Künstler auf Geistersuche

Geisterausstellung in der Phönix-Halle. Müssen wir hin, denke ich, und freue mich bereits auf Akte-X-Flair, Seancen-Zauber und wabernden Nebel. Auf der Hinfahrt hauen wir uns schön die Satanische Bibel als Hörbuch ins Kassettenradio. Grusel-Faktor 1000.

Grün wohin das Auge sieht
Grün wohin das Auge sieht. Fotos: Florian Hückelheim

„In dieser kargen Wildnis aus Stahl und Stein erhebe ich meine Stimme, auf dass Ihr mich höret…“ An diesem Tag sind wir für Signale aus dem Jenseits, für magische Experimente und übersinnliche Phänomene zu haben. An diesem Tag hauen wir uns das komplette, spiritistische Paket um die Ohren. Wir wollen Poltergeister und Dämonen, Irrlichter und verdammte Seelen.

Auf dem Boden der Tatsachen

Gerade angekommen, werden wir schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Es tummelt sich bereits eine beträchtliche Anzahl Pressevertreter im Eingangsbereich der Ausstellung. Die Kuratoren von „Hartware MedienKunstVerein“ erklären, dass man in der Halle vergeblich nach Geistern Ausschau halten werde. Na toll. Wir schlurfen missmutig durch die ehemalige Fabrikhalle. Nähern uns mal mehr, mal weniger gelangweilt den verschiedenen Exponaten.

 

Doch wir haben den Künstlern und ihren Werken damit Unrecht getan. Die Ausstellung „Wach sind nur die Geister“ ist eine interessante Aufarbeitung der so genannten Grenzwissenschaften aus künstlerischer Perspektive – auch wenn die Grenze zwischen Kunst und – äh – Forschung ihrerseits in dem Projekt etwas unscharf verläuft.

Auf dem Tonband: Geisterstimmen

Das Unsichtbare sichtbar machen - mit Elektronik?

Das Unsichtbare sichtbar machen - mit Elektronik? Foto: Florian Hückelheim

Einstieg in die Ausstellung ist das Tonband-Archiv des verstorbenen „Forschers“ (zumindest sah er sich selbst so) Friedrich Jürgenson. Er glaubte, mit Hilfe eines Tonbandgeräts, eines Mikrofons und eines auf weißes Rauschen eingestellten Radios das Jenseits kontaktieren zu können. Hm, is‘ klar. Sein Erbe hat der Künstler Carl Michael von Hausswolff angetreten, der mit seinem Ausstellungsbeitrag „The complete operations of spirit communication“ Jürgensons Experimente mit Hilfe von Radar, Sonar und Oszillographen fortführt. Das Unsichtbare solle so sichtbar gemacht werden, erläutert die Beschreibung. Aha. Als wir die imposanten Aufbauten bewundern, tut sich aber nichts Ungewöhnliches.

 

Ungewöhnlicher und unbestrittener Höhepunkt der Ausstellung ist hingegen ein ganz und gar physikalisches Phänomen. In einem weißen Würfel empfängt uns grünes Licht, ausgehend von einer Lampe in der Mitte des Raumes. Ein Feld aus einer stehenden, tieffrequenten akustischen Sinuswelle durchzieht den Würfel. Nach einigen Minuten verlassen wir den Würfel und werden von der plötzlichen Farbenpracht des Raums völlig überrascht. Beeindruckend, cool und ein bisschen „Fear and loathing“-mäßig. Hat aber mit Geistern rein gar nichts zu tun, sondern eben mit unserer verzerrten Sinneswahrnehmung.

Nicht gruselig, aber interessant

Auf der Rückfahrt lassen wir das mit der Satanischen Bibel – ist nämlich irgendwie auch ein bisschen albern -, hören Radio und können damit ebenfalls keine Botschaften aus dem Jenseits empfangen. Der Gruselfaktor der Ausstellung tendiert ins Minus, aber dafür gibt es sehenswerte Fotos und interessante Aufbauten zu bestaunen.

Zu sehen ist „Wach sind nur die Geister“ noch bis zum 18. Oktober in der Phoenix-Halle in Hörde.

Text: Jonas Müller-Töwe
Fotos: Florian Hückelheim

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