Die Geschichte eines einzigen Tages

Ein neuer Tag beginnt, für jeden auf eine andere Weise. Symbolfoto: sxc.hu/gilderm

Ein neuer Tag beginnt, für jeden auf eine andere Weise. Symbolfoto: sxc.hu/gilderm

Samoa, 27. Januar 2011, 15:00 Uhr. Australien, 28. Januar, 11:00 Uhr. Deutschland, 28. Januar, 2:00 Uhr. Ein Moment auf der Erde. Menschen aus allen Ländern sahen zeitgleich im Internet die Weltpremiere des Filmes „Das Leben in einem Tag“. Die Dokumentation zeigt nichts anderes als das Leben – mit Hilfe von 80 000 Amateur-Videos.

„Das Leben in einem Tag“ ist ein großes Projekt von Ridley Scott und Kevin Macdonald, das mit Hilfe von YouTube umgesetzt wurde. Die Idee war, einen einzigen Tag auf der ganzen Welt zu zeigen. Am 24. Juli 2010 haben Leute auf der ganzen Welt ihr eigenes Leben gefilmt und diese Videos auf YouTube hochgeladen. Und das waren nicht wenige: Mehr als 80 000 Videos zählten die Produzenten, mehr als 4500 Stunden Laufzeit. Dabei sollten sich die Hobby-Filmer an Fragen wie: „Was liebst du?“, „Wovor hast du Angst?“ orientieren. Das Team um Scott und Macdonald hat alle gesichtet und aus den besten Ausschnitten eine 90 Minuten lange Dokumentation zusammengestellt. Inspiration für „Das Leben in einem Tag“ war „The Mass Observation Project“, ein 1937 gestartetes Forschungsprojekt der Universität Sussex. Hier hatten etwa 500 Menschen aus Großbritannien Tagebuch geführt. Die Notizen wurden gesammelt und analysiert, wodurch man den Alltag von damals auch heute noch nachvollziehen kann.

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Das Leben wie es ist

Utah. In der Mitte vom Sundance Film Festival, eine der größtes Festivals des Independent Film, feierte „Das Leben in einem Tag“ Weltpremiere. Der Film hebt sich von der Masse ab – denn er zeigt das Leben genauso, wie es ist. Die Aufnahmen sind von Amateuren aufgenommen, es gibt keine große Action, aber alle Teile passen zusammen. Das ist der Reiz des Projekts. Man kann sehen, dass trotz verschiedener Kulturen, Religionen, Wohnorten, alle Leute irgendwie miteinander verbunden sind. Alle sind nur Menschen – sie müssen schlafen, essen und arbeiten. An einem einzigen Tag werden manche geboren, manche werden krank, manche freuen sich, manche weinen. An einigen Orten herrscht Frieden, an anderen Krieg. Dann gibt es große Partys, einige mit Happy End, wie eine Hochzeit, und andere, deren Schrecken noch nachwirkt, wie die Love Parade in Duisburg. Das ist das Leben, und das zeigt der Film.

Matthew Herbert war für die Musik verantwortlich, und die passt perfekt: Wenn es wichtig ist, kann sie die Spannung halten oder ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Der Film wirkt wie eine Atempause zwischen den auf Hochglanz polierten Hollywood-Filmen – und kann jedem empfohlen werden.

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