Weihnachten weltweit – Wie feiern andere Länder?

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Andere Länder – andere Sitten. Selbst innerhalb Europas unterscheiden sich die Bräuche zu Weihnachten immens. Nicht immer bringt der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke. In Italien ist es dem Volksglauben nach zum Beispiel die Hexe Befana. In  Schweden bringt der Jultomten die Geschenke. Wir haben für euch die Bräuche und Sitten einiger Länder zusammengefasst.

Bunte Weihnachten auf die englische Art
Die Engländer lieben Weihnachten und jedes Jahr schmücken sie ihre Wohnzimmer mit vielen Girlanden und Luftschlangen. An Heiligabend, dem „Christmas Eve“ gibt es in England ein Festessen. Natürlich muss zu diesem Anlass auch der Tisch festlich geschmückt werden. Oftmals werden die Teller sogar mit kleinen Hütchen und Tröten dekoriert und bunte Luftschlangen verschönern die Wohnung. Wenn man solch einen dekorierten Tisch sieht, denkt man in Deutschland eigentlich eher an Karneval oder an eine Geburtstagsfeier. Zum Festmahl gibt es häufig einen Truthahn und Plumpudding, ein Kuchen aus Rosinen und Nüssen, in dem eine Münze versteckt wird. Der Glückliche, der die Münze in seinem Plumpudding findet, darf sich etwas wünschen. Nach dem Essen gehen alle ins Wohnzimmer und spannen ein Seil auf. An dieses Seil werden dann Socken gehängt. Denn der Weihnachtsmann, den sie „Father Christmas“ nennen, kommt nach der englischen Tradition erst in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember: Demnach schleicht er sich nachts, wenn alle schlafen, in die Wohnzimmer und packt die Geschenke in die Socken.
Das Julfest in Schweden
Weihnachten in Schweden. Foto: Flickr/Pirmin Walker

Weihnachten in Schweden. Foto: Flickr/Pirmin Walker

In Schweden wird in der Weihnachtszeit das Fest der Heiligen Lucia gefeiert, an dem sich die Mädchen als Lucia verkleiden. Weihnachten wird in Schweden „Julfest“ genannt. Anders als bei uns dauert das Fest ziemlich lang: Es beginnt am ersten Advent und endet erst im nächsten Jahr, am 13. Januar. In Schweden ist der 13. Dezember ein sehr wichtiges Datum, denn dieser Tag ist der Tag der Heiligen Lucia. Die Heilige Lucia wird auf Bildern immer mit einem Kranz auf dem Kopf dargestellt, auf dem auch Kerzen befestigt sind. Sie hat die Aufgabe, Licht ins Dunkel zu bringen. In Skandinavien ist es im Winter fast den ganzen Tag dunkel, daher werden schon zur Adventszeit viele Kerzen und Lichterketten verwendet. Auch in Schweden wird der Weihnachtsbaum mit vielen Lichtern geschmückt und selbst gebastelte Strohpuppen und Gebäck werden am Baum aufgehängt. Der Heilige Abend ist, ebenso wie bei uns, der wichtigste Tag der Weihnachtszeit. Das schwedische Festtagsessen besteht oft aus Schweinfußsülze, Reisbrei und Fisch in Cremesoße. Nach dem Essen werden die Kerzen an dem Weihnachtsbaum angezündet und es findet die Bescherung statt. In Schweden werden die Geschenke vom „Jultomten“, dem schwedischen Weihnachtsmann, gebracht. Danach geht die ganze Familie zur Mitternachtsmesse. Am 13. Januar feiern dann die Erwachsenen das Ende der Weihnachtszeit mit viel Julbier.

Advent als Zeit des Fastens in Polen
In Polen beginnt die Weihnachtszeit mit dem ersten Advent und mit ihr die Fastenzeit. Erst am Heiligabend endet diese Fastenzeit für die Polen mit einem Festmahl, das aber erst beginnt, wenn der erste Stern am Himmel zu sehen ist. An diesem Abend wird ein Gedeck mehr auf den Tisch gelegt. Es ist ein Zeichen der Gastfreundschaft, denn falls unterwartet Besuch auftauchen sollte, ist man auf diese Situation vorbereitet und der Gast fühlt sich sofort willkommen. Bevor aber mit dem Essen begonnen wird, teilt jeder seine Oblate, die auf dem Teller liegt, mit den anderen am Tisch. Dabei wünscht man sich gegenseitig nur das Beste für das nächste Jahr. In Polen besteht das Festmahl an Weihnachten aus zwölf Gerichten. Jedes Gericht steht für einen der zwölf Apostel von Jesus. An diesem Abend gibt es nur Fisch und Gemüse – anders als in vielen anderen Ländern wird kein Fleisch serviert. Zum Nachtisch gibt es meistens einen Käsekuchen, der Sernik genannt wird. Nach dem Essen werden die Geschenke ausgepackt und man geht gemeinsam zur Mitternachtsmesse.
Befana, die Dreikönigshexe in Italien
Die Hexe Befana. Foto: Flickr/Enrico

