne, als spiele Gitarrist Sam nur für sich.

Es wirkt selbst auf der Bühne, als spiele Gitarrist Sam nur für sich.

Die BBC zählt sie zu den Newcomern 2010. Einen Monat nach dem Release ihres Debut-Albums „Tourist History“ starteten sie ihre Tour mit einem ausverkauften Konzert in Köln.

Mit jungenhaften Unschuldsgesichtern, engen Röhrenhosen und tanzbaren Gitarrensongs verkörpern die drei Jungs von Two Door Cinema Club alles, was man zur Zeit mit der Indie-Szene in Verbindung bringen kann.

Im Interview mit pflichtlektüre spricht Gitarrist Sam über Risikobereitschaft, die Chancen des Internets und warum es peinlich sein kann, aus Nordirland zu kommen.

pflichtlektüre: Was ist das Gute an eurer Musik?

Sam: Sie ist nicht zu offensiv, deswegen kann man gut Zugang dazu finden, denke ich. Du könntest unsere Songs auch im Auto mit deiner Mama hören und das würde sie nicht stören. Wir geben uns immer viel Mühe mit den Melodien und achten sehr darauf, wie lang die Lieder sein sollten.

Können nur die Bands erfolgreich werden, die wegen ihrer Liebe zur Musik existieren?

Man muss Musik lieben, um es als Vollzeit-Band überhaupt auszuhalten. Wir haben so etwa 300 Konzerte geplant dieses Jahr und da bleibt nicht viel Zeit für andere Sachen…

Ihr seid ein gutes Beispiel dafür, wie das Internet einer Band prophezeien kann, ob die Musik bei den Leuten ankommt – bevor sie überhaupt Geld für Studioaufnahmen ausgeben muss. Hättet ihr euch auch gegen das Studium entschieden, wenn ihr nicht so viel positive Kritik im Vorfeld gekriegt hättet?

Nein, das glaube ich nicht. Also es ist natürlich das, was wir schon immer wollten, aber es gibt doch zum Beispiel auch so viele kleine Jungs, die Profifußballer werden wollen und die werden es bestimmt nicht versuchen, wenn sie gar kein Fußball spielen können… Das Internet kam uns da zu Gute: Wir haben unsere Songs auf Myspace zum Download bereitgestellt, die Leute haben sie sich angehört und sind zu unseren Shows nach Belfast gekommen. Dann wurden wir immer bekannter und haben auch Konzerte in Großbritannien und ganz Europa gegeben. Es steht fest, dass wir der Anfang einer Internetband-Generation sind.

Sänger Alex mag nicht nur seine Gitarre, sondern auch Keyboards sehr gern.

Sänger Alex mag nicht nur seine Gitarre, sondern auch Keyboards sehr gern.

Auch das Team der BBC hat viele Hoffnungen in euch gesetzt: Ihr seid auf der „Sound of 2010“-Liste gelandet. Hat euch das unter Druck gesetzt?

Also ich muss sagen: eigentlich nicht. Diese Liste hat sicher das Potenzial, einen enormen Druck auszuüben, aber zu dem Zeitpunkt, als unsere Nominierung bekannt wurde, hatten wir unser Album sowieso schon fertig aufgenommen. Wenn wir jetzt nur eine Single gehabt und noch nicht über ein Album nachgedacht hätten, dann wäre das vielleicht ein Problem gewesen.

Euer Album war im Prinzip auch schon fertig, als ihr bei dem französischen Elektronik-Label Kitsuné eingestiegen seid. Welchen Einfluss wird Kitsuné auf eure nächste Platte nehmen?

Wir werden den Schlagzeug-Part verbessern können…

…da ihr eigentlich keinen Schlagzeuger habt, sondern die Beats mit euerm Laptop produziert.

Genau. Ach und es wird bestimmt einige Keyboard-Elemente geben. Alex hat jetzt ein bisschen mehr Geld und er liebt es, Keyboards zu kaufen (lacht).

kevin-bass

Bassist Kevin beim Tourauftakt in Köln. Das Konzert im Gebäude 9 war ausverkauft.

Was ist so faszinierend an elektronischer Musik?

Also bei uns war es ganz klar der Laptop. Wir haben so viele neue Sachen ausprobiert und jetzt, da wir bei Kitsuné unter Vertrag sind, haben wir noch viel mehr Möglichkeiten. Das hat unseren elektronischen Musik-Horizont wirklich erweitert.

Ihr kommt aus Bangor, einer Kleinstadt in Nordirland. Wie ist es, dahin zurückzukommen?

Na ja, ein bisschen komisch, aber auch gut. Es ist zum Beispiel super, dass man in den Supermarkt geht und mit Sicherheit irgendjemanden trifft, den man kennt. Wenn man auf Tour ist, passiert einem das nicht so oft.

Viele Bands werden ja nicht unerheblich von ihrer Herkunft beeinflusst. Nordirland hätte da bestimmt auch ein großes Potenzial…

Oh, nein. Also wir haben immer versucht, uns von dem ganzen Mist zu distanzieren. Das ist uns nämlich ziemlich peinlich, diese ganzen dummen Leute, die dumme Sachen machen (lacht). Wir wollen damit wirklich nicht assoziiert werden.

Also haltet ihr euch lieber fern von politischen Texten?

Ja, ich glaube, wir werden nie „Greenday“ werden, was politische Texte angeht.

Habt ihr dann überhaupt dunkle Momente? Euer Album klingt so durch und durch fröhlich…

Doch, natürlich. Es gab auch eine Zeit, in der wir dunkle Rockmusik gemacht haben. Dann gefiel das den Leuten nicht mehr und uns irgendwann auch nicht. Es geht uns vor allem um den Spaß. Aber manche unserer Texte sind ziemlich melancholisch, ich denke, wenn man die fröhlichen Melodien und die Texte zusammen sieht, gleicht sich das schon wieder ein bisschen aus.

Und noch ein Schlusswort: Was würdest du an der Welt ändern, wenn du einen Wunsch frei hättest?

(überlegt) Oh Mann, das ist eine gute Frage. Vielleicht Sonnenbrand! Das nervt wirklich.