Regenbogen auf der Südtribüne

Was sagen Sie denn zur Kritik, dass sie sich damit selbst in die Ecke drängen?
Anfangs gab es diese Kritik. Es ist aber auch eine Frage, inwiefern man sich in den Vereinen einbringt, wie offen man auf Fans und andere Fanclubs zugeht. Wir unternehmen viele Dinge mit anderen Fanclubs und kommen so auch ins Gespräch mit anderen Fans. Das ist auch unser Anliegen: Wir wollen nicht als schwul-lesbischer Fanclub auffallen, sondern einfach ein Teil von Vielen in der großen BVB-Familie sein. Es ist nicht unser Anliegen, damit hausieren zu gehen.

Sie sagen es sei nicht das Anliegen, aber der Name und das Wappen sprechen doch schon deutlich für sich?
Die Intention damals war zu zeigen: Es gibt auch Schwule und Lesben bei Borussia. Aber das ist nicht das Hauptanliegen. Eine Organisation, ein Fanclub entwickelt sich ja auch, und entdeckt, was dementsprechend der Schwerpunkt sein soll. Und der Schwerpunkt ist, existent zu sein und sich einzubringen in die Themen, die einen BVB-Fan etwas angehen. Die sexuelle Orientierung spielt keine primäre Rolle.

Die Rainbow-Borussen beim tradtionellen Wandertag mit den "Revierfreunden" Foto: Privat

Die Rainbow-Borussen beim tradtionellen Wandertag mit den "Revierfreunden" Foto: Rainbow-Borussen

Was unterscheidet die Rainbow Borussen von anderen Fanclubs?
(denkt nach) Uns unterscheidet nichts von anderen Fanclubs. Für mich ist wichtig, dass ein Fanclub ein aktives Fanclub-Leben hat. Dass wir uns nicht nur regelmäßig zu den Spielen treffen, sondern auch außerhalb gemeinsam etwas unternehmen.

Wie ist die Beziehung zu anderen BVB-Fanclubs?
Die ist einfach sehr gut. Es sind auch sehr gute Freundschaften auf der Tribüne entstanden. Man steht immer an der gleichen Stelle und freut sich dann immer, die Personen wiederzusehen.

Gibt es negative Reaktionen der Fans, oder eher positive?
Von den Fans gab es positive Reaktionen, vielfach auch übers Internet. Viele finden es gut, dass es mit unserem Fanclub auch ein schwul-lesbisches Netzwerk gibt. Das ist schon etwas Besonderes. Das findet man auch in dieser Art in anderen Bereichen der Fan-Szenen nicht wieder. Es gibt über 20 Fanclubs, die sich 2007 zum Netzwerk „Queer Football Fanclubs“ zusammengeschlossen haben.

Wie war genau die Reaktion der anderen Fans im Stadion?
Da ist uns nichts Negatives begegnet.

Es gab also keinerlei Anfeindungen?
Nein, warum auch? Wir gehen da auch nicht hin und sagen, wir sind die Schwulen. Die Existenz des Fanclubs ist wichtig, es ist nicht der primäre Punkt, die sexuelle Identität herauszustellen.

Aber es gibt ja unbestritten noch einige Menschen mit homophoben Gedanken, oder?
Ja, in Kneipengesprächen zeigt sich das dann schon, aber da kann man miteinander ins Gespräch kommen. Und dann hebt sich auch vieles wieder auf, wenn man den Menschen kennen lernt, der dahinter steckt. Ich denke, viele Menschen haben Angst vor Homosexualität, weil sie nicht wissen, was es bedeutet. Die kennen keine Schwulen in ihrem Freundeskreis. Und das ist eine gute Gelegenheit, miteinander in Berührung zu kommen.

Denken Sie, Sie können dadurch eine Hilfe für andere sein?
Das weiß ich nicht, das müssen andere entscheiden. Fußball ist ein Ausschnitt des realen Lebens. Es gibt Homophobie und ich bin der Meinung, dass wir uns in unserer Gesellschaft nicht verstecken und einfach zeigen sollten: Wir sind schwul, das ist auch gut so – und dann muss man das nicht weiter thematisieren.

Habt ihr politische oder vereinspolitische Ziele als Fanclub?
Nein, das ist nicht unser vorrangiges Ziel, unbedingt politische Aktionen zu machen. Im Netzwerk „Queer Football Fanclubs“ intensiviert sich das schon, weil wir da eben auch das politische Ziel stärker verfolgen.

Teil 1: Das sind die „Rainbow-Borussen“

Teil 2: Ein ganz normaler Fan-Club

Teil 3: Was bringen Aktionen gegen Homophobie?

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