Mythos Semesterferien

Es sollte die beste Zeit der Jahres sein. Doch für viele Studenten sind die entspannten und sorglosen Semesterferien längst zum Mythos geworden. Ein Kommentar von Stella Peters

„Mit Ferien werden in Deutschland Zeiträume bezeichnet, in denen eine Einrichtung vollständig schließt, um ihren Angehörigen andere Tätigkeiten, insbesondere Erholung zu ermöglichen.“

Entspannen ist für viele Studierende selbst in den vermeintlichen Semesterfieren ein Fremdwort.

Entspannen? Für viele Studierende selbst in den Ferien ein Fremdwort. Foto: flickr/User: twicepix

Tja, schade nur, dass  ein Blick in den Terminkalender der Universitäten zeigt, dass gar keine SemesterFERIEN vorgesehen sind. Da steht nur etwas von vorlesungsfreier Zeit. Also können immernoch Veranstaltungen, Prüfungen oder Praktika in dieser Zeit stattfinden, ohne das jemand ein schlechtes Gewissen haben muss. Nur die Studierenden sind gekniffen, denn von acht Wochen vermeintlicher Freiheit bleibt nur wochenlanger Stress.

Wer in Bochum beispielsweise im fünften Semester Sozialwissenschaften studiert, hatte im vergangenen Semester ausschließlich Seminare und muss jetzt Hausarbeiten schreiben. Bei einem durchschnittlich gefüllten Stundenplan kommen da leicht fünf Arbeiten zusammen. Kurz den Taschenrechner gezückt: um in acht Wochen Semesterferien fünf Hausarbeiten zu schreiben, bleibt rein rechnerisch für jede Hausarbeit durchschnittlich elf Tage Zeit. Mal angenommen man will aus unverständlichen Gründen nicht sonntags arbeiten und auch noch dekadent eine Woche in den Urlaub fahren, bleiben noch acht Tage für jede Arbeit in so simplen Fächern wie „Global Economic Governance der Energie- und Rohstoffversorgung“. Bei solch einem Zeitplan entstehen sicher herausragende wissenschaftliche Arbeiten und wir alle werden großartige Wissenschaftler. Alles ganz im Sinne der universitären Ausbildung.

Den Stift braucht man gar nicht weglegen - Klausuren und Hausarbeiten en masse warten

Den Stift gleich in der Hand behalten: Prüfungen en masse warten Foto: flickr/ User: Alex France

Nun gut, Sozialwissenschaften in Bochum ist vielleicht auch ein besonders stressiger Studiengang? Studieren wir doch lieber VWL. Auf Diplom.  So entkommen wir mit Sicherheit der Stressfalle Bachelor. Um in der Regelstudienzeit fertig zu werden, müssen angehende Volkswirtschaftsgelehrte fünf Klausuren pro Semester bestehen. Angenommen sie fallen doch mal duch Makroökonomik oder Wirtschaftsrecht, kommen die Nachschreibetermine für die Klausuren auch noch in den gleichen Semesterferien dazu. Schön.

Dabei haben sich die allermeisten Studenten wenigstens angemessene Semesterferien verdient. Nach Referaten und Readerbergen, sollte auch mal Zeit sein den Kopf ganz leer zu haben. Wir wollen ja gar keine acht Wochen sturmfrei. Aber einfach zwei Wochen lang zu Mutti fahren ohne schlechtes Gewissen und ohne Büchertasche muss doch drin sein, zweimal im Jahr. Klar gehören Klausuren und Hausarbeiten zum Studium. Aber genug Zeit um Arbeiten abzugeben mit denen man auch zufrieden ist, wäre doch auch nett. Momentan haben viele Studis zeitlich weder die Möglichkeit ein wenig auszuspannen zwischen den Vorlesugszeiten noch gute Hausarbeiten abzugeben oder genug für Klausuren zu lernen. Was war nochmal der Sinn des Studiums?

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