Rockband Nemo abgetaucht

Vor genau 25 Jahren fand auf dem Adenauer-Platz das erste Bochum Total statt. Einer der Top-Acts damals war Nemo: Eine junge, talentierte Gruppe auf dem Weg nach ganz oben. 25 Jahre später ist das kleine Bochum Total ein gigantisches Festival. Und Nemo ist in der Versenkung verschwunden. Anlässlich des 25. Bochum Total fragen wir: Wo ist Nemo?

Die fünfköpfige Band Nemo. Im Vordergrund: Frewer.

Die fünfköpfige Band Nemo. Im Vordergrund Bertram Frewer. Foto: Bandarchiv.

Bertram Frewer sitzt in seinem Büro. Es ist klein, mit Blick auf den Musikschulvorhof. Aus den anliegenden Räumen klingen durchdringend Instrumente. Im Zimmer des Kulturbeauftragten Frewer hängen Bilder. „Das ist Nemo“, sagt Frewer. Er erinnert sich gern an früher. Mit seiner Band befand sich der Gitarrist in den 80ern auf einem Höhenflug. Eines der eindrücklichsten Erlebnisse hatten sie 1986, beim ersten Bochum Total. „Keiner wusste vorher, wie das Festival angenommen wird“, erinnert sich Frewer. „Und dann war plötzlich der ganze Konrad-Adenauer-Platz voll von Leuten. Alle waren gekommen, um Nemo zu sehen. Leute von anderen Bands kamen, um uns zuzugucken. Es war ein riesiger Hype.“

Rasanter Aufstieg

Die Show bildete den Höhepunkt eines rasanten Aufstiegs. 1981 bekam die talentierte Rockband ihren ersten Plattenvertrag, bald darauf brachten sie die erste Single raus. „Es ging steil bergauf“, erzählt Frewer. „Wir haben mit den Großen der Neuen Deutschen Welle gespielt. Wir waren Vorband von Herbert Grönemeyer, Ulla Meineke, Richard Wester. Und jeder dachte: Jetzt geht es richtig ab.“ Das dachten sie auch in Bochum. Das kleine Studentenfestival bejubelte Nemo.

Bochum Total ist gewachsen. Aber Nemo wuchs nicht mit. Foto: Bochum Total Archiv.

Bochum Total ist gewachsen. Nur Nemo wuchs nicht mit. Foto: Bochum Total Archiv.

In den folgenden Jahren kam Nemo immer wieder nach Bochum. Sie mochten die familiäre Atmosphäre, sie verstanden sich gut mit den Organisatoren. Doch etwas veränderte sich. Bochum Total wuchs. Immer größere Bands kamen, immer mehr Publikum strömte herbei. Nur Nemo wuchs nicht mit. „Da war ein Bruch“, sagt Frewer. „Ein Knick.“ Kurz zuvor hatte eine große Plattenfirma bei ihnen angefragt. Bertram Frewer und seine Freunde hatten sich große Hoffnungen gemacht: Der endgültige Durchbruch schien kurz bevorzustehen. Doch die Firma meldete sich nie wieder. Die Enttäuschung machte Nemo schwer zu schaffen. Plötzlich ging alles ganz schnell: Der alte Plattenvertrag wurde nicht verlängert, auf einmal stand Nemo ohne alles da. Die Band verschwand langsam in der Versenkung. 1992 folgte die Auflösung.

Enttäuschender Fall

Noch heute zeichnet sich bei Bertram Frewer die Enttäuschung ab. Damals brach für ihn eine Welt zusammen. „Ich war total enttäuscht. Ich wollte immer Rockstar werden.“ Mittlerweile hadert er nicht mehr mit dem Schicksal: „Ich glaube, wir hatten letztlich nicht das Format, durchzustarten. Wir waren eher ein Haufen kreativer Musiker. Jeder wollte nur sich selbst realisieren.“ Obwohl Frewer kein Rockstar wurde, ist er dem Musikgeschäft treu geblieben: Er arbeitet als Festival-Organisator im Kulturbüro. „Ich bin nicht unglücklich. Ohne meine Musikkarriere wäre mein heutiger Job doch gar nicht möglich.“

Inzwischen spielt Nemo wieder zusammen. Foto: Bandarchiv.

Ein bisschen wie damals: Inzwischen spielt Nemo wieder zusammen. Foto: Bandarchiv.

Inzwischen trifft er sich wieder mit den Kumpels von Nemo. Sie wollen nochmal was zusammen machen, aber sie kommen nicht dazu. Frewer hat viel zu tun. Er organisiert Festivals für die Stadt. Sein wichtigstes Projekt ist ein alter Bekannter: Bochum Total. Diesmal ist Frewer im Hintergrund tätig. Er kümmert sich um Sicherheit und Organisation. Doch noch immer fasziniert ihn das Leben auf der Bühne. „Ich sehe die Begeisterung der jungen Bands. Wenn die Atmosphäre gut ist, geben die Künstler alles. Wer sowas erlebt hat, weiß, was ich meine.“ Frewer hat es erlebt. Wenn er die Möglichkeit hätte, würde er heute wieder auftreten. Mit Nemo, selbstverständlich.

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