Tofu statt Schnitzel: Dortmunder Mensa kocht vegan

Seit Dezember bekommen auch Veganer eine Mittagsmahlzeit in der Mensa der TU und der FH Dortmund. Die meisten Studenten freuen sich über das neue Gericht. Allerdings bringt die Änderung auf der Speisekarte auch einige Fragen mit sich: Warum kriegen Veganer nur alle zwei Wochen etwas auf die Gabel? Und rentiert sich das vegane Gericht überhaupt?

Nicolas Luck: "Ich esse sehr gern vegan, aber etwas mehr Auswahl wäre schön"

Nicolas Luck: "Ich esse gern vegan, aber eine größere Auswahl wäre schön." Bild: Julian Pfahl

Nicolas Luck lebte bis vor ein paar Jahren vegan, also ohne tierische Nahrungsmittel wie Fleisch, Milch oder Eier. Heute ist der 29-jährige Student immerhin noch Vegetarier: „Freunde bestellten sich abends dauernd Pizza. Irgendwann konnte ich dann auch nicht mehr widerstehen und habe mir einfach selbst eine bestellt.“ Trotzdem freut sich der Vegetarier über das neue vegane Gericht. „Ich nehm das sehr oft, meist schmeckt es wirklich gut“, sagt Nicolas Luck, während er sich eine Gabel Kartoffel-Tofu-Ragout in den Mund schiebt.

Viele Unis, bieten inzwischen veganes Essen an

Tatsächlich sind die wenigsten Studenten, die sich für das vegane Gericht entscheiden, tatsächlich auch Veganer. „Gestern Abend hatte ich noch Hackbällchen, die waren super,“ erzählt Erziehungswissenschafts-Student Sören Friedrich und spießt ein Stück Tofu auf. „Aber ich esse hier gern und oft vegan. Mein gesundes Gewissen ist dann beruhigt.“

Er liegt damit voll im Trend: Nachhaltige und gesunde Ernährung wurden in den vergangenen Jahren immer präsenter in der Öffentlichkeit. Auch das Studentenwerk Dortmund kam deshalb Anfang Dezember 2010 auf die Idee, ein veganes Gericht auf den Speiseplan zu stellen. „Wir schauen immer wieder, was andere Studentenwerke Neues ausprobieren. Da fiel uns auf, dass einige inzwischen veganes Essen anbieten. Das wollten wir auch ausprobieren“, erzählt Christian Puslednik, Leiter der Abteilung Gastronomie des Studentenwerks Dortmund. Auch Studenten hätten öfter nach einem veganen Essen gefragt.

Christian Puslednik: "Viele Studenten schickten positive Mails." Bild: Privat

Christian Puslednik: "Viele Studenten schickten positive Mails zum veganen Essen." Bild: Privat

Veganes Essen nur alle zwei Wochen

Zurzeit essen Dortmunder Studenten aber lediglich probeweise vegan. Puslednik:„Wir schauen gerade erst, wie das Ganze ankommt.“ Das heißt konkret: Chili con Tofu und Co. gibt es nicht jede Woche, sondern nur alle zwei. Im Wochenrythmus wechselt sich das vegane Wochengericht zurzeit mit den bio-vegetarischen Gericht ab. Für Erziehungswissenschafts-Student Malte Weisleder macht das keinen Sinn: „Der jetzige Rhythmus bringt den Veganern ja nichts. Jede zweite Woche haben sie von Montag bis Freitag kein Essen hier.“ Der 25-Jährige beklagt auch den Preis des Gerichts. 2,80 Euro sind ihm zu teuer. „Im Gegensatz zu anderen Gerichten gibt es zum veganen Essen meist auch keine Beilagen, abgesehen von einem kleinen Salat.“

