Hungern hält gesund!

Sie profitieren von den Heißhungerattacken nach der Kneipentour: Die Döner- und Schnell-Friss-Buden im Ruhrgebiet. Nach Bier und Schnaps schreit der Magen nach gebratenen Burgern, fettig-triefenden Fritten und Pizzen mit dreifach Käse. Jetzt soll aber erstmal Schluss damit sein: Heute am Aschermittwoch ist nicht nur das Ende der feucht-fröhlichen Karnevalszeit. Heute fällt auch der Startschuss für die 7-wöchige Fastenzeit, und warum Hungern echt gesund sein kann, haben Wissenschaftler des Life & and Medical Sciences Institute (kurz: LIMES) in Bonn herausgefunden.

Fastenzeit - Und der Hunger ist gegessen?! Foto: Rainer Sturm (pixelio.de)

Fastenzeit - Und der Hunger ist gegessen?! Foto: Rainer Sturm (pixelio.de)

Die Wissenschaftler stellten fest, dass der Körper in Hungersituationen vermehrt Abwehrproteine ausschüttet und uns so vor bakteriellen oder viruellen Angreifern schützt. Dieser Mechanismus funktioniert schneller als die klassische Immunabwehr, so die Bonner Forscher in ihrem Bericht im Fachmagazin „Nature“.

Stress für den Körper

Haben wir längere Zeit nichts gegessen oder steigen ein paar Treppen, bedeutet das für den Körper in erster Linie Stress.  Bei Hunger oder körperlicher Anstrengung sinkt unser Energie- und damit auch das Insulinlevel. Insulin ist ein Hormon, dass beim Kohlehydratstoffwechsel eine zentrale Rolle spielt, den Blutzuckerspiegel regelt und zum Beispiel durch die Umwandlung von Glukose dem Körper neue Energie liefert. Liegt der Insulinspiegel aber brach, schaltet sich, so die Bonner Forscher, der sogenannte FOXO-Transkriptionsfaktor an. FOXO trommelt bei Energiebedarf die richtigen Gene für Abwehrproteine zusammen. Diese Eiweißstoffe verlassen dann die Körperzelle und zerstören alles, was krank machen könnte.

Richtig clever ist das besonders, weil der Körper präventiv fiese Krankmacher abwehrt, ohne einen großen Energieverlust durch das Aktivieren des klassischen Immunsystems zu riskieren. „Die Barriere zwischen Körper und Außenwelt wird wohl in einer möglichen Gefahrensituation gestärkt, in der wir zu wenig Energie haben“, vermutet Forscher Michael Hoch.

Krisenzeiten gut für das Immunsystem

Macht zwar satt, aber nicht gesund: Pommes rot-weiß  Foto: nagnag (pixelio.de)

Macht zwar satt, aber nicht gesund: Pommes rot-weiß Foto: nagnag (pixelio.de)

Für die klassische Immunabwehr verbrät der Körper viel Energie: T-Zellen, B-Zellen und Antikörper müssen aktiviert und in den Krieg gegen Viren und Bakterien geschickt werden. Das ‚FOXO-System‘ hingegen funktioniert in Krisenzeiten – und das ist für den Körper nunmal auch schon der Hunger. „Das findet zu jeder Minute statt“, erklärt Studienleiter Professor Michale Hoch vom LIMES-Institut. Und weiter: „Faszinierend dabei ist, dass eine Funktion des Immunsystem direkt abhängig davon ist, wie viel und was wir essen.“ Und wie viel und was wir Essen ist in der Fastenzeit ja eigentlich schnell erklärt.

Pizza ist tabu!

Zurückhaltung ist das Schlüsselwort: keinen Extra-Käse, Pizza ist sowieso tabu, denn in der Regel sollte der ernsthafte Faster nur das Essen, was „zur Erhaltung der Schaffenskraft“ gebraucht wird. Bis ins letzte Jahrhundert war sogar der Besuch von Tanzveranstaltungen im streng-christlichen Fasten-Sinne untersagt. Völliger Quatsch, zumindest aus wissenschaftlicher Sicht.

Ein wenig Verzicht schadet sicher niemandem, aber gelegentlich das Tanzbein schwingen hat noch jeden jung und gesund gehalten. Nur nicht zu viel Trinken: Der Mitternachts-Imbiss rächt sich letztlich auf den Rippen oder im Kranksein.

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