Die AfD auf dem Campus: Zurück zu den „guten alten Zeiten“

Den Campus der Heinrich-Heine-Universität betritt Eckert nur, wenn es sein muss. Foto: Megan Bogatzki

Akkurat gezogener Seitenscheitel, knitterfreies weißes Hemd und Dandy-Schnürer. Das ist David Eckert. Der 24-Jährige Student ist Vorsitzender und Gründer der AfD-Hochschulgruppe an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. David Eckert ist das Gesicht einer neuen Hochschulbewegung  – ähnlich wie Frauke Petry die Alternative für Deutschland (AfD) auf Bundesebene verkörpert. Neben Düsseldorf gibt es erste AfD-Gruppen auch an den Universitäten in Göttingen, Münster und München. Rechtspopulismus auf dem Campus – hat die AfD eine Zukunft an den Hochschulen?

Wir treffen David Eckert vor der Universitäts-Bibliothek. Den Campus betrete er nur, wenn es sein müsse, sagt er. Eckert studiert Sozialwissenschaften, macht bald seinen Bachelor-Abschluss. Mehrfach sei er hier als Nazi beschimpft worden, schildert er und holt ein Pfefferspray aus der Innentasche seiner Jacke. Tatsächlich starren ihn einige Studierende immer wieder an, als wir über den Campus spazieren. Denn sein Gesicht ist bekannt, doch diese Bekanntheit kommt nicht von irgendwo: Auf der Facebook-Seite der AfD-Hochschulgruppe ist niemand so präsent wie David Eckert. Der Jungpolitiker begegnet Besuchern der Seite breit lächelnd auf Wahlplakaten, Reden schwingend in Videos oder gesellig auf Fotos von Partei-Kneipentouren. „Es ist immer besser, Flagge und Gesicht zu zeigen und damit zu seinen Positionen zu stehen“, sagt der Student und steckt sich dabei die erste Zigarette an.  

Seit der Gründung der AfD im Februar 2013 ist er Mitglied der Mutterpartei AfD. Ein paar Monate später tritt er auch der Jungen Alternative (JA) bei.  Der gebürtige Thüringer begründet seine Entscheidung damit, dass er bei allen Punkten im Wahlprogramm der AfD für sich einen „Haken“ habe machen können. Die Blicke der anderen lässt er über sich ergehen – auch hier auf dem Campus. „Wenn wir nur einen Schritt zurückweichen, wird der Einheitsbrei an der Uni wieder die Überhand gewinnen und das dürfen wir nicht zulassen.“

 „Die Uni ist ein Einheitsbrei“

David Eckert ist das Aushängeschild der AfD- Hochschulgruppe Düsseldorf.

David Eckert ist das Aushängeschild der AfD- Hochschulgruppe Düsseldorf. Quelle: www.facebook.com/AfDHHU/?fref=t

Einheitsbrei. Dieses Wort fällt oft in unserem Gespräch. Die politische Linksprägung des Campus’ führe laut Eckert dazu, dass „alle Leute, die konträre Meinungen vertreten, mundtot gemacht werden“. Die Diskussionskultur sei auf einem Tiefpunkt angekommen, findet der Vorsitzende der 18 Mitglieder starken AfD-Hochschulgruppe, die er im Januar 2015 gegründet hat. Das wollen Eckert und seine Mitstreiter ändern, Dialogbereitschaft signalisieren.

Nachfrage bei Kathi Sternke, Präsidentin des Studierendenparlaments. Sie hat die Gruppe bisher anders erlebt. „Die AfD beteiligt sich nicht an den demokratischen Prozessen der Universität, versucht aber vor allem auf Facebook Stimmung zu machen.“ Dass sich die Gruppe dabei in einer „gewissen Opferrolle“ präsentiert, hält sie für „sehr gefährlich“.

Bisher nicht im Studierendenparlament vertreten

Sternke ist Teil der Regenbogenliste der hochschulpolitischen Liste der Heinrich-Heine-Universität, die sich für einen diskriminierungsfreien Campus einsetzt. Eckert und die AfD hätten angekündigt, an Sitzungen des Studierendenparlaments teilzunehmen und im Vorhinein Stimmung gegen diese zu machen.  „Ansonsten ist bislang niemand für mich erkennbar in Erscheinung getreten“, erklärt die Doktorandin der Linguistik. Im vergangenen Jahr ist die Gruppe nicht einmal bei der Wahl zum Studierendenparlament angetreten. Laut Eckert, weil sie ihren Mitgliedern nicht zumuten wollte, im selben „Feuer“ zu stehen wie er als ihr Vorsitzender.

