Für die Energiewende – gegen Rechts: Die Grüne Jugend

Umweltschutz und der Kampf gegen Rechts – zwei Kernanliegen der Grünen Jugend in Dortmund. Wofür die Jugendorganisation der Grünen noch steht, hat pflichtlektüre-Autor Linus Busch bei einem ihrer Treffen herausgefunden. Und weil die Grüne Jugend weitgehend ohne Hierarchien auskommen will, durften zur „Kleinen Anfrage“ ausnahmsweise zwei Mitglieder antreten.

Das Logo der Grünen Jugend ziert ein Igel. Foto: Grüne Jugend Bayern

Das Logo der Grünen Jugend ziert ein Igel. Foto: Grüne Jugend Bayern

Sechs Kilogramm Soja – das Treffen mit der Grünen Jugend beginnt fast schon zu klischeehaft. Der Bundeskongress der Grünen Jugend soll in Dortmund stattfinden. Dafür wollen die Dortmunder Mitglieder Döner machen – fleischlos, versteht sich. Und deswegen stehen nun sechs Kilogramm Soja im Büro der Dortmunder Grünen herum. Doch Mitglied Kristina Dany macht schnell klar, dass die Grüne Jugend beim Thema Essen tolerant ist: „Ich habe Sojaintoleranz und das ist überhaupt kein Problem hier.“ Denn auch wenn veganes Essen auf den offiziellen Veranstaltungen der Grünen Jugend der Standard ist, darf sich jeder mitbringen und essen, was er möchte.

Die Grüne Jugend ist die Jugendorganisation der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Die Grüne Jugend in Dortmund versteht sich aber als relativ parteifern. Doch bekommt man dann bei der Kommunalwahl überhaupt junge grüne Politik, wenn man die Grünen wählt? Zumindest auf der Liste für den Rat der Stadt sind auf den vorderen Plätzen keine Mitglieder der Grünen Jugend vertreten. „Auf vielen Listen für die Bezirksvertretungen stehen aber junge Menschen“, sagt Gustav Berger. Außerdem habe die Grüne Jugend bei der Gestaltung des Wahlprogramms mitgearbeitet und auch eigene Punkte untergebracht. „Zum Beispiel bei der Drogenpolitik, wo wir für die Legalisierung von Cannabis sind“, sagt Gustav, der bei der Grünen Jugend das Fachforum Drogen koordiniert.

Rechte Parteien nicht in den Rat

Zu den wichtigen junggrünen Themen zählt gerade in Dortmund der Kampf gegen Rechts. Ein Kampf, der nicht nur auf der Straße, sondern bei der Kommunalwahl auch an der Urne geführt wird, wie Maarie Dittrich betont: „In Dortmund gibt es mit der Partei Die Rechte und der NPD zwei rechte Parteien, die für den Rat antreten. Da kann es auf einzelne Stimmen ankommen, ob die reinkommen oder ob beide scheitern. Und ich will nicht, dass die hier im Rat sitzen.“

Bei den Treffen der Grünen Jugend ist auch kreativer Einsatz gefragt - zum Beispiel beim Bannermalen. Foto: Linus Busch

Bei den Treffen der Grünen Jugend ist auch kreativer Einsatz gefragt – zum Beispiel beim Bannermalen. Foto: Linus Busch

Natürlich spielt auch Energiepolitik eine Rolle. „Wir fordern, dass die Dortmunder Energieversorgung nicht mehr von RWE und damit von Kohlekraft abhängt“, sagt Gustav. Mit Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden könne man zum Beispiel in der Stadt einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Gerade für Studenten wichtig: Wohnraum. „Da sieht es in Dortmund ja nicht so schlecht aus“, findet Alexander Siefert. „Was wir aber brauchen, ist mehr Freiraum in der Stadt.“ Mehr Grünflächen und weniger Einschränkungen bei deren Nutzung, wie zum Beispiel Grillverbote, könnten ein Weg sein, so Alexander.

Mehr in Jugendkultur investieren

Auch auf dem Feld der Jugendkultur sieht der grüne Nachwuchs Verbesserungsbedarf. „In Dortmund werden Millionen für Prestigeprojekte wie das U ausgegeben, aber auf der anderen Seite fehlt dann das Geld für viele kleine Kulturprojekte“, bemängelt Maarie.

Abseits des Wahlkampfes muss bei den wöchentlichen Treffen in Dortmund vor allem inhaltlich und organisatorisch viel besprochen werden – den Vorstand hat die Dortmunder Basisgruppe nämlich abgeschafft. „Wir wollen damit erreichen, dass auch wirklich alle Mitglieder sich aktiv einbringen“, sagt Ronja Flueren, die pro forma die Sprecherin ist. Neben den Treffen steht als Highlight einmal im Jahr eine große Fahrt an. Im vergangenen Jahr ging es nach Amsterdam, diesmal passend zur Europawahl nach Brüssel. Bei der Grünen Jugend mitmachen kann jeder unter 28 Jahren. „Nur keine Nazis“, sagt Kristina Dany. „Ansonsten wird hier wirklich jeder akzeptiert.“ Sogar jemand mit Sojaintoleranz.

