Festival braucht Nachwuchs

Vor 23 Jahren haben Studierende der Ruhr-Universität das „Bochumer Videofestival“ ins Leben gerufen. Im letzten Jahr fiel es erstmals aus. Das Problem: Der Nachwuchs fehlt. Ein Jahr lang das Studium schleifen zu lassen, um ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen – das scheint den meisten Studierenden heute zu viel zu sein. Ein erstes Treffen von Freunden, Helfern und Mitorganisatoren des Festivals fand am 30. November in der Rotunde statt. Die Frage: Wie geht es weiter?

Die Rotunde öffnet ihre Türen für das Festival

Die Rotunde öffnet ihre Türen für das Festival, Foto: Nele Posthausen

Es ist stockdunkel auf dem Parkplatz vor der Bochumer Rotunde. Ein, zwei zögerliche Gestalten laufen in Richtung des hell erleuchteten Eingangs. Schon von außen sind die knallroten Stühle darin zu sehen. 35 Stück stehen in der Haupthalle des ehemaligen Bahnhofs. Ein etwas überdimensionierter Stuhlkreis.

„Ich will erstmal Infos sammeln und schauen, wie das mit dem Internationalen Videofestival Bochum weiter geht“, sagt Sarah. Die 27-Jährige hat bereits im Stuhlkreis platzgenommen und blickt noch etwas unsicher in die Runde. Über eine Kommilitonin hatte sie von der öffentlichen Einladung zur Diskussion über den Fortgang des Videofestivals gehört. Sarah ist noch offen, indem was sie beitragen möchte: „Mal schauen, was man bei dem Festival tun kann. Ich würde gerne was mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit machen.“

Videofestival soll wieder auferstehen

Bevor Sven Sappelt als erster das Wort ergreift, werden die Stühle näher zusammen gerückt: „Sonst muss man so schreien.“ Sven Sappelt ist Mitglied des C60 Collaboratoriums, eine noch sehr junge Initiative, die sich gegründet hat, um zeitgenössischer Kunst in Bochum Raum und Geld zu verschaffen. Sie ist aus Mitgliedern der Ruhr-Universität gebildet worden und arbeitet nun Hand in Hand mit der Stadt Bochum und dem Bochumer Hochschulverbund „Univercity“. C60 will dem Videofestival Geld verschaffen und ihm Raum geben, wieder aufzuerstehen.

C60 nimmt Platz

C60 nimmt Platz, Foto: Nele Posthausen

„Das Videofestival hat eine lange Tradition in Bochum. 21 Mal hat es stattgefunden und im letzten Jahr stand es nun erstmals vor dem Problem, keinen Nachwuchs zu haben“, beginnt Sappelt. „Ich habe jetzt schon Befürchtungen herausgehört, dass das C60 das Videofestival irgendwie übernehmen wollte oder ähnliches. So ist es aber nicht. Seht uns als einen Partner. Weil wenn es hier niemanden gibt, der das Festival professionalisiert und verdichtet, wird hier irgendwann Schluss sein.“

Rotunde als möglicher Austragungsort

Diese Perspektive will Sven Sappelt mit der Runde erarbeiten. Er hat eine kleine Liste von Tagesordnungspunkten aufgestellt. Doch schon als nur die aktuelle Lage des Festivals dargelegt werden soll, entbrennt die Diskussion: „Wenn man sich anschaut, was jetzt gerade ist, dann ist das Festival ja tot.“ Und Jan von der Bochumer Rotunde bemängelt: „Es ist ja schön, was da bei dem Festival alles passiert, aber in der Stadt bekommt es keiner mit.“ Das Treffen findet nicht umsonst hier statt. Die Betreiber der Rotunde würden ihren alten Bahnhof gerne als Austragungsort sehen.

Als größtes Problem sehen die ehemaligen Leiter des Festivals, dass die neuen Leute einfach nicht so ambitioniert scheinen wie früher. Ob das am verschulten Bachelor liegt? „Jeder dritte Studierende an der Ruhr-Uni Bochum hat doch Burn-Out“, wirft jemand ein. „Aber wer beim Festival mithilft und sich ein Jahr voll engagiert, der kommt weiter, als der, der in drei Jahren seinen Bachelor durchzieht und hinterher keinen Funken Lebenserfahrung hat.“

Neue Perspektive suchen

Diskussionsrunde im roten Stuhlkreis

Diskussionsrunde im roten Stuhlkreis, Foto: Nele Posthausen

In der Runde sitzen mittlerweile 30 Liebhaber des Festivals. Die meisten haben eins der vergangenen Festivals mitgestaltet oder sogar geleitet. Sarah ist die einzige neue Interessentin. Mit dabei ist auch Heiko Jansen vom boskop, dem Bochumer Kulturbüro an der Universität. Zu Studentenzeiten war er selbst im Fachschaftsrat „Film- & Fernsehwissenschaften“ und hat die letzten Festivals tatkräftig unterstützt. „Der studentische Anschub der Veranstaltung ist wichtig“, findet Jansen. „Wir brauchen einfach eine neue Perspektive für das Festival.“

Die Diskussion dauert vier Stunden. Deutlich wird, dass keiner in der Runde ein Festival stemmen will, das nicht auch die Studierenden wollen. Anstatt wie geplant mögliche Termine oder sogar schon Deko und Parties des Festivals zu organisieren, bilden die Anwesenden eine „Taskforce“. Diese trifft sich in der kommenden Woche erneut und geht dann an die Uni. Mit Flyern und Infoständen wollen sie herausfinden, wie groß das Interesse eigentlich noch ist. Und dann bleibt für die Runde im roten Stuhlkreis zu hoffen, dass genügend Studierende noch die Leidenschaft aufbringen können und das Bochumer Videofestival zu reanimieren.

Einen Einblick, was bei so einem Festival rauskommen kann, gibt es vom 20. bis 30. November in der Rotunde. Der Gewinner des 19. Festivals, Rafaël, installiert seine Videoperformance „KYOULBOMYOELEUM“. Zehn Tage Videokunst live und umsonst, die vielleicht den ein oder anderen Interessenten anregen.

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