Von Leverage Ratio und Hedgefonds

Bonität, Hedgefonds, Assets, Ratings oder Schattenbanken – nur einige von zahlreichen Begriffen, die am Montag bei der vierten Podiumsdiskussion der Impulsreihe „Neue Horizonte für Wirtschaft und Politik“ an der Ruhruniversität Bochum fielen. Hauptgast der Diskussion war Fraktionsvorsitzender des Bündnis 90/Die Grünen Jürgen Trittin. Er eröffnete die öffentliche Veranstaltung mit einem Impulsvortrag zum Thema „Kurssuche“. Schon früh zeigte sich: Wer als interessierter Zuhörer ohne viel Wirtschaftsverständnis gekommen war, würde es an diesem Abend nicht leicht haben.

Mit schwarzem, eleganten Samtanzug trat Jürgen Trittin um Punkt 19 Uhr an das Podium des Hörsaals zehn an der RUB. Die Reihen waren gut gefüllt – mit Studenten, aber auch Vertretern des Bankwesens. Trittin sollte einen Vortrag zu seiner Einschätzung der jetzigen Finanzwelt halten. Nach diesem Vortrag folgte eine Podiumsdiskussion mit drei weiteren Gästen – allesamt Vertreter des Bankwesens.

Auf Kurssuche mit Jürgen Trittin

Jürgen Trittin (Die Grünen) hält vor der Diskussionsrunde einen 30-minütigen Vortrag.

Jürgen Trittin (Die Grünen) hält vor der Diskussionsrunde einen 30-minütigen Vortrag. Teaserbild/Fotos: Anna Dörnemann

Fünf Jahre seit Beginn der Finanzkrise stellte Trittin die Eingangsfrage „Was haben wir aus den letzten Jahren gelernt?“. Seine Antwort: „Zu Wenig“. Danach folgte eine gut strukturierte und gut eingeübte Rede. Der Fraktionsvorsitzende sinnierte zu Beginn in drei Schritten darüber, was man überhaupt aus der Finanzkrise hätten lernen sollen oder noch lernen müssen. Es fehle an funktionierender Regulierung, Leitbildern für die Finanzwelt und man müsse darüber nachdenken, welche Rolle die Finanzwirtschaft in einer kapitalistisch, demokratischen Gesellschaft spiele.

Danach folgte ein Rückblick darauf, wie es zu der Krise kommen konnte und eine Flut an Zahlen, um das Ausmaß der Finanzkrise deutlich zu machen.

Dabei plädierte er in einem seiner Hauptpunkte des Vortrages dafür, dass eine einheitliche europäische Bankenregulierung etabliert werden sollte, um eine schlagfertige Bankenaufsicht in Europa zu haben, die auch durchgreife. Nach 30 Minuten beendete Trittin seinen Vortrag mit dem Satz „Sie sehen, es gibt viel zu tun“ – viel zu verdauen wohl auch für die Zuhörer.

„Den goldenen Schraubenzieher gibt es nicht“

Ein souveräner Redner ist Trittin – keine Frage. Dennoch wirkte sein Vortrag erst dann lebendig und nachvollziehbarer, wenn er eigene Impulse gab – und darum sollte es laut Veranstaltungstitel auch gehen. Eben solche Randbemerkungen und Beispiele, die nicht auf seinem Notizblatt standen.

So gab er im Laufe seine Vortrages zu: „ Die Finanz- und auch Wirtschaftswelt ist sehr komplex. Es gibt nicht das Instrument. Es gibt auch nicht den goldenen Schraubenzieher, der alle Probleme löst“. An dieser Stelle hatte man als Wirtschaftslaie zumindest kurz das Gefühl, dass es auch Bereiche gibt, die selbst Jürgen Trittin nicht so leicht nachvollziehen kann.

Input der Diskussionsführer war zu viel

Wer an der Diskussion an diesem Abend folgen wollte, musste sich sehr konzentrieren.

Wer an der Diskussion an diesem Abend folgen wollte, musste sich sehr konzentrieren.

Im Laufe der Diskussion wurden zwar klare Aussagen getroffen wie „Kein Bankenvorstand kann alle Risiken richtig einschätzen. Menschen machen Fehler. Deswegen brauchen wir Regulierungsmechanismen; Androhungen: Wenn es in eine falsche Richtung geht, wird der Schlüssel entzogen“.

Doch spätestens wenn wieder sperrige Begriffe wie Genossenschaftsbanken, Lerverage Ratio oder Einlagensicherung fielen, wurde es schwer der Veranstaltung zu folgen. Insgesamt war der Input der Diskussionführer zu lang und zu viel.

Öffentlich und doch nicht für alle zugänglich

Eineinhalb Stunden diskutierten die vier Gäste unter der Leitung des RUB-Professors Stephan Paul über verschiedene Wirtschafts- und Finanzthemen. Wer während der Veranstaltung keine Notizen gemacht hatte, konnte nach 90 Minuten gewiss nur sehr spärlich rekonstruieren, was vorab alles diskutieren wurde.

So war es nicht verwunderlich, dass Fragen seitens der Zuhörer im Hörsaal nur dünn gesät waren. Die wenigen Fragen kamen vorallem aus den Reihen der Bankvertreter – dementsprechend verklausuliert und teilweise schwierig nachvollziehbar, fielen die Rückfragen aus.

Sie wissen, dass sie nichts wissen!

Jurastudentin Nora und Wirtschaftsstudent Tim waren sich nach der Veranstaltung beide einig, dass die Veranstaltung ohne Vorwissen nur sehr schwer zu verstehen war. „Irgendwie hab ich zwar das Gefühl, dass ich grob weiß worum es ging, aber im selben Moment habe ich auch das Gefühl, dass ich eigentlich nichts verstanden hab“, sagte Nora.

Tim relativierte diese Aussage und meinte „Ich studiere im fünften Semester Wirtschaftswissenschaften und habe dennoch noch sehr wenig Ahnung von solchen Themen. Trotzdem fand ich die Veranstaltung interessant. Schließlich saßen da auch Leute, die sich seit Jahren oder Jahrzehnten mit der Finanzwelt beschäftigen. Klar, dass die noch mal viel mehr Wissen haben und auch demenstprechendes Vokabluar gebrauchen.“

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