Die Tür zum Stipendium

Stiftungen gibt es viele - aber welche ist die Richtige?

Stiftungen gibt es viele - aber welche ist die Richtige?

Eine „kleine Revolution“ soll es sein. So sagte es Gerhard Roth, Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes. Was verleitet den Präsidenten der ältesten deutschen Studienstiftung zu solchem Enthusiasmus? Es ist das neue Aufnahmeverfahren, das die Stiftung 2010 eingeführt hat: Erstmals sind Stipendien-Bewerber nicht mehr auf Empfehlungen durch Professoren oder Lehrer angewiesen. Stattdessen dürfen sie sich selbstständig über einen Auswahltest bewerben. Eine Revolution? Zumindest in Berlin spricht man davon.

Zuvor hatte eine Untersuchung alarmierende Zahlen zutage gebracht: Nur zwei Prozent aller deutschen Studenten werden in einer Stiftung gefördert. Arbeiterkinder, für die die Plätze eigentlich gedacht waren, kommen am schlechtesten weg. Nun soll gehandelt werden. „Jeder zehnte Student soll künftig in einer Stiftung sein“, sagt Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Chancen für einen der begehrten Plätze stehen also besser denn je. Aber wer am Ende erfolgreich sein will, muss sich im Stiftungsdschungel auskennen.

Viele Möglichkeiten – aber welche passt zu mir?

Bevor überhaupt der erste Auswahltest oder das erste Gespräch wartet, gibt es für den Bewerber eine Menge Hürden zu bewältigen. Denn die Auswahl an Stipendien ist groß.

Nicht nur das Geld muss stimmen. Auch das Drumherum ist wichtig.

Nicht nur das Geld muss stimmen. Auch die Veranstaltungen sind wichtig.

Wer Pech hat, landet beim falschen Angebot. Bei richtigen Entscheidungen dagegen kann man mitunter groß absahnen. Die wichtigste Frage lautet also: Zu welcher Stiftung passe ich – und welche Stiftung passt zu mir? Wir stellen die wichtigsten Stiftungen vor.

Studienstiftung des deutschen Volkes: Die größte und älteste deutsche Studienstiftung hat ein breit gefächertes Angebot, allerdings auch hohe Ansprüche. Wer nicht von einem Professor oder Lehrer vorgeschlagen wurde, muss durch den Auswahltest – und der hat es in sich (siehe unten). Nach dem Test folgen Gespräche und Auswahlrunden, zudem wird wie üblich soziales Engagement gefordert. Wer es durch alle Auswahlrunden geschafft hat, kann indes von  umfangreichen Angeboten profitieren: Persönliche Beratung durch einen Vertrauensdozenten, Praktikantenprogramme, Auslandsstipendien und Sommerakademien, dazu ein wichtiges Netzwerk mit Kontakten und natürlich finazielle Unterstützung, abhängig vom Elterneinkommen. Zusätzlicher Vorteil: Im Gegensatz zu den politischen Stiftungen gibt es keine ideellen oder religiösen Vorgaben. „Die große Besonderheit liegt darin, dass wir unabhängig sind“, sagt Pressesprecherin Cordula Avenarius.

Alleskönner gesucht? Viele Bewerber haben Sorge vor den Auswahlverfahren.

Alleskönner gesucht? Viele Bewerber haben Sorge vor den Auswahlverfahren.

Die politischen Stiftungen: Die parteinahen Studienstiftungen gibt es für alle großen Parteien. Im Einzelnen sind das: Die Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), die Heinrich-Böll-Stiftung (die Grünen), die Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP) und die Rosa-Luxemburg-Stiftung (die Linke). Obwohl keine der Stiftungen Parteimitgliedschaft vorschreibt, sind die Erwartungen an die politische Einstellung deutlich. Wer sich einer Partei verbunden fühlt, ist hier richtig aufgehoben. Vor allem politisches und soziales Engagement wird belohnt und geht stärker in die Wertung ein als bei der Studienstiftung. Weiterer Vorteil: Zur Bewerbung braucht man weder Empfehlung noch Aufnahmetest. Die späteren Runden sind allerdings nicht zu unterschätzen, denn um Wissen kommt man auch hier nicht herum. Die Angebote der Stiftungen sind umfangreich und unterscheiden sich etwas je nach Ausrichtung der Partei. Kontaktvermittlung, Wissensveranstaltungen und persönliche Beratung werden überall geboten.

