Liebe im Tierreich: Bringt er Blumen, ist er untreu

Er schnekt Blumen - Was bezweckt er damit?

Er schenkt Blumen - Was bezweckt er damit? Foto: scol22 / stock.xchang

Alle Vogelarten der Gattung Australischer Staffelschwanz sind notorisch untreu und prahlen mit großen Fortpflanzungs-Organen. Wenn die Männchen fremdgehen, schenken sie den anderen Vogeldamen sogar Blumen. Eine Ausnahme gibt es aber, den Purpurkopf-Staffelschwanz. Forscher stellen nun bisherige Theorien zum Treueverhalten in Frage.

Australische Staffelschwänze sind ihren Herzens-Vogeldamen treue Partner. Zumindest in sozialer Hinsicht: In Paaren verteidigen sie ein gemeinsames Revier und ziehen zusammen ihre Küken groß. Wissenschaftlich ausgedrückt, leben die Staffelschwänze wie die meisten Vogelarten sozial monogam. Im Gegensatz zu der sexuellen Monogamie beinhaltet die soziale zwar die gemeinsame Jungenaufzucht, aber keine Treue. Ein paar Stunden im fremden Nest sind bei den männlichen Singvögeln jederzeit drin. In der Paarungszeit verlassen sie daher mehrmals am Tag ihre Partnerin, um andere Vogeldamen zu beglücken. Zum Sex bringen sie den fremden Weibchen sogar Blumen mit.

Buntes Federkleid und vergrößerte Fortpflanzungsorgane

Auch äußerlich sind die Staffelschwanzmänner auf ihre außerehelichen Abenteuer eingestellt: Zur Paarungszeit legen sich die in etwa Zaunvogel-großen Sänger ein buntes Federkleid zu. Außerdem haben sie stark vergrößerte Reproduktionsorgane, was für männliche Tiere, die mit starker Konkurrenz leben, typisch ist. So zeigten zum Beispiel Untersuchungen an Affengruppen, dass Gattungen mit Mehr-Männchen-Gruppen deutlich größere Hoden haben als solche, die in Haremsstrukturen oder monogam leben.

Absolut treu: Der unscheinbare Staffelschwanz.

Absolut treu: Der unscheinbare Staffelschwanz.

Purpurkopf-Staffelschwänze sind dagegen treu. Untersuchungen von Forschern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Freiburg zeigten, dass von 227 Nachkommen aus 104 Nestern bei allen außer 10 Nachkommen der genetische Vater auch der soziale Partner des Weibchens war. Im Verhalten und Aussehen der Purpurköpfe deutet ebenfalls nichts auf potentielle Untreue. Die Männchen bilden nur ein paar bunte Federn aus und bringen fremden Weibchen keinen selbstgepflückten Plunder vorbei.

Ein treuer Vogel-Mann hat nichts für Blumen übrig

Bisher war eine der Haupttheorien zur Untreue im Tierreich, dass sie durch Abstammung, Sozialsystem und ökologische Faktoren begünstigt wird. Für die Purpurkopfstaffelschwänze als eine Art innerhalb der Gattung sind diese Faktoren aber fast gleich. Sie können also keine Erklärung für die außerehelichen Vaterschaften bieten. Inwiefern sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, wurde noch nicht untersucht. Die Damenwelt sollte sich aber vielleicht – von überdurchschnittlich großen Hoden mal ganz abgesehen – bei häufigen Blumengeschenken vom Liebsten Gedanken machen.

Text: Michelle Röttger

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3 Comments

  • Christian sagt:

    Rache für Untreue des Partners ist also eine nicht nur den Menschen vorbehaltene Angelegenheit. Selbst das Schenken von Blumen nicht. Dass selbst monogam lebende Tierchen fremdgehen und das ganze sogar noch mit Blumen toppen, war mir neu. Erschreckend und beruhigend zugleich – schließlich sind es nicht nur die Menschen, die solche „Sünden“ begehen.

  • ortlieb sagt:

    Es ist schon Interessant zu wissen, daß die Sache mit Treusein oder nicht Treusein nicht ein Menschen Sache ist.
    Es gibt ein Vogelart in Brasilien(joao de barro) der sein Nest aus Schlam baut und so wie ein Hülle. Die weibschen bleibt drin und brüht. Falls der Mänchen erwischt sie mit andere er versiegelt die Ausgang (auch mit schlam) und so tötet er seine Partnerin….Krass, gell
    Als ich es erfahren habe ist mir ein Welt runtergegangen. Ich dachte Rache eine Menschliche Sache wäre….

  • kjhjkjl sagt:

    Cooler Text!!

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