Peter Kloeppel im Talk über „spannende Nachrichten“

Schweine – die sind ein bisschen, wie Menschen. Zumindest, was ihren Zeitvertreib angeht, wenn ihnen mal langweilig ist. Diesen und andere überraschende Vergleiche von Tier und Mensch gab es am vergangenen Montag bei Peter Kloeppels Besuch in der Talksendung „Zoom-das Mediencafé“ des Dortmunder Lernsenders nrwision.

"Tagesschau - das wäre nichts für mich"

"Tagesschau - das wäre nichts für mich." Foto: Florian Meißner

RTL-Chefredakteur und Nachrichtensprecher Peter Kloeppel hat von vielen Sachen Ahnung. Aber von einer ganz besonders – und zwar von Schweinen. Nicht nur, weil er sie richtig süß findet, sondern weil der Nachrichtenmann vor seiner Journalistenkarriere sich der entsprechenden Wissenschaft hingegeben hat. Peter Kloeppel ist studierter Landwirt und hat seine Diplomarbeit ganz im Sinne seiner Leidenschaft für Nutztiere über Haltungssysteme von Schweinen geschrieben. Naja, vielleicht klingt es zu vereinfacht, aber dass Schweine auch eine sinnvolle Beschäftigung brauchen – das war dabei sein Resümee.

Kurz nach dem Studium wurde dem  jungen Kloeppel eine Sache klar – er wollte Stall und Forke gegen Studio und Mikrofon eintauschen und dabei etwas „richtig Neues ausprobieren“. Diesen Traum hat er verwirklicht und lebt ihn bis heute. „RTL – das ist mein Sender, hier bin ich hineingewachsen, hier fühle ich mich zu Hause“, erzählt Kloeppel über den Fernsehkanal, den er seit den Kinderschuhen begleitet hat. Für „seinen“ Sender steht Peter Kloeppel mit breiten Schultern und bekennt sich eindeutig als Bevormunder der Nachrichten im Privatfernsehen.

„Die öffentlich-rechtlichen Nachrichten sind mir zu starr.“  Zur Tagesschau hat sich der Nachrichtenmoderator niemals hingezogen gefühlt und bleibt auch heute dabei, denn „Nachrichten einfach verlesen“ – das sei nie was für ihn gewesen, „eher mitgestalten“, das entspräche eher seinem Profil. „Wenn sich Herr Westerwelle zu den Ereignissen in Ägypten äußert, ist es eine Binsenwahrheit, die noch lange keine Nachricht ist. “Politik werde nicht zur Nachricht, wenn jemand etwas sagt, meint Kloeppel und setzt eher auf Betroffenheit seiner Zuschauer durch das Ereignis. Erst wenn es einen angeht wird die Nachricht spannend.

Spannend gleich reißerisch?

Aber was ist denn heute für Otto Normalverbraucher richtig spannend? Für viele Zuschauer steht RTL für reißerische Nachrichten, Sensationsfernsehen. Aber ist das gleich interessant und spannend und vor allem:Entspricht das tatsächlich der Nachrichtenideologie von RTL?  Nicht für Peter Kloeppel, „Bei uns gelten die selben Qualitätskriterien, wie überall sonst“, verteidigt Kloeppel seine Nachrichtensendung, „Wir bei RTL-Aktuell setzen genauso viel auf Aktualität, Relevanz und Richtigkeit. Und was bei uns schiefläuft, das nehmen wir als Anlass aus den eigenen Fehlern zu lernen.“ Dennoch mindern solche Aussagen ja bekanntlich kaum etwas an der Kritik der Fernsehkritiker am Sensationsjournalismus und dem Voyeurismus.

Auch Schweine müssen unterhalten werden. Foto: hennerm auf flickr.com

Auch Schweine müssen unterhalten werden. Foto: hennerm auf flickr.com

Zum Einen in Bezug auf die Nachrichten, zum Anderen im Hinblick auf sonstige Sendungen des Fernsehkanals RTL. Da wären vor allem die –  mittlerweile für alle traurig bekannten – Reality-Shows. Bestehend aus kurzen Ausschnitten aus dem angeblich „täglichen Leben“ von größtenteils Hartz IV-Empfängern, Schulschwänzern und Alkoholikerkindern – und jetzt kommt für viele die große Überraschung: gespielt von immer neuen Laien-Darstellern. Ob man daraus ebenfalls etwas lernen könne? Ne, meint Kloeppel, sowas schaue er selbst nicht unbedingt an seinem freien Nachmittag an, höchstens bei der Arbeit in der Redaktion, wenn der Fernseher den ganzen Tag  läuft. Aber da wären diese zwei Argumente, zwei Tatsachen –  Gründe, warum solche Sendungen nachmittags in unseren Fernsehern trotzdem rauf und runter laufen: „Erstens“, meint Kloeppel, „ist das oft die Realität, soziale Konflikte, die oft genug passieren, um sie aufzugreifen. Und zweitens“, und das ist wohl der viel wichtigere Grund, „Die Zuschauer wollen das sehen – sie schalten ein und empfinden scheinbar Interesse an solchen Themen. Schließlich macht man Fernsehen nicht für sich selbst.“

Fernsehen für den Zuschauer und nicht für den Kritikerlob

"Auch Schweine müssen beschäftigt werden."

"Bei RTL Aktuell gelten die selben Qualitätskriterien, wie bei öffentlich-rechtlichen Nachrichten." Foto: Florian Meißner

Und das kann wohl kaum jemand bestreiten. Denn es soll einer einen Stein werfen, der sich noch nie eine solche Sendung angeguckt hat. Die Frage nach dem Niveau stellt man sich dabei insgeheim zwar schon, aber zum „Niveaufernsehen“ umschalten – das tut dann doch nicht jeder. Deshalb sollten wir vielleicht einmal in sich reinhören und überlegen, bevor wir kritisieren und uns über die Anderen aufregen: Ist das, was wir uns da anschauen einfach bloß ein Zeitvertreib, so ähnlich wie bei den Lieblingstieren von Herrn Kloeppel? Oder ist es doch etwas überaus Entscheidendes – nämlich das, was wir als „spannend“ empfinden?

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