Salzwasser als Seelenbalsam

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Dicke Bücher belasten den Rücken, im Kino zahlt man für Überlänge drauf. Zeit ist Geld – im wahrsten Sinne. Wofür also die knappe Freizeit verwenden? Wir lesen, spielen und schauen für euch – nach zwei Stunden hören wir auf. Entweder, weil wir fertig sind oder weil die Zeit um ist. Heute stehen die Zeichen ausnahmsweise mal auf Entspannung: Es geht ins Solebad im Revierpark Wischlingen. Der Wecker ist gestellt, los geht’s:

Schnelldurchlauf

Freitag, 8. April, 18 Uhr – endlich Feierabend. Schon den ganzen Tag über überlege ich mir: Was gönnst du dir mal? Entspannung klingt gut. Doch wie geht das eigentlich noch gleich? Kommt Zeit kommt Rat – in diesem Fall in Form meiner Freundin. „Lass uns ins Solebad gehen“, sagte sie zu mir, kaum dass ich zur Tür rein war. Gut, war ich noch nie. Kann man ja mal probieren.

Also Sachen packen, ab nach Wischlingen, umziehen und los geht es. Sofort steigt mir das Salz in die Nase. Es ist ruhig hier, keine spielenden Kinder, nur einige Pärchen und Senioren zu sehen. Kaum eine Sekunde im Wasser, da hat es mich schon überzeugt. Schwerelosigkeit und Wärme sind aber auch gute Argumente.

ZweiStundenZeitSolebad

Zum Entspannen im Solebad braucht man nicht viele Sachen.

Zeit spielt plötzlich keine Rolle mehr, wenn man sich einfach so vom Wasser tragen lässt. Und siehe da: Zwei Stunden gehen schneller vorbei, als man denkt. Ohne die hiesige Uhr hätte ich es fast nicht bemerkt. Die schrumpelige Haut war allerdings auch ein offensichtliches Indiz.

Kurzweilig

Ob es an der späten Stunde lag, zu der wir da waren, oder an mangelnder Attraktivität des Bades für energiegeladene Jugendliche: Es war wenig los und somit gab es genügend Zeit, alle Vorzüge des Beckens auszukosten. Im Whirlpool die Seele baumeln lassen? Kein Problem. Sich vom Wasserfall den Nacken massieren lassen – mal sanft, mal kräftig? Jederzeit möglich. Sich auf ein Duell mit der starken Wasserfontäne einlassen und natürlich unterliegen? Ja, auch das konnte man machen. Die allgemein herrschende entspannte Stimmung trug noch ihres dazu bei. Keine Arschbomben denen man ausweichen muss, keine Schwimmer, denen man bloß nicht im Weg sein sollte, kein Chlorgeschmack im Mund – es gab einfach nichts, dass einen zurück in die Realität holen wollte.

Langatmig

Hier fällt es wirklich schwer, Kritikpunkte zu finden. Aber: Ich bin ja schließlich Deutscher, und Deutsche können bekanntlich sehr gut meckern. Das Becken hätte gerne größer sein können. Manchmal hat man gerade erst angefangen, sich auf dem Salzwasser treiben zu lassen, da hörte man schon das unheilverkündende Gluckern der Beckenrandrinne. Noch mehr Gäste und es wäre zur Wasserwärme auch ab und zu Körperwärme dazu gekommen.

Für eine diabolische Gemeinheit des Architekten halte ich übrigens die Tatsache, dass man erst durch die (eis-)kalte Halle des Chlorwasserbeckens laufen muss, um zum Solebecken zu gelangen. Die wenigsten Hallenbäder sind besonders warm, vor allem nicht, wenn sie ein übergehendes Außenbecken haben. Doch der Übergang von der flauschig-wonnig-warmen Halle des Salzwasserbeckens zur diabolisch-kriminell-kalten anderen Halle war härter als ein Tiefschlag – egal, wie gut man sich vorher abgetrocknet hat.

Momentaufnahme

Irgendwie dachte ich bis zu dem Moment, in dem ich das Becken betrat, es gehe bei einem Solebad ums Schwimmen. Im Kopf war ich bereits einer dieser Störenfriede, die Arschbomben machen. Ich war einer der Schwimmer, die sich beim fünften „Feindkontakt“ fragt, ob das denn wirklich sein muss. Umso überraschter war ich, das Schwimmen hier zweitrangig ist. Man kann überall stehen, und der Beckenrand kommt sowieso schon nach wenigen Zügen. Und auch wenn man ja eigentlich weiß, dass das Wasser in einem Solebad salzig ist, war es dennoch irgendwie überraschend. Sofort kamen meiner seit Jahren nach Meer schreiende Seele Bilder vergangener Urlaube in den Kopf. Salzwasser im Mund, das Prickeln auf der Haut – mit geschlossenen Augen war ich fast schon wieder im Urlaub. Kacheln statt Sand und Hallendecke statt Sonne waren da die einzigen Spielverderber.

Zeit um

Egal wie sehr man sich der Welt verschließt, irgendwann holt sie einen ja doch wieder ein. Nach zwei Stunden war ich vollkommen tiefenentspannt, doch ich hatte noch lange nicht genug. Letztlich waren meine Freundin und ich dreieinhalb Stunden im Wasser, und ich kann jedem, der Entspannung nötig hat, nur empfehlen: Länger ist hier mehr, vor allem gemeinsam. Nach zwei Stunden brauchte ich jedoch eine Pause. Salzwasser laugt einen ganz schön aus, aber wir hatten vorgesorgt: Wasser und Stullen standen schon bereit. Der Abendhimmel war noch immer nicht ganz dunkel als die Zeit um war, und das Becken bei vollkommener Dunkelheit wollte ich mir nicht entgehen lassen. Frisch gestärkt sah ich mich jedoch in der Lage, bis dahin auszuharren. In zwei Stunden die totale Entspannung zu bekommen ist aber auch durchaus drin.

Foto: Marc Baumunk

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