Die Hexe Befana. Foto: Flickr/Enrico

In einigen Regionen Italiens ist der Brauch der Dreikönigshexe Befana verbreitet. Die Geschenke werden dann nicht vom Weihnachtsmann oder Christkind gebracht, sondern von dieser Hexe. An Heiligabend kommt die ganze Familie zusammen und sie feiern und essen gemeinsam. Nach dem Festmahl gehen auch sie in die Mitternachtsmesse. Anders als zum Beispiel in Deutschland gibt es keine Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Nur die Krippe darf unter dem Baum aufgebaut werden. Ebenso wie in Spanien müssen sich auch die Italiener mit der Bescherung etwas gedulden – am 24. oder 25. Dezember gibt es nämlich auch in diesem südeuropäischen Land meistens noch keine Geschenke. Die Präsente werden am 6. Januar, dem Dreikönigstag, ausgepackt. Laut traditionellem Glauben ist die Hexe Befana in der Weihnachtsnacht viel zu spät losgegangen und hat daher den Stern verpasst, der sie zur Krippe hätten führen sollen. So konnte sie den Weg nicht finden und irrt immer noch umher, um die Krippe zu suchen. Sie gibt die Hoffnung aber nicht auf, bringt jedem Haus Geschenke und hofft, durch einen glücklichen Zufall auf das Christkind zu treffen. In einigen Regionen Italiens hat sich aber mittlerweile auch die Tradition von Weihnachtsmann und Christkind durchgesetzt.

Argentinien
Wie in vielen südlichen Ländern müssen die meisten Argentinier mit einem künstlichen Weihnachtsbaum vorlieb nehmen, dieser wird dann allerdings meistens schon am 8.Dezember in der Wohnung platziert. Höhepunkt ist wie bei uns der 24. Dezember, an dem das Festtagsessen meist aus Rind- und Schweinefleisch besteht. Ein ganz besonderes Schmankerl ist der sogenannte “Pan Dulce”, der süße Weihnachtskuchen. Geschenke gibt es allerdings erst am Dreikönigstag: Da stellen die Kinder ihre Schuhe unters Bett, damit die drei Weisen auf ihrem Weg nach Bethlehem Süßigkeiten hineinlegen können.
Wie feiert der Vietnam?
 Die Hauptreligion in Vietnam ist der Buddhismus. Seit der französischen Kolonialzeit gibt es auch eine bedeutende christliche Minderheit und so wird natürlich auch in Vietnam Weihnachten gefeiert. In der Tat zählt das Weihnachtsfest, das Chung Mung Guiang Sinh genannt wird, im heutigen Vietnam zusammen mit Buddhas Geburtstag zu den bedeutendsten Feierlichkeiten des Landes. Das Brauchtum entspricht dabei in weiten Teilen den mitteleuropäischen Sitten. An Heiligabend besuchen die Christen die Mitternachtsmesse. Danach gibt es ein Familienmahl, das allerdings zumeist nur aus einer Hühnersuppe besteht. Nur die reicheren Familien können sich einen richtigen Weihnachtsbraten leisten. Auch der Nikolaus und der Weihnachtsbaum sind den vietnamesischen Christen vertraut. Außerdem stellen die Kinder an Heiligabend ihre Schuhe vor die Haustür, um darin am nächsten Morgen ihre Geschenke zu finden.
Weiße Weihnachten in Australien
In Down-Under feiert man genauso großzügig und besinnlich wie die Deutschen. Nur mit dem großen Unterschied, dass dort bei 35 Grad geschwitzt wird. Mit der weißen Weihnacht meinen die Australier allerdings die weißen Strände. Das ganze Land wird feierlich dekoriert, in den Alleen werden die Bäume bunt geschmückt, die Familien behängen ihre gekauften Plastiktannen mit Weihnachtskugeln und die Vorgärten sowie die Hauswände werden ganz im amerikanischen Stil in Weihnachtsoasen verwandelt. Ähnlich wie in Deutschland sind die Supermärkte und Kaufhäuser sehr weihnachtlich gestaltet und alle befinden sich ein paar Tage vor dem Fest in bester Shopping-Laune. Wie in England findet die Bescherung in Australien am Morgen des 25.Dezember statt. Hier wird die Legende von Santa Claus, der über Nacht durch den Schornstein klettert und die Geschenke in die Wohnzimmer bringt, am Leben gehalten. Der zweite Weihnachtstag wird auf dem 5. Kontinent „Boxing Day“ genannt und ist dafür bekannt, dass viele Familien in ihren Sommerurlaub fahren, der meist exakt einen Monat später mit dem australischen Nationalfeiertag endet.

Weihnachtlich geschmückte Mall in Australien. Foto: Flickr/frank

Weihnachtlich geschmückte Mall in Australien. Foto: Flickr/frank