Mehr BAföG und 300-Euro-Stipendien für Studenten

Ein Stipendium für jeden Zehnten und zwei Prozent mehr BAföG für alle. So soll das Studium ab dem kommenden Wintersemester finanzierbarer werden. Den passenden Beschluss dazu hat die Bundesregierung am heutigen Mittwoch verabschiedet, allerdings nicht ohne Kritik. Mitunter kam die sogar von denen, die eigentlich vom neuen Gesetz profitieren sollten – den Studenten selbst.

Seit heute Morgen ist es beschlossene Sache.  Etwa jeder zehnte Student soll zukünftig ein Stipendium erhalten – bisher waren es zwei bis drei Prozent. Gleich 300 Euro soll der Geförderte monatlich bekommen, wobei das eigene Vermögen bei der Vergabe keine Rolle spielt. Kriterien sind stattdessen gute Noten, Begabung und gesellschaftliches Engagement.

Firmen sind skeptisch, das geforderte Geld aufbringen zu können. Foto: Margot Kessler, pixelio.de

Unternehmen sind skeptisch, das geforderte Geld aufbringen zu können. Foto: Margot Kessler, pixelio.de

Woher kommt das Geld für die Stipendien?

Bis jetzt werden Stipendien größtenteils aus öffentlicher Hand finanziert, doch das soll sich mit dem neuen Programm ändern. 150 Euro zahlt der Staat pro Stipendium selbst. Für die andere Hälfte sollen private Unternehmen aufkommen. So ist jedenfalls der Plan. Die deutsche Wirtschaft zeigt sich skeptisch und will noch keine finanziellen Zusagen machen – geht es doch immerhin um voraussichtlich 300 Millionen Euro. „Überzogen“ nennt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber die Forderung in einem Bericht des „Handelsblatt“ und sieht die Finanzierung von Stipendien nicht als „originäre Aufgabe von Unternehmen.“

Kritik von Studenten selbst

„Ich weiß auch nicht was ich davon halten soll, dass das eigene Einkommen gar keine Rolle bei der Vergabe spielt. Viele hätten das Geld sicher nötiger, als andere“, mutmaßt eine Studentin beim Mittagessen in der Mensa. Und selbst die potentiellen Empfänger des Geldgeschenks denken teilweise nicht anders und äußern das sogar. Spiegel-Online berichtet über eine Petition von Stipendiaten, die schlicht und einfach nicht mehr Geld haben wollen, als sie schon bekommen. Sie halten es für völlig unangemessen, künftig ganze 220 Euro auf ihre gewohnten 80 Euro Büchergeld draufzukriegen. 3.717 Unterschriften erzielte die Petition immerhin. Es genügte jedoch nicht, die Regierung zum Umdenken zu bewegen.

Gesine Agena, die Bundessprecherin der Grünen Jugend hält das Stipendien-Programm für unsozial.

Gesine Agena, die Bundessprecherin der Grünen Jugend hält das Stipendien-Programm für unsozial.

Den Beschluss scharf kritisiert hat auch die Grüne Jugend. Bundessprecherin Gesina Agena bemängelt, dass nicht alle Studenten gefördert würden, sondern nur solche, „die oft sowieso schon auf der Gewinnerseite unseres exklusiven Bildungssystems stehen.“

Zwei Prozent mehr Bafög

Doch die Regierung hat heute nicht bloß das Stipendien-Programm auf den Weg gebracht: „Das ist nun die zweite BAföG-Erhöhung unter Bundesbildungsministerin Schavan, und das bei schwierigster Lage des Bundeshaushalts und inmitten einer Wirtschafts- und Finanzkrise“, freut sich  Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des deutschen Studentenwerks. Ab dem Wintersemester 2010/2011 soll der Höchstsatz von 648 auf 670 Euro angehoben werden. Das ist die zweite Erhöhung innerhalb von zwei Jahren. Bereits 2007 hat die Bundesregierung den Höchstsatz um zehn Prozent erhöht, weshalb das Studentenwerk nun auf regelmäßige Erhöhungen hofft.

Mehr BaföG für mehr Studenten

Auch die Elternfreibeträge sollen um drei Prozent steigen. 50.000 mehr Studenten können laut Bildungsministerin Annette Schavan dadurch auf BAföG-Förderung hoffen. Das ist allerdings noch nicht alles: Auch ältere Studenten profitieren von den Änderungen. Wer sich bis zum 35. Lebensjahr für ein Masterstudium entscheidet, kann nun staatliche Förderungen erhalten. Vorher lag die Grenze bei 30 Jahren.

Insgesamt werden die BAföG-Änderungen laut Bildungsministerium etwa 373 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr verursachen.

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