Godzilla ist zurück

Vergesst Krieg der Welten, The Day After Tomorrow und Independence Day: Mit der Neuauflage der japanischen Giganto-Echse sprengt Hollywood erneut alle Weltuntergangsmaßstäbe. Aber kann „Godzilla“ an den Ruhm eines längst vertrashten Genres anknüpfen, oder versandet das Action-Spektakel im filmischen Niemandsland zwischen Transformers und Pacific Rim? pflichtlektüre-Autor Tobias Schreiner war bei der Vorpremiere und hat sich den neuen „Godzilla“ als einer der ersten angeschaut.

Nuklearforscher John Brody und Sohn Ford stellen sich den gewaltigen Ungeheuern. Bild: Warner Bros.

Nuklearforscher John Brody und Sohn Ford stellen sich den gewaltigen Ungeheuern. Bild: Warner Bros.

Als jemand, der mit den kultig-trashigen „Godzilla“-Klassikern aus Japan nicht besonders viel anfangen kann, und begeistert mit Roland Emmerichs (von „Godzilla“-Hardlinern verhassten) Neuauflage von 1998 aufgewachsen ist, bin ich vielleicht nicht die beste Wahl, um den als Messias des Riesen-Monster-Genres angekündigten Streifen zu beurteilen. Trotzdem habe ich mich davon nicht beirren lassen.

Ohne große Spoiler lässt sich im Voraus schon mal eins sagen: Wer auf die überdimensionale Echse steht, die sich mit nicht weniger gewaltigen Küchenschaben prügelt, Menschenleben zu tausenden auslöscht und Las Vegas wie Hawaii mal eben im Vorbeigehen zu Asche verwandelt, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen. Für alle anderen: Lasst es lieber. Denn „Godzilla“ versucht vor allem eine Gruppe zu erreichen: Die Fans der japanischen Klassiker.

Godzilla gegen Riesen-Küchenschaben – und die Menschheit schaut zu

Mit einer bombenmäßigen Endzeit-Inszenierung, spektakulären Animationen und einer für dieses Genre überdurchschnittlichen Storyline greift „Godzilla“ zwar auch die breite Masse der Action-Fans an, jedoch wird mit zahlreichen Anekdoten und vor allem dem Gegner-Konzept – Godzilla gegen böse Monster und die Menschheit schaut zu – an alte Zeiten angeknüpft. Godzilla ist 2014 größer als jemals zuvor, und endlich wieder so pummelig wie zu den guten alten Japano-Zeiten.

Die Handlung fließt die erste Filmstunde etwas zäh dahin, schafft es aber Spannung aufzubauen, indem sie den Dino-geilen Zuschauer eine gefühlte Ewigkeit warten lässt, bis der geschuppte Filmstar endlich auf der Leinwand zu sehen ist. Das muss man Regisseur Gareth Edwards (Monsters), der aus der Indie-Filmszene kommt, hoch anrechnen. Denn hätte beispielsweise ein Michael Bay „Godzilla“ gedreht, wäre die Handlung nicht dermaßen aufwendig ausgefallen.

Godzilla nimmt San Francisco auseinander. Foto: Warner Bros

Godzilla nimmt San Francisco auseinander. Foto: Warner Bros

Spätestens nach der Hälfte des Films kommen die Monster-Fights jedoch Schlag auf Schlag… denkste! Denn die ersten großen Verwüstungen bekommt man überhaupt nicht zu sehen. Auch hier wird gezielt weiter Spannung aufgebaut und zum großen Endfight in … nein, diesmal nicht New York und auch nicht Tokyo (Fans der Klassiker mögen es verzeihen), sondern in San Francisco hingeführt. Der sorgt dann auch für den richtigen Wumms – und hat nicht nur zwei spektakuläre Finisher-Moves, sondern auch den markerschütterndsten Monsterschrei der Genre-Geschichte parat.

Walter White ist bester Mann

Spielerisch haut „Godzilla“ wohl niemanden aus dem Kinosessel. Auch wenn Bryan Cranston (vielen wohl als Walter White aus „Breaking Bad“ bekannt) die Schauspiel-Qualität etwas nach oben biegt, bleibt die Leistung von Hauptdarsteller Aaron Taylor-Johnson (Kickass) jedoch eher auf der Strecke. Auch Leinwand-Ehefrau Elle (Elizabeth Olsen) schafft es nicht, dem Zuschauer glaubhaft zu machen, dass sie sich gerade in einer Monster-Apokalypse befindet.

Wie originalgetreu ist denn jetzt der neue Godzilla? Äußerlich übertrifft die Leinwand-Echse in diese Jahr alle Erwartungen und vor allem die letzte Echse aus Roland Emmerichs Verfilmung von 1998. Auch die klassische Attacke des „thermonuklearen Hitzestrahls“ hat Godzilla wieder für sich entdeckt, was besonders im Kampf gegen die M.U.T.O.s (Massive Unidentified Terrestrial Organism) für Abwechslung sorgt.

Hintergrund bleibt auf der Strecke

Allerdings ist das größte Manko besonders für die tiefgehende Bedeutung der Filmereihe schwerwiegend: Anders als in den früheren Teilen ist Godzilla nicht mehr das überdimensionale Ergebnis US-amerikanischer Atombombentests im südost-pazifischen Bikini-Atoll, sondern eine Uhrzeitechse, die es seit mehreren Millionen Jahren gibt und – wie immer im Monstergenre– durch einen unglücklichen Zufall aufgeweckt ihr Unwesen im 21. Jahrhundert treibt.

Damit geht der kritische Aspekt der japanischen Filme mit Bezug auf die Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, Atomtests der USA und Nuklear-Kraftwerke vollkommen verloren. Das lässt den Film am Ende als weiteres plumpes Spezial-Effekt-Gewitter mit einem mehr als pathetisch-schmalzigen Schluss zurück. Fans der Filme können aber trotzdem getrost zuschlagen. Aber dann nur im Kino, denn im heimischen Wohnzimmer ist „Gojira“ lang nicht so furchteinflößend wie auf der großen Leinwand.

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