Keine Panik vor den Prüfungen

Ob Naturwissenschaftler, Geisteswissenschaftler oder Ingenieur: Um das Lernen kommt kein erfolgreicher Student herum. Doch wie teilt man sich die Zeit am Besten ein, wie bekommt man mathematische Formeln leichter in den Kopf und wie erfasst man am Effektivsten einen Text? pflichtlektuere.com hat die besten Tipps zusammengestellt.

Der Sommer kann kommen: Wer sein Semester gut plant und auch mal entspannt, schafft die Prüfungsvorbereitung mit links.

Der Sommer kann kommen: Wer sein Semester gut plant und auch mal entspannt, schafft die Prüfungsvorbereitung mit links. Foto: Florian Hückelheim

Pausen nicht vergessen

Die Klausur wird in ein paar Tagen geschrieben und du hast immer noch nicht die Hälfte des Lernstoffs gelernt – es ist einfach zu wenig Zeit. Den Kopf jetzt den ganzen Tag lang in den Büchern zu versenken, ohne Pause und mit viel Kaffee, bringe wenig, denn regelmäßige Entspannungsphasen seien für den Lernprozess extrem wichtig, sagt Professor Martin Schuster, Autor des Buchs „Lernen zu lernen“: „Pausen dienen der internen Einspeicherung des Gelernten ins Gedächtnis. Außerdem sind sie gut gegen Müdigkeit.“

Deshalb sollte die Pausenzeit etwa ein Drittel der Gesamtlernzeit einnehmen. In den Pausen solltest du dich am besten mit Dingen beschäftigen, die möglichst wenig mit dem Lernen zu tun haben. Ideal sind zum Beispiel Gymnastik und Alltagsarbeiten wie spülen, aufräumen oder Essen kochen. „Bei diesen Aktivitäten wacht man körperlich und geistig wieder auf“, so Schuster.

Biorhythmus beachten

Generell gilt: Sechs Stunden am Tag lernen ist gut zu schaffen. Acht Stunden sind dagegen schon sehr viel, da ist das Lernen nicht mehr so effektiv. Aber wenn es gar nicht anders geht, kann man am Tag vor einer Prüfung schon mal zwölf Stunden lernen“, erklärt Lernexperte Schuster.  Auf Dauer hält dieses Pensum aber niemand durch.

Die meisten Menschen sind morgens zwischen 8 und 10 Uhr besonders leistungsfähig. Ein erster Tiefpunkt wird mittags zwischen 14 und 15 Uhr erreicht. Eine zweite Leistungsspitze gibt es gegen 17 Uhr, danach geht es wieder abwärts.

Den Lernstoff richtig einteilen

Nur keine Panik! Mit der richtigen Lerntechnik ist auch ein riesiger Stoffberg zu bewältigen.

Nur keine Panik! Mit der richtigen Lerntechnik ist auch ein riesiger Stoffberg zu bewältigen. Foto: Florian Hückelheim

Wer seinen Lernstoff sinnvoll kategorisiert, steigert seine Leistung extrem. Martin Schuster erklärt, wie‘s geht: „In einem ersten Schritt findet man Bedeutungsstrukturen auf und reduziert so den Lernstoff. Im zweiten Schritt wird der reduzierte Stoff dann mit bildhaften Material angereichert.“ Mit den Bildern werden laut Schuster Gedächtnisbrücken gebildet und gedankliche Landkarten produziert, die es dem Studenten leichter machen, den Lernstoff zu behalten.

Deshalb solltest du zum Beispiel Vorlesungsfolien nicht einfach nur auswendig lernen, sondern die enthaltenen Informationen gruppieren. Eine gute Methode dafür: die Mindmap. Dabei erstellst du auf einem Blatt Papier eine gedankliche Karte, die dir einen Überblick über deinen Lernstoff gibt. Die Infogruppen, die du dabei bildest, helfen deinem Gedächtnis nicht nur, die Informationen besser zu behalten. Durch Mindmap-Arme und farbliche Kennzeichnungen werden auch die Verbindungen zwischen den Informationen bildlich deutlich. „Die Mindmap bildet durch die Reduzierung und Ordnung des Lernstoffs ein Sinngewebe, das mit visuellen Bildern angereichert wird“, sagt Schuster.

