Für Engagement – gegen Faschismus: Die Linksjugend Solid

Die Linksjugend Solid geht auf die Straße: Ob gegen Rechts oder bei kapitalismuskritischen Demonstrationen wie Blockupy. Die Jugendorganisation der Linken macht Politik vor allem abseits von Parlamenten. pflichtlektüre-Autor Linus Busch hat Mitglieder der Linksjugend getroffen und gelernt, was die Reden von Gregor Gysi alles bewirken können.

Das Logo der Linksjugend. Foto: Linksjugend Solid

Das Logo der Linksjugend. Foto: Linksjugend Solid

 Für die Linksjugend Solid in Dortmund ist die Sache klar: Bei der Kommunalwahl sein Kreuzchen zu machen, sollte selbstverständlich sein – reicht aber nicht. „Man muss sich auch dafür einsetzen, dass sich etwas ändert“, sagt Mitglied Svenja. Politisch kann die Linksjugend durch ihre Mutterpartei Die Linke Einfluss auf Entscheidungen nehmen. „Wir verstehen uns aber eher als außerparlamentarische Organisation“, stellt Mitglied Max klar. Für Svenja heißt das konkret: „Wir gehen raus auf die Straße. Jetzt gerade machen wir zum Beispiel eine Kampagne gegen Sexismus.“ Inhaltlich wird aber auch gearbeitet: So starten die Treffen, die alle zwei Wochen stattfinden, immer mit einem Referat zu einem aktuellen Thema. Und auch die Zusammenarbeit mit der Linkspartei war gerade im Vorfeld der Kommunalwahl intensiv, sagt Linksjugend-Mitglied Julian: „Wir haben das Programm für die Wahl mitgestaltet.“

Kinderbetreuung ausbauen

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Kinderbetreuung. „Wir fordern, dass die Kinderbetreuung in Dortmund massiv ausgebaut wird“, sagt Julian. Auch solle die Stadt „sinnlose Prestigeprojekte“ wie den Flughafen oder das Dortmunder U nicht weiter finanzieren: „Das Geld hätte man auch in den Hafen stecken können und damit ein ganzes Viertel aufgewertet.“

Außerdem setzt sich die Linksjugend Solid dafür ein, dass beispielsweise die Stadtbahn nicht privatisiert wird und dass es mehr sozialen Wohnungsbau in der Stadt gibt. „Obwohl Dortmund beim Thema günstiger Wohnraum noch vergleichsweise gut aufgestellt ist“, sagt Julian.

Politik wird für die Linksjugend Solid vor allem auf der Straße gemacht. Hier zum Beispiel bei einer Demo in Frankfurt. Foto: privat

Politik wird für die Linksjugend Solid vor allem auf der Straße gemacht. Hier zum Beispiel bei einer Demo in Frankfurt. Foto: privat

Nicht gegen Sinti und Roma hetzen

Natürlich definiert sich die Linksjugend Solid auch über den Antifaschismus. „Die Nazis sind in Dortmund lange ignoriert worden“, kritisiert Julian. Jetzt müsse man gegen sie auf die Straße gehen und vor allem die Stadt müsse zusehen, dass genug Geld für antifaschistische Organisationen bereitgestellt wird. In Verbindung mit Dortmunds Nazi-Problem kritisiert Julian auch den Umgang anderer Parteien mit der Nordstadt. „Das Thema wird total aufgebauscht“, meint Julian. „Da wird so getan als hätte Dortmund ein riesiges Sinti- und Roma-Problem. Dabei leben hier 5.000 Bulgaren und Rumänen – von 570.000 Einwohnern.“ Man müsse schon in der Heimat der Zuwanderer ansetzen und sich fragen, warum die Menschen von dort überhaupt nach Dortmund kommen. „Wenn du dir in Rumänien ein Dorf anguckst, wo Roma wohnen, dann wird dir klar, warum die Leute da wegwollen. Man muss doch dafür sorgen, dass in Bulgarien und Rumänien die Sozialstandards so weit ausgebaut werden, dass es gar nicht mehr nötig ist, zu fliehen.“ Mit der Hetze gegen Sinti und Roma in Dortmund gebe man nur den Rechten noch mehr Rückenwind.

Wie kommt man zur Linksjugend Solid? Bei Julian spielte Linken-Politiker Gregor Gysi eine nicht unwesentliche Rolle: „Ich hatte in der Schule sehr konservative Lehrer und habe denen einfach alles nachgeplappert“, erzählt der staatlich anerkannte Erzieher. „Aber dann habe ich mir auf Youtube Reden von Gregor Gysi angeguckt und der hat mir quasi die Augen geöffnet.“ Svenja fasst die Idee der Linksjugend Solid so zusammen: „Uns eint grundsätzlich, dass wir unsere jetzige Gesellschaftsform kritisch sehen. Aber natürlich gibt es innerhalb der Linksjugend ganz unterschiedliche Strömungen.“ Und Max ergänzt: „Nur Rassisten sind nicht willkommen.“

 

Kleine Anfrage an…

Julian (21), staatlich anerkannter Erzieher

Im Hintergrund der Lieblingsplatz: Als BVB-Fan ist Julian in Dortmund am liebsten im Westfalenstadion. Foto: Linus Busch

