Kommentar: Warum der digitale Wandel an Hochschulen ein positiver Trend ist

 

Multimediale Räume verdrängten manuelle Karteikarten, Anmelde- und Wartelisten. Die digitale Revolution hat nun auch vollständig eine der ältesten und traditionellsten Institutionen der Welt erreicht. Die Suchmaschine Google, elektronische Datenbanken und Lernplattformen wie Moodle und die Vernetzung über Apps stellen einen selbstverständlichen Teil unseres Alltags dar. Doch wie viele ihrer Traditionen haben Universitäten aufgrund des digitalen Wandels bereits einbüßen müssen?

Alphabetische Karteikästen dienten früher als „Suchmaschinen“ für Literatur. Sie füllten oft ganze Wände. Foto: brandbook.de lizenziert nach Creative Commons 2.0 Generic

Die Universität: eine klassische Einrichtung, die sich dem technologischen Fortschritt unterwirft. Kaum eine Institution hat so viele Jahre auf dem Buckel wie die europäische Hochschule. Demnach ist es auch nicht verwunderlich, dass die Einführung der neuen Medien eine gravierende Zäsur in die Geschichte der höheren Bildung schlug. Was sich bisher auf das Weiterreichen von traditionellen Werten und dem Einhalten seit Jahrhunderten tradierter Strukturen beschränkt hatte, musste dem Neuen, Dynamischen und sich ständig Verändernden weichen. Im Jahre 2017 gehört das Internet so selbstverständlich zum Alltag eines jeden Studenten dazu, dass die Möglichkeit, in einer Welt zu leben, in der das Internet nicht existiert, wie ein abstrakter Albtraum wirkt.

Digitalisierung – eine Absage an traditionelle Werte?

Trotz aller Vorteile gibt es auch kritische Stimmen. Das Bestellen von Literatur ist in einem derartigen Maße vereinfacht worden, dass ein eigenständiges Suchen nach wissenschaftlichem Material überflüssig wird und elektronische Medien Bücher verdrängen. Somit ist die Sorge, die Universität könne ein wichtiges Gut – das gedruckte Wort – einbüßen, erwacht.

 Rechenschieber, überfüllte Flure, Karteikarten

Ein durch moderne Technologie überholter Rechenschieber. Foto: Flickr.com/pittigliani2005 lizenziert nach Creative Commons 2.0 Generic

 Auch wenn es uns nicht immer gefallen mag, dass das Internet traditionelle Formen der Kommunikation verdrängt, muss man die Wahrheit, dass unser Leben durch den digitalen Schub um viele Schritte einfacher geworden ist, anerkennen.  Bevor es die moderne Technologie gab, mussten Studierende alles schriftlich festhalten. Kein Vorlesungsmaterial konnte auf Plattformen wie dem E-Learning- Workspace (EWS) oder dem heutigen Moodle festgehalten werden. Um sich für eine Prüfung anmelden zu können, musste sich der Student von gestern stundenlang vor dem Sekretariat anstellen. Die Prüfungsergebnisse wurden nicht im privaten Bereich eines elektronischen Systems, wie in unserem BOSS-System, veröffentlicht. Stattdessen mussten unsere prä- digitalen Kommilitonen auch hier oft lange warten und sich in überfüllten Fluren vor Notenlisten drängeln. Heute können wir diese problemlos auf unserem Smartphone abrufen.

Die UB im digitalen Wandel

1969: Die UB verabschiedet sich von analogen Nutzungsmitteln und führt ein erstes IT-gestütztes Verleihsystem ein. 

1970-1980: Die TU digitalisiert sich zunehmend. 1972 wurde die Fakultät für Informatik immer stärker ausgebaut. Die ersten Rechner erschienen. 

1990- 2000: Das Internet wird aktiviert. Die ersten Fernleihen können online durchgeführt werden.

1995: Die UB kann ihren Nutzern Auskunft per E-Mail erteilen. Das Internet wird zum Alltagswerkzeug. 

2001: Das interaktive Programm „Auskunft online“ stellt Informationen per Chat zur Verfügung. 

2004: Der Chatbot „Askademikus“ geht online. 

Wer Student der Mathematik, Informatik der Naturwissenschaften ist sollte sich auf alle Fälle über die Tatsache freuen, dass der digitale Fortschritt stattgefunden hat. Denn bevor es Taschenrechner und Computer gab, mussten mathematische Aufgaben auf einem Rechenschieber verrichtet werden, der nur eine begrenzte Anzahl an Funktionen bot und umständlich zu bedienen war. Auch können wir Studenten im Jahre 2017 uns gar nicht vorstellen, wie kompliziert das Verfassen einer Seminararbeit ohne die Hilfe des Schreibprogramms Word im Jahre 1970 gewesen ist: Umständlich musste Papier in eine Schreibmaschine eingelegt werden, bevor man überhaupt mit der Arbeit beginnen konnte. Und Fehler waren nicht so einfach löschbar. 

Die moderne Technik ist ein Segen! 

Die Kritiker der digitalen Revolution können also schweigen, denn niemand würde sich heute noch durch dicht mit Kommilitonen gefüllte Gänge quetschen wollen, um seine Note abzulesen, wenn er dies blitzschnell mit seinem Handy verrichten kann. Genauso wenig wollen wir mit einem Rechenschieber hantieren oder uns mit einer Schreibmaschine abmühen, wenn wir doch unsere Laptops haben. Wir können uns also freuen, im 21. Jahrhundert leben zu dürfen!

Beitragsbild: TU Dortmund