3D-Kino im Check

Im vergangen Winter ließ James Camerons „Avatar“ die Kinokassen klingeln. Für den Film wurde eine neue Kameratechnik erfunden, die erstmals plastisches Filmerlebnis in 3D ermöglichte. Als Zeitenwende der Branche und wichtigste Erfindung seit dem Farbfilm gepriesen, hatte die Technologie jedoch auch stets Kritiker. Ein Jahr nach “Avatar“ schauen wir, was sich wirklich für den Zuschauer verändert hat und sprechen mit dem Theaterleiter des Dortmunder Cinestar.

Jedes zweite Filmplakat bewirbt heute seinen Film mit der dritten Dimension. Foto: Tino Perlick

Jedes zweite Filmplakat bewirbt heute seinen Film mit der dritten Dimension. Foto: Tino Perlick

Ich gehe ins Kino, um die Comicverfilmung The Green Hornet anzusehen. An der Kasse zücke ich geübt meine Studi-Movie-Card, für deren Besitzer an Montagen der ermäßigte Eintritt von fünf Euro gilt. Doch der Herr an der Kasse weist darauf hin, dass die Ermäßigung Filme in 3D ausschließt. Ich krame daher meinen sorgfältig ausgeschnittenen Ferrero-Gutschein aus der Tasche. Der verspricht mir immerhin an allen Tagen der Woche Kinospaß zum Kinotag-Preis. Der Herr schüttelt erneut mit seinem Kopf. Nicht gültig für 3D. Der Preis für eine Vorstellung beträgt am Ende 9 Euro 50. Für Studenten ist dies kaum zu berappen. Zudem muss für einen Euro die 3D-Brille gekauft werden, um in den Genuss der plastischen Bilderwelten zu gelangen. Ich gehe nach Hause.

Qualitätsunterschiede bei 3D-Kino

Avatar war vor einem Jahr ein Phänomen, weil es den Machern gelang fotorealistische, dreidimensionale Bilder aus dem Computer zu kreieren. Die neue Technik wurde zudem nicht für billige Tricks missbraucht, wie Speere auf den Zuschauer zu werfen. Stattdessen verhalf sie dem Zuschauer dazu, sich wie der Titelheld ganz und gar in der fernen Alienwelt Pandoras zu verlieren. Seitdem sind leider viele Trittbrettfahrer auf den erfolgversprechenden Zug aufgesprungen. Längst abgedrehte Filme wie Kampf der Titanen oder Alice im Wunderland wurden erst nachträglich „dreidimensionalisiert“ und entsprachen nicht der Qualität Avatars. Viele Zuschauer betrachten 3D-Kino daher mit Skepsis. Carsten Gülker, seit Sommer 2009 Theaterleiter des Dortmunder Cinstar, beklagt diese Strategie ebenfalls: „Nachträglich bearbeitete Film liefern schlechteres 3D“, räumt er ein. „Beim richtigen Einsatz der Technik besteht aber gerade auf Seiten der Ästhetik ein klarer Gewinn.“

Wenige Auswege zu 3D-Vorstellungen

Carsten Gülker mag 3D, wenn es von vornherein beabsichtig wurde. Foto: Tino Perlick

Carsten Gülker mag 3D, wenn es von vornherein beabsichtig wurde. Foto: Tino Perlick

Bot sich dem Zuschauer bis vor kurzem immerhin noch die Möglichkeit zwischen drei- und zweidimensionalen Vorstellungen zu wählen, so verzichten viele Kinos heute ganz auf die normale Version. Carsten Gülker verweist auf die Filmverleihe: „Von einem Kino, das über die entsprechende Technik verfügt, verlangt der Verleiher natürlich, dass es den Film auch in 3D zeigt“. Nicht jeder Film könne in zwei Varianten gezeigt werden, da dafür schlichtweg die Kapazitäten fehlten. „Wir haben zwar 14 Säle aber irgendwann ist auch da Schluss.“ Immerhin, Familienfilme würden auch in Zukunft in beiden Varianten gezeigt. Die Null-Toleranz für 3D-Ermäßigungen kommentiert er auch: „Wir können nicht soviel Geld in die Technik investieren und das dann zu kleinen Preisen anbieten. Das funktioniert einfach nicht.“

Bilanz top, Besucherzahlen flop?

Wie die Filmförderungsanstalt (FFA) Anfang des Monats mitteilte, seien im letzten Jahr insgesamt 126,6 Millionen Tickets an deutschen Kinokassen verkauft worden – das sei ein Rückgang von 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz blieb jedoch fast konstant. Ein Ergebnis überhöhter Ticketpreise für 3D-Filme. Carsten Gülker sieht in 3D kein Instrument, um Besucherschwund zu kaschieren: „Das Kino insgesamt wird gerade digitalisiert, 3D ist nur ein Zusatzeffekt, der dadurch ermöglicht wird.“ Gründe für den Besucherrückgang vermutet er an anderer Stelle: „2010 gab es weniger Top-Filme. Gerade erfolgreiche deutsche Produktionen liefen im Vorjahr kaum. Dieses Jahr sieht das hoffentlich anders aus.“

Dass die Zuschauer die Wichtigkeit dreidimensionaler Geschichten und Figuren nicht vergessen haben, beweisen die Besucherzahlen von Black Swan und True Grit. Im Westerndrama der Coen Brüder und Natalie Portmans Ballet-Thriller vermisst garantiert niemand die 3D-Brille auf der Nase.

Ob man will oder nicht? Viele Kinos zeigen Filme nur noch in 3D. Foto: Tino Perlick

Ob man will oder nicht? Viele Kinos zeigen Filme nur noch in 3D. Foto: Tino Perlick

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