Im Hintergrund der Lieblingsplatz: Als BVB-Fan ist Julian in Dortmund am liebsten im Westfalenstadion. Foto: Linus Busch

Warum tust du dir das an?
Ich war schon in meinem Heimatort Lüdenscheid bei der Linken aktiv. Da gibt es aber keine Linksjugend. Für mein Anerkennungsjahr als Erzieher bin ich nach Dortmund gezogen und bin hier auf die Linksjugend gestoßen. Hier in Dortmund bin ich dann auch zum Antifaschismus gekommen, weil Dortmund ja bekanntermaßen eine Nazi-Hochburg ist. Erst habe ich das gar nicht realisiert, dann aber ziemlich schnell gemerkt, dass das mit den Nazis hier in Dorstfeld ein richtiges Problem ist. Das habe ich auch an meiner eigenen Haut zu spüren bekommen. Da war ich erst geschockt, aber dann hat es mich wütend gemacht, dass die Stadt da so lange nichts gegen getan hat. Deshalb habe ich mir gesagt: Du musst dich hier engagieren. Du musst dafür kämpfen.
Gleichzeitig kam in meinem familiären Umfeld dazu, dass da immer wieder Zeiten der Arbeitslosigkeit waren, obwohl Menschen 30 bis 40 Jahre gearbeitet hatten. Man hat schon gemerkt, dass da von der Gesellschaft ein massiver Druck aufgebaut wird. Man wird schief angeguckt, wenn man mal ein Jahr keine Arbeit hat. Das hat mich zusätzlich motiviert, weiterzumachen und für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der nicht Leistungsdruck und der Profit großer Konzerne zählt, sondern man nach Interesse von Mensch und Natur produziert und lebt. Das ist jetzt im Kapitalismus für mich nicht gegeben.

Welches Vorurteil über die Partei Die Linke trifft auf dich zu?
DDR-Nostalgiker oder so? Das trifft auf mich gar nicht zu. Ich bin niemand, der sagen würde, dass die DDR ein sozialistischer Staat war. Das war für mich Stalinismus, wo eine Machtelite von Bürokraten die Macht hatte und entschieden hat, was produziert wird und wie es im Staat voran geht. Das ist für mich keine Arbeiterdemokratie. Ich würde mir darunter vorstellen, dass man unter den Arbeitern Räte bildet und demokratisch organisiert, was produziert wird und wie wir leben wollen. Ich würde mich selbst nicht als Kommunisten bezeichnen. Den Begriff an sich finde ich gar nicht so schlimm, aber die Leute verbinden damit die Verbrechen von Stalin oder Pol Pot. Deswegen würde ich mich als sozialistischen Demokraten bezeichnen.

Du bist für einen Tag Bundeskanzler: Was ist deine erste Amtshandlung?
Ich würde die oberen zehn Prozent in Deutschland enteignen, um die Schulden Deutschlands damit zu bezahlen. Der Staat hat rund 2 Billionen Euro Schulden, dabei beläuft sich das Privatvermögen der oberen zehn Prozent auf 3 Billionen Euro. Es würde also sogar noch eine Billion übrigbleiben. Das würde ich also als erstes angehen, damit die Schulden schon mal auf einen Schlag weg sind.

Gregor Gysi oder Sahra Wagenknecht?
Sahra Wagenknecht.

Rot-Rot-Grün oder Opposition?
Opposition.

Wie findest du Dortmund als Studentenstadt?
Ausbaufähig. Ich glaube, dass man als Student hier eine relativ günstige Wohnung bekommen kann. Es gibt zwar ein paar Ausgehviertel, aber da sind auf jeden Fall Verbesserungsmöglichkeiten. Man könnte zum Beispiel den Hafen ausbauen. Ansonsten ist die Stadt aber schön, vor allem, wenn man Fan von Borussia Dortmund ist. Du triffst immer Leute, die du vorher nicht kanntest, und du musst nur ein BVB-Trikot anhaben und verstehst dich sofort gut mit denen. Mir ist das mal passiert, als das 3:2 gegen Malaga geschossen wurde. Überall ist nur Bier rumgeflogen und ich habe einen wildfremden Japaner umarmt. Wir lagen uns in den Armen und waren einfach nur glücklich. Das ist echt so ein Gemeinschaftsgefühl hier in Dortmund. Aber da musst du natürlich Fußballfan sein.

Was hat Dortmund, was Münster nicht hat?
Borussia Dortmund.

Du bist für einen Tag Oberbürgermeister von Dortmund: Was ist deine erste Amtshandlung?
Ich setze mich in eine Blockade, um einen Naziaufmarsch zu verhindern. Ich versuche also, die offen und aktiv zu bekämpfen, weil das ja noch mal ein ganz anderes Bild gibt.

BVB oder Theater?
BVB.

Kreuzviertel oder Nordstadt?
Das ist eine fiese Frage. Ich glaube weder noch. Ins Kreuzviertel kann man gut gehen, wenn man Bars haben möchte. Die Nordstadt wird ja immer als das Ghetto bezeichnet. Ich war schon so oft in der Nordstadt und wurde da noch nie angemacht oder belästigt. Ich habe da zum Beispiel Flyer verteilt und du kannst ganz offen auf die Leute zugehen. Und es gibt da einfach auch schöne Orte und gute Restaurants.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.