Dortmunder Projekt zurzeit noch in der Testphase

Laut Christian Puslednik soll zumindest der unregelmäßige Rhythmus des veganen Gerichts nur ein vorübergehender Zustand sein. „Wir würden das Ganze in diesem Semester einfach gern noch testen.“ Im Sommersemester sei dann ein regelmäßiges Wochengericht denkbar. Zusätzlich soll dann ein veganes Tagesgericht das vegetarische Gericht am Mittwoch ablösen. So hätten die Veganer zwei Essen zur Auswahl, für Abwechslung wäre somit gesorgt. Denn abwechslungsreich ist das vegane Angebot an der TU derzeit nicht: Wer sich in der Mensa ohne tierische Produkte ernähren möchte, isst von montags bis freitags dasselbe.

In der RUB-Mensa gibt es schon seit längerem vegane Spaghetti-Bolognese Bild: Pressestelle der RUB

In der RUB-Mensa gibt es schon seit längerem vegane Spaghetti Bolognese. Bild: Pressestelle der RUB

RUB: Spaghetti aus Hartweizen und Soja-Pudding

Mehr Möglichkeiten bietet die Ruhr-Uni Bochum. Seit ungefähr anderthalb Jahren können Studenten dort vegan essen – auch wenn sie den Speiseplan genau studieren müssen: „Veganes Essen ist bei uns zwar nicht als vegan ausgezeichnet, aber trotzdem haben wir welches. An der Nudeltheke gibt es immer eine Nudelsorte, die nur aus Hartweizen besteht,“ so André Abbing, Abteilungsleiter für Gastronomie am Studentenwerk der RUB. Zu den Hartweizennudeln können Veganer dort die offiziell „nur“ vegetarische Bolognese-Sauce bedenkenlos bestellen, weil sie lediglich aus Tofu und Gemüse besteht. Auch das ist auf Dauer aber etwas eintönig. Daher gibt es für die RUB-Studenten in zwei Cafeterien Soja-Drinks, Soja-Puddings und vegane Brötchen.

Veganes Essen rentiert sich für die Ruhr-Unis

Doch rechnet sich ein veganes Angebot überhaupt? Zwar existieren keine genauen Zahlen, allerdings steht fest, dass Veganer in Deutschland eine radikale Minderheit bilden. Die vegane Gesellschaft deutschland e.v. spricht optimistisch von über 250.000 Veganern, eine nationale Verzehrstudie des Bundesministeriums von 2008 errechnet dagegen bloß 80.000. „Geht man davon aus, dass maximal ein Prozent der Gesellschaft vegan ist, wären an der TU Dortmund etwa 300 Veganer. Das denke ich nicht,“ so Christian Puslednik vom Studentenwerk.

Das Kartoffel-Tofu-Ragout kommt zusammen mit einer Salatbeilage. Bild: Julian Pfahl

Das Kartoffel-Tofu-Ragout kommt zusammen mit einer Salatbeilage auf's Tablett. Bild: Julian Pfahl

Trotzdem ist er mit dem Absatz des veganen Essens zufrieden: „Verkaufen wir 20 Essen pro Tag, macht das ganze dauerhaft natürlich keinen Sinn. Um die 100 sollten es schon sein. Die haben wir zurzeit auch. Wir waren ein bisschen überrascht, wie gut es ankommt. Gerade, weil das vegane Gericht im Gegensatz zum Schnitzel immer noch ein Randprodukt ist.“ André Abbing beklagt an der RUB ebenfalls keine Verluste: „Wir verkaufen so viel, dass es sich aus kaufmännischer Sicht gerade so rechnet.“

Veganer erwartet wohl abwechslungsreicheres Essen

Wenn nichts schief geht, wird also auch in Dortmund schon bald täglich eine vegane Alternative auf dem Speiseplan stehen. Für Nicolas Luck wäre das sogar ein Grund, sein Dasein als Vegetarier zu beenden und wieder auf tierische Nahrungsmittel zu verzichten: „Ein regelmäßiges und oft wechselndes Gericht an der Uni könnte mich wirklich wieder vegan kriegen.“