„Fünf-Schritt-Methode“ zum Lernen von Texten

Zuerst solltest du dir einen Überblick über den Text verschaffen, indem du das Inhaltsverzeichnis und den Text überfliegst. Im zweiten Schritt formulierst du Fragen, die der Text klären soll. Damit formulierst du also dein Lernziel. Als Drittes liest du den Text gezielt auf die Fragen hin und beantwortest sie im vierten Schritt aus dem Gedächtnis. Schließlich gleichst du deine Antworten mit dem Text ab und verbesserst sie gegebenenfalls.

Die Locitechnik zum Lernen von Zahlen

Gewusst wie! Mit der Locitechnik kannst du dir Zahlen besser merken. Und dein Stift spielt dabei eine wichtige Rolle.

Gewusst wie! Mit der Locitechnik kannst du dir Zahlen besser merken. Und dein Stift spielt dabei eine wichtige Rolle. Foto: Florian Hückelheim

Um sich Zahlen effektiv zu merken, denkt man sich für jede Zahl von 0 bis 9 ein Symbol aus. Die 1 könnte ein Bleistift sein, die 2 ein Schwan, weil sie dem Tier in seiner Form ähnlich sieht. Hier ein paar Vorschläge:

1= Bleistift
2= Schwan
3= Gesäß seitlich
4= umgedrehter Stuhl
5= Schaukelstuhl
6= Tennisschläger
7= Sense
8= Brille
9= Wandlampe
0= Ball

Um dir jetzt Zahlenreihen zu merken, denkst du dir Szenen oder Geschichten aus. Beispiel: Um mir die Zahl 1789 (Beginn der Französischen Revolution) zu merken, stelle ich mir den Tod (Sensemann = 7) vor, wie er abends mit Lesebrille (8) und gezücktem Bleistift (1) unter seiner Wandlampe (9) sitzt und die Toten der Revolution notiert.

Um dir komplette Zahlenreihen zu merken (oder auch eine Reihenfolge beliebiger Gegenstände wie beim Spiel „Ich packe meinen Koffer“), hilft die Locimethode („locus“ lateinisch = Ort). Wähle dir dazu einen Ort oder eine Strecke deiner Wahl. Zum Beispiel deine Joggingstrecke oder deinen Weg zur Uni. Platziere nun vor deinem geistigen Auge die Gegenstände an der Strecke. Beispiel: Bevor ich meine Wohnung verlasse, stecke ich noch schnell meinen Bleistift (1) ein. Im Flur steht eine Sense (7). Als ich aus dem Haus trete, setze ich meine Sonnenbrille (8) auf und lösche das Licht im Flur (Wandlampe = 9).

Das kann nun beliebig so weitergehen, bis du die Uni erreicht hast.

Der Selbsttest
„Das Wichtigste beim Lernen ist, sich selbst zu testen, sich selbst abzufragen. Erst wenn man sich selbst abfragt, hat man Erfolg beim Lernen,“ erklärt Experte Martin Schuster. Das ganzheitliche Lernen besteht nämlich aus zwei Prozessen: Zunächst wird das Gelernte durch das Lernen im Gedächtnis abgelegt und gespeichert. Im zweiten Schritt, dem Testen, wird eine Abrufstruktur des Gelernten gebildet, die für die Prüfung extrem wichtig ist. Dabei wird der Lernstoff so umgewandelt, dass er für die Klausur in einer passenden Form im Gehirn abgespeichert wird und dann in der Klausur abrufbar ist. Indem du dich selbst abfragst, ahmst du also die Prüfungssituation vorab schonmal nach und verschaffst dir so einen Vorteil.  „Wenn man nur den ersten Schritt des Lernens vollzieht und die Abrufstruktur außen vor lässt, hat das Lernen keinen Sinn. Aber sobald man sich während des Lernens regelmäßig abfragt, kann quasi nichts schief gehen“, sagt Schuster.

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