Regenbogen auf der Südtribüne

Fußball und Homosexualität? Das passt für viele Fußballfans nicht zusammen. Dabei ist es in vielen Stadien in Deutschland schon gelebte Realität. Seit Anfang der 2000er Jahre gibt es immer mehr offizielle schwul-lesbische Fanclubs – zum Beispiel auch in Dortmund. Dort gibt es die Rainbow-Borussen, den schwul-lesbischen Fanclub des BVB.  Einer der Gründungsmitglieder ist Jens Gollminski (42). Der leidenschaftliche BVB-Fan gibt im pflichtlektüre-Interview Auskunft über die Gründung, Klischees und erklärt, warum die Rainbow-Borussen ein ganz normaler Fanclub sind.

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Der Name ist Programm: Bunte Farben prägen das Wappen der Rainbow-Borussen. Foto: Rainbow-Borussen

pflichtlektüre: Was ist eigentlich dran an dem Klischee „Schwule interessieren sich eh nicht für Fußball“?
Jens Gollminski: Da ist gar nichts dran. Solange Homosexualität im Fußball ein Tabuthema war, hat sich eben jeder in Nischen versteckt. Mit der Gründung der ersten Fanclubs hat sich gezeigt, dass auch viele Schwule vom Fußball begeistert sind.

Haben Sie früher selbst Fußball gespielt?
Ich hab ein bisschen mit Freunden gepöhlt, aber nicht im Verein.

Waren Sie damals schon geoutet, oder war das für Sie ein Problem?
Für mich stellte das kein Problem dar, ich habe halt mit Freunden Fußball gespielt und bin auch schon zur Borussia ins Stadion gegangen, bevor ich mein „Coming-out“ hatte.

Wer hat den Fanclub der Rainbow-Borussen damals gegründet, wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Ich hatte mit einem Freund zusammen die Idee, dass es außer uns noch mehr Schwule geben muss, die ins Stadion gehen. Dann haben wir uns im Internet auf die Suche gemacht und haben schließlich andere BVB-Fans gefunden, die auch schwul sind.
Wir hatten die Idee dazu im November 2003. In ein paar Wochen hatten sich 15 BVB-Fans gefunden, die dann am 20. Februar 2004 in einer Dortmunder Gaststätte die Rainbow-Borussen gegründet haben.

Die Suche nach anderen Mitglieder verlief also nur übers Internet?
Genau, nur über das Internet, das hat sich schnell herumgesprochen.

Was bedeutet das „Rainbow“ im Namen?
Der Regenbogen ist das Symbol für die schwul-lesbische Community, wir haben damals bewusst diesen Namen gewählt.

Wie viel Mitglieder haben Sie jetzt?
Jetzt sind wir 26 Mitglieder, Mädels und Jungs gemischt: schwul, lesbisch, hetero. Es ist auch keine Bedingung für uns, schwul oder lesbisch zu sein. Wir wollen ja nicht diskriminieren.

Wie hat der BVB auf Sie reagiert?

Die Heimat der Rainbow-Borussen: das Westfalenstadion in Dortmund. Foto: Emmanuel Schneider

Die Heimat der Rainbow-Borussen: das Westfalenstadion in Dortmund. Foto: Emmanuel Schneider

Der hat sich erst mal, weil wir uns zu einer Zeit gegründet haben, in der es noch nicht viele schwul-lesbische Fanclubs gab, in Berlin bei der Hertha erkundigt, wie denn die Hertha Junxx (Berliner schwul-lesbischer Fanclub Anm. d. Red.) aufgenommen wurden, aus der Sorge heraus, dass wir mit Anfeindungen in Berührung kommen könnten. Da kam aber auch schnell die offizielle Anerkennung als Fanclub.

Gibt es eigentlich Interessensunterschiede zwischen schwulen und lesbischen Fans?
Wir gehen gemeinsam zum Fußball und feiern hinterher. Wir haben einen gemeinsamen Wandertag mit einem befreundeten Fanclub. Die Interessen sind doch sehr ähnlich. Geschlechtsspezifische Dinge finden vielleicht in persönlichen Gesprächen statt, aber es gibt jetzt nicht ein getrenntes Programm, dass die Frauen oder Männer bestimmte Aktionen machen. Wir machen das schon zusammen.

Warum haben Sie eine eigene Fangruppe, warum sind Sie nicht unter dem Dach eines anderen Fanclubs?
Es gibt doch ganz viele unterschiedliche Borussia-Fanclubs. Da ist ein schwul-lesbischer Fanclub ein Raum, in dem sich Schwule und Lesben frei bewegen können, ohne Angst haben zu müssen, dass ihr Coming-out innerhalb des Fanclubs negative Folgen haben könnte.
Es gibt auch in anderen Vereinen schwul-lesbische Fanclubs, unter denen sich seit 2007 ein starkes Netzwerk gebildet hat.

Teil 1: Das sind die „Rainbow-Borussen“

Teil 2: Ein ganz normaler Fan-Club

Teil 3: Was bringen Aktionen gegen Homophobie?