Im April 2016 mussten der Asta und die Polizei eine Podiumsdiskussion der AfD-Hochschulgruppe mit Bernd Lucke absagen. Im Vorfeld hatte es Drohungen gegen Teilnehmer und Organisatoren gegeben. „Danach haben sich Studenten mit uns solidarisiert. Die Attacken waren die beste Werbung für uns – die Leute begreifen nicht, dass sie uns damit einen Gefallen tun“, sagt Eckert, dessen Gruppe danach einen Mitgliederzuwachs erfuhr.                                                           

Die AfD- Hochschulgruppe Düsseldorf vertritt ihre Meinung vor allem bei Facebook. An hochschulpolitischen Prozessen in der Uni beteiligt sich die Gruppe dafür umso weniger.

Die AfD- Hochschulgruppe Düsseldorf vertritt ihre Meinung vor allem bei Facebook. An hochschulpolitischen Prozessen in der Uni beteiligt sich die Gruppe dafür umso weniger. Quelle: https://www.facebook.com/AfDHHU/?fref=ts

Was will die AfD an der Uni? Laut dem Politikwissenschaftler Professor Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg-Essen deute das verabschiedete Grundsatzprogramm der AfD auf eine Restauration: Der Bologna-Prozess soll rückgängig gemacht, alte Abschlüsse wieder eingeführt werden. Das Diplom wieder etablieren und damit, die „guten alten Zeiten“ wiederzubringen, ist  einer der Hautprogrammpunkte im Wahlprogramm der AfD-Hochschulgruppe Düsseldorf. Daneben stehen Punkte wie das Vorantreiben der Diskussionskultur am Campus, Online-Wahlen und eine einheitliche UniCard. 

Laut Rudolf Korte sind die Chancen der AfD an Hochschulen schwer einzuschätzen. Es hänge davon ab, wie viel Aufmerksamkeit und Personal die Gruppe finde. Außerdem sei es entscheidend, wie sich die Gruppen präsentierten: „Wenn durch den nostalgischen Schein auf die Vor-Bologna-Zeit suggeriert wird, dass damals weniger Wettbewerb, mehr Sicherheit und Geborgenheit im Studierenden-Alltag herrschte, dann kann man vermutlich damit auch Studierende begeistern“, so Korte.

Für ein offenes Gesellschaftsmodell

Kathi Sternke findet, dass die Partei nicht unterschätzt werden sollte. Sie sieht die Gefahr darin, dass Nichtwähler oder Studierende, die hochschulpolitisch weniger informiert sind, zu Protestwählern werden könnten. „Genau darauf setzt die AfD auch mit ihrer Meinungsmache auf Facebook.“

Karl-Rudolf Korte vermutet hingegen, dass die AfD bei dem Großteil der Studierenden eher eine irritierende Wirkung hervorruft, da sich das Grundsatzprogramm gegen viele Facetten der Gleichstellung richtet. Auch, dass die AfD den Islam nicht zu Deutschland zählt, würde vor allem im Ruhrgebiet viele Studierende abschrecken, die alltäglich tolerant mit verschiedenen Glaubensrichtungen umgingen. Um rechte Tendenzen an Hochschulen zu vermeiden, müssten die Vorzüge einer offenen Gesellschaft und die Freiheit der Wissenschaft aufgezeigt werden, betont der Politikwissenschaftler.

Gut vernetzt

Fragt man Eckert nach seiner Einstellung zu Studierenden mit Kopftuch, Flüchtlingen auf dem Campus oder Homosexuellen, sagt er:  Auch in der Hochschulgruppe gebe es Leute mit Migrationshintergrund sowie Homosexuelle und einen Transsexuellen. Die AfD sei nicht gegen Zuwanderung – es solle nur die „richtige“ sein. Damit meint er „Leute, die unsere Sprache sprechen und Berufsqualifikationen mitbringen, damit wir sie in den Arbeitsmarkt integrieren können.“ Also günstige Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt? Laut Eckert sei dies auch das Modell, das zum Beispiel in Kanada betrieben werde und dieses Land werde als völlig liberal angesehen.

Neben Düsseldorf gibt es noch eine weitere AfD-Hochschulgruppe in NRW: Der Kontakt mit der Gruppe aus Münster ist Eckert wichtig. So finden sich auf der Düsseldorfer Facebook-Seite beispielsweise Fotos von gemeinsamen Bowling- und Kneipenabenden. Sein Plan: Der 24-Jährige will die Mitgliederzahl der AfD-Hochschulgruppen weiter steigern. „Ich versuche durchaus, Strukturen aufzubauen.“ Nach Münster plane er als Nächstes, in Siegen eine Gruppe zu etablieren. Schritt für Schritt will er so die Universitäten in NRW erobern.

Beitragsbild: Megan Bogatzki