 

Kleine Anfrage an… 

Kristina Dany (21), Auszubildende zur Kauffrau für Bürokommunikation

Das Sofa vor dem Tätowierer im Brück-Center - Kristina Danys Lieblingsplatz in Dortmund besticht mit eher verstecktem Charme. Foto: Linus Busch

Das Sofa vor dem Tätowierer im Brück-Center – Kristina Danys Lieblingsplatz in Dortmund besticht mit eher verstecktem Charme. Foto: Linus Busch

Julius Kötter (21), Student Geschichte und Archäologie in Bochum

Warum tust du dir das an?
Kristina: Stimmt eigentlich. Es frisst Zeit, ist sehr aufwendig und kostet Nerven, weil man sich oft auch aufregt. Aber es erfüllt mich sehr, weil ich das Gefühl habe: Ich ändere was! Es ist einfach ein sehr cooles Gefühl, wenn man etwas erreicht hat. Und ich habe hier ganz tolle Leute kennengelernt.
Julius: Wenn ich die Nachrichten gucke und zum Beispiel sehe, wie Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in den Tod geschickt werden, dann will ich etwas dagegen tun. Ich habe auch schon ein paar Mal ans Aufhören gedacht, aber spätestens nach einer Woche mache ich dann doch immer weiter. Ich war auch vorher schon in der Linksjugend und bin dann aber zur Grünen Jugend gewechselt.

Welches Vorurteil über deine Partei trifft auf dich zu?
Julius: (überlegt)
Kristina: Meine Güte, du studierst!
Julius: Achja, ich studiere.
Kristina: Man sagt ja oft, dass man sehr von seinen Eltern geprägt wird. Bei mir würde man wahrscheinlich sagen, ich sei durch meine Mutter hier reingewachsen. Manch einer würde von mir vielleicht behaupten, dass ich eine vorlaute Feministin bin und läge damit gar nicht so falsch. Linke Gruppen kritisieren ja auch oft, dass bei den Grünen so wenige Menschen mit Migrationshintergrund mitmachen. Dem entspreche ich ja auch, weil ich keinen Migrationshintergrund habe.

Du bist für einen Tag BundeskanzlerIn: Was ist deine erste Amtshandlung?
Kristina: Ich würde das Gesundheitssystem komplett umschmeißen und neu aufbauen. Das ist mein besonderes Thema.
Julius: Meine erste Amtshandlung wäre, die Verteidigungspolitik umzukrempeln. Deutschland soll sich nicht mehr aggressiv in andere Regionen einmischen. Kriegerische Maßnahmen können keine Lösung sein.

Claudia Roth oder Katrin Görin-Eckhardt?
Julius: Claudia Roth.
Kristina: Claudia Roth. Aber Katrin Göring-Eckhardt habe ich schon kennengelernt und ich denke, dass man mit ihr sehr gut zusammenarbeiten kann.

Wie findet ihr Dortmund als Studentenstadt?
Julius: Ich wohne und studiere nicht in Dortmund und kann dazu deswegen nicht viel sagen.
Kristina: Als Studenten-Lifestyle-Stadt ist Dortmund ganz freundlich. Die Wohnsituation ist okay und man kann ganz gut ausgehen. Aber es geht auch besser: Ich vermisse zum Beispiel so kleine selbstverwaltete Studentenklubs hier.

Was hat Dortmund, was Münster nicht hat?
Kristina: Münster ist ´ne super Stadt. Aber es ist schon sehr, sehr teuer da.

Du bist für einen Tag OberbürgermeisterIn von Dortmund: Was ist deine erste Amtshandlung?
Kristina: Ich würde als erstes den Straßenstrich wieder legalisieren. Der ist ja momentan illegal, aber die Frauen stehen trotzdem da und müssen eben wegrennen, wenn die Polizei kommt. Dadurch müssen sie die ganze Zeit in Angst leben. Durch die Illegalisierung ist die Lage für die Frauen viel gefährlicher geworden.
Julius: Ich würde mehr für Asylbewerber*innen tun: Bessere Wohngelegenheiten bieten, Stellung gegen Rechte beziehen und das Thema positiv in die Debatte bringen.

BVB oder Theater?
Kristina: Das ist richtig fies. Ich mag guten Fußball und ich gucke mir deshalb auch gerne den BVB an, wenn sie gut spielen. Das ist beim Theater genau so.
Julius: Eher BVB.

Kreuzviertel oder Nordstadt?
Kristina: Ich wohne im Kreuzviertel. Und ich sage auch ehrlich, dass ich als Frau da lieber wohne.
Julius: Ich würde auch lieber im Kreuzviertel wohnen. Aber ich hätte auch kein Problem damit, in die Nordstadt zu ziehen.

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