Jede Fünfte kommt aus Dänemark

Weihnachtsbaum_Kopenhagen_Sine1Zwar kommt die Tradition, an Weihnachten einen Tannenbaum aufzustellen, ursprünglich aus Deutschland. Doch mit einem jährlichen Verbrauch von 24 Millionen Bäumen ist Dänemark ein großer Player im Weihnachtsbaum-Geschäft. Nicht wenige Deutsche greifen für ihr liebstes weihnachtliches Accessoire auf das kleine Nachbarland im hohen Norden zurück.

 “Fast jeder Deutsche möchte einen Tannenbaum haben. Dabei möchten sie sicher gehen können, auch pünktlich zum Fest einen zu bekommen”, sagt Hans Schulz, Geschäftsführer des dänischen Weihnachtsbaumunternehmens Green Team Group. ”Gibt es eine Sache, die zum Fest der Liebe nicht fehlschlagen darf, ist das der Weihnachtsbaum.” Als einer der größten von rund 3.000 Weihnachtsbaumproduzenten in Dänemark kennt Schulz den deutschen Markt gut. Und der ist nicht unwichtig für die Dänen. 

Größter Exporteur Europas

”Der deutsche Markt macht 25 Prozent unseres Umsatzes aus”, sagt der Geschäftsführer,” und betrachtet man den Verbrauch pro Einwohner, ist Deutschland sogar unser größter Markt”. Die genauen Zahlen will er nicht bekanntgeben. Doch zwischen 400.000 und 600.000 Bäume nähmen die Deutschen jedes Jahr ab. 

Insgesamt kauften die Deutschen laut Schulz 24 Millionen Tannenbäume pro Jahr. Etwa 5,3 davon kommen aus Dänemark. Gut 12 Millionen Weihnachtsbäume werden hier herangezogen, bis sie breite, dichte und am besten kerzengerade Tannen geworden sind. Zehn Millionen würden davon laut Hans Schulz exportiert – was Dänemark zum größten Weihnachtsbaumexporteur Europas macht. Deutschland selbst produziere rund 15 Millionen Christbäume.

Nordmanntannen als Ideal

Betrachtet man den Verbrauch pro Kopf, ist Deutschland Dänemarks größter Abnehmer von Weihnachtsbäumen.

Die dänischen Produzenten haben ihre deutschen Kunden in den vergangenen 20 Jahren gut kennengelernt. Durch Marktanalysen und die eigene Erfahrung weiß Hans Schulz genau, was die Deutschen wollen. “Tannenbäume sind eine Mischung aus Gefühlen und Tradition. Deswegen ist es einfach wichtig, dass wir die Produkte anbieten, die den Wünschen unserer Kunden entsprechen,” erzählt Hans Schultz. Und dann beschreibt er die ideale deutsche Weihnachts-Tanne: “Vor allem wünschen sich die Deutschen Nordmanntannen, die die Tannennadeln nicht verlieren. Außerdem mögen sie wohlgeformte Bäume mit der klassischen symmetrischen Pyramidenform, sodass die Weihnachtsschmuck hängen kann,” sagt er. 

Der Wunschbaum unterscheidet sich je nach Bundesland. ”Tatsächlich ist es so, dass je weiter man in den Süden kommt, desto höher, breiter und dichter müssen die Bäume sein müssen”, sagt Hans Schulz. ”In Norddeutschland hingegen mögen die Menschen ihre Tannen wie Schweden, Dänemark und Norwegen: höher und schlanker.” Im Ruhrgebiet, so sagt der Christbaum-Experte, soll der Baum eher kleiner sein. Dort seien die Wohnungen und Häuser einfach kleiner, vermutet er. ”Dann passen vielleicht die hübsch-kleinen Bäume besser”, lacht Schulz.

Samen aus Georgien

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In Reih und Glied: Eingenetzt werden die Bäume exportiert – daheim sollten sie schnell befreit werden, damit sie sich entfalten können.

 Doch nicht nur in Dänemark wachsen die kleinen Tannen zu großen Weihnachtsbäumen heran. Die Samen werden zuerst in Georgien abgeholt. Danach keimen sie in einer Baumschule in Dänemark und wachsen später hier, in Deutschland oder in Polen weiter. Etwa sieben bis neun Jahre dauert es – je nach Wunschgröße – bis die Bäume reif dazu sind, in unsere Wohnzimmer einzuziehen.

 Viele der Bäume mit dänischen Wurzeln werden in deutschen Baumärkten wie zum Beispiel Obi oder auch bei Ikea verkauft. Ungefähr eine Woche vor dem Fest wird es dann für die meisten Menschen Zeit, ihren Tannenbaum zu kaufen und sicher nach Hause zu bringen.

Trend „Zweitbaum“

”Manche Leute kaufen sich auch schon Anfang Dezember einen Baum”, sagt Hans Schulz, ”und die Tendenz geht bei mehr und mehr Familien zum Zweitbaum”. Aufgrund der wachsenden Zahl von Singlehaushalten sei die Nachfrage nach Weihnachtsbäumen zurzeit besonders hoch. Doch Befürchtungen, man würde möglicherweise keinen mehr bekommen, seien Quatsch, vertröstet der Geschäftsführer.

 “Wir sind relativ flexibel in der Produktion, deswegen können wir, wenn es plötzlich keine Tannenbäume mehr in den Läden zu kaufen gibt, einfach mehr Bäume fällen”, sagt Hans Schulz. So muss niemand auf seinen festlich geschmückten Weihnachtsbaum verzichten – und die Tradition kann gewahrt werden.

 

Fotos: Claus Jerram Christensen

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