Die Landesstiftungen: Eine Chance, auch ohne Test und Auswahlgespräch zum Stipendium zu kommen, bietet sich bei der Landesstiftung von NRW. Das Prinzip ist hier ein anderes als bei den übrigen Stiftungen: Die Stiftung bietet keine Kontakte und Veranstaltungen, sondern „nur“ finanzielle Unterstützung an. Das ist vor allem sinnvoll, wenn es mit der Bewerbung bei den anderen Stiftungen nicht geklappt hat. Die Höhe des Geldbetrags ist für alle gleich und liegt bei 300 € pro Monat. Großer Vorteil: Den Stipendiaten erwarten keinerlei Pflichten. Einzige Voraussetzung ist ein guter Abischnitt.

Bewerbung fertig – und jetzt? Tipps und Tricks fürs Auswahlgespräch

Viel Auswendiglernen? Eher Lebenslauf kennen, sagen Stipendiaten. Foto: Siola Panke

Viel Auswendiglernen? Eher Lebenslauf kennen, sagen Stipendiaten. Foto: Siola Panke

Sich für die richtige Stiftung zu entscheiden ist eine Sache. Dort angenommen zu werden aber ist etwas ganz anderes. Natürlich ist Glück dabei: Der richtige Prüfer, die richtigen Themen, die richtigen Fragen. Aber wer sich gut vorbereitet und ein paar Kniffe kennt, kann seine Chancen deutlich steigern. Wir haben Stipendiaten und Bewerber nach ihren Erfahrungen gefragt.

Natürlichkeit hilft

Die Kernaussage ist bei allen Befragten erstaunlich übereinstimmend: Man sollte sich so geben, wie man ist. Viele Bewerber scheitern, weil sie versuchen, sich besonders hochgestochen auszudrücken oder intellektueller zu geben, als sie sind. „Dabei suchen die Stiftungen vor allem natürliche Leute“, sagt Journalistik-Student Jannik. Er ist Stipendiat bei der Studienstiftung des deutschen Volkes. „Die Prüfer wollen jemanden mit interessantem Charakter. Die wollen dich kennenlernen, wie du bist.“ Trotz der Stress-Situation sollte man versuchen, ruhig zu bleiben. TU-Studentin Miryam bringt es auf eine einfache Formel: „Man sollte nicht intelligent tun. Man sollte intelligent sein.“

Lebenslauf kennen

Natürlich sind die Sorgen eines Bewerbers damit noch lange nicht gelöst. Die meisten Gedanken drehen sich um die Befragung selbst. Was wollen die von mir hören? Kann ich die Fragen beantworten? Und: Was fragen die da eigentlich? Auch hier ist die Antwort unserer Befragten überraschend. „Es wird wenig Allgemeinbildung gefragt. Da braucht man sich keine Sorgen zu machen“, sagt TU-Studentin Melanie. „Das wichtigste ist der Lebenslauf. Den sollte man absolut drauf haben.“ „Wenn ich im Lebenslauf angebe, dass ich Fußball mag, stellen die ganz konkrete Fragen über Fußball“, ergänzt Jannik.

Außerdem unverzichtbar: Die Geschichte der Stiftung. „Wenn man sich bei der Heinrich-Böll-Stiftung bewirbt, sollte man wissen, wer Heinrich Böll war“, sagt Miryam. Wer sich gründlich informiert und präzise formuliert, ist auf der sicheren Seite. Wenn tatsächlich mehr Stipendiaten gesucht werden, stehen die Chancen gut, den Traum vom Stipendium zu verwirklichen. Teil einer kleinen Revolution? Klingt jedenfalls nicht schlecht.

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