Wenn Eisberge singen

Icebergsongs

Musik aus Eisbergen? Das gibt es wirklich! „Icebergsongs“ nennt sich das Ganze. Ziel ist es auf das Schmelzen der Eisberge aufmerksam zu machen. Das Projekt wurde unter anderem von der UNO entwickelt. Das Besondere daran: Alle Songs werden mit den Schmelzgeräuschen der Eisberge komponiert.

Ein Wummern, dann ein Zirpen, Heulen, Knacken – so klingt ein schmelzender Eisberg. Faszinierende Geräusche – aber auch traurige, denn so klingen die Berge nur wenn sie tauen. Wie bei dem Schmelzprozess die Geräusche überhaupt entstehen, erklärt Alexander Nagel. Er ist Geschäftsleiter der Kreation bei der Werbeagentur Serviceplan Campaign in München und hat das Projekt mitentwickelt: „Es ist so, dass diese enormen Eisbergmassen durch das Schmelzen in Bewegung kommen und so ihre Struktur verändern. Das überträgt sich dann in Töne, die man aufnehmen und messen kann.“

Alexander Nagel reist selbst viel durch Norwegen und Island. Dort ist der Klimawandel schon deutlich zu spüren. Die „Icebergsongs“ liegen ihm auch deswegen besonders am Herzen.

Sie klingen fast menschlich

Die aufgenommenen Eisberg-Geräusche stehen im Mittelpunkt des Projektes – aus ihnen werden Lieder. Mehrere Künstler haben für das Projekt ihren eigenen „Icebergsong“ komponiert. Einer von ihnen ist der Wahl-Hamburger Chris Buseck. Er schreibt neben eigenen Songs auch Lieder für andere Musiker und komponiert Stücke für Fernsehen und Werbung. Von den Eisbergs-Tönen war er schon beim ersten Hören fasziniert: „Es klingt wirklich krass, weil das so tierähnlich, so menschenähnlich ist. Wie tief das runtergeht und dazu die hohen Töne, die eher klingen wie ein Wal.“

Die Entscheidung an dem Projekt teilzunehmen war für Chris Buseck dann schnell gefallen: „Als ich die Sounds gehört habe war ich so ergriffen und überrascht darüber, dass sowas in der Natur überhaupt möglich ist – von Eisbergen! Ich hab da eigentlich quasi direkt angefangen die Nummer zu komponieren.“ Der Song der dabei rausgekommen ist heißt „Frozen Sadness„. Es ist ein langsames, melancholisches Stück. Die Eisberge sind darin klar zu hören. Ihre Geräusche hat Chris Buseck nur wenig verändert. Es war ihm wichtig, dass es immer noch nach Natur klingt. Und die Eisberge ihren Platz im Lied bekommen.

Die Eisberge sollen überall zu hören sein

Die „Icebergsongs“ sollen auf das Schmelzen der Eisberge aufmerksam machen. Chris Buseck glaubt, dass die Musik als Medium dabei helfen wird. Er will mit seinem Song bei den Leuten vor allem eins erreichen: „Dass diese für mich traurig klingenden Sounds einfach durchkommen. Dieses Leiden. Das klingt ja wie ein Weinen, wie ein Wimmern, wie ein Jammern. Es war mir wichtig, dass das rüberkommt und bei dem Hörer im Idealfall das gleiche auslöst wie bei mir.“ Alexander Nagel ist es wichtig, dass die Eisberge endlich über die Antarktis hinaus Gehör finden. Für ihn ist das mit den „Icebergsongs“ gelungen : „Das ist eine ganz stille Stimme, die wir in einer Art und Weise laut gemacht haben, dass sie eben unüberhörbar ist und das ist das, was jeder ganz persönlich auch erfahren kann.“ Beim Anhören sollte man allerdings eins nicht vergessen: Diese Geräusche entstehen nur, wenn die Eisberge verschwinden.

 

Beitragsbild: Presse Icebergsongs