Wie entsteht Liebe?

Liebende

Wenn zwei große Zellhaufen, genannt Ben und Claire, sich treffen, reagieren sie aufeinander. Ben entscheidet, ob er Claire attraktiv findet. Wenn Claire gesund und weiblich aussieht, schätzt Ben sie unterbewusst als fruchtbar ein. Ben denkt: „Die ist aber hübsch!“ Er spricht Claire an und die entscheidet dann, ob sie darauf eingeht oder sich abgrenzt.

Die beiden fangen ein Gespräch an und merken, dass sie sich gut verstehen. Bei Claire wird ein Glückshormon freigesetzt, das sogenannte Dopamin. Es sorgt dafür, dass sie sich in Bens Gegenwart wohlfühlt und glücklich ist.

Liebe

Auch Sport kann für einen Dopaminschub sorgen. Foto: Gerrit.photography / flickr.com.

Dopamin hat aber Einfluss auf die Verarbeitung von Erinnerungen. Wenn Claire später abends zuhause ist und sich an Ben erinnert, kommen dabei also auch positive Gefühle hoch.

Mit dem Dopamin wird auch Adrenalin ausgeschüttet. Das ist eigentlich ein Stresshormon, dass z.B. vor Prüfungen ausgeschüttet wird. Bei Ben und Claire steigt der Blutdruck und das Herz schlägt schneller. Die Oma würde jetzt sagen „Kindchen, du bist verliebt!“

Zu Kopf gestiegen

Aber Liebe kann man nicht nur mit einem Blutdruckgerät messen, sondern auch im Kopf beobachten. Das haben die beiden Neurowissenschaftler Semir Zeki und Andreas Bartels gemacht. Dazu haben sie mit einem Computertomographen Bilder von den Gehirnen frisch Verliebter gemacht.

Die Forscher haben den Verliebten ein Foto des jeweiligen Partners gezeigt. Durch die Bilder wurde ein ganz bestimmtes Areal im Gehirn stark angeregt: der gleiche Bereich, der bei Drogensüchtigen durch ein Bild ihrer Droge aktiviert wird. Gleichzeitig wurde der Bereich im Gehirn, der für rationale Entscheidungen zuständig ist, deaktiviert.

Genauso würde jetzt auch das Gehirn von Claire und Ben aussehen. Doch nicht nur ihr Suchtzentrum wird aktiv, sondern auch das Belohnungszentrum. Das ist jetzt voll mit Dopamin. Das heißt, Claire ist glücklich, süchtig nach Ben und wird für diese Gefühle auch noch von ihrem Gehirn gelobt.

Krank vor Liebe

Das Dopamin hat einen Gegenspieler im Gehirn, das Serotonin. Das ist auch ein Glückshormon, allerdings eins der ruhigeren Art. Es sorgt nicht für Aufregung wie das Dopamin, sondern für innere Ruhe und Ausgeglichenheit und hemmt zum Beispiel auch das Sexualverhalten. Unser Gehirn möchte jedoch, dass wir uns fortpflanzen, daher kann es Serotonin in dem Moment nicht gebrauchen.

Es lässt die Dopaminkonzentration stark ansteigen und den Serotoninspiegel sinken. Und zwar auf einen Level, den man auch noch aus der Psychologie kennt: von Zwangsgestörten und Schizophrenen.

All diese Symptome treffen auf Claire und Ben nun zu. Sie sind aufgeregt, enthemmt und glücklich. Ihr Gehirn lobt sie für ihre Gefühle und sorgt dafür, dass Sexualhormone ausgeschüttet werden.

Liebes-Schloss

Sie gehören zusammen. Foto: blu-news.org / flickr.com

Ziel erreicht

Die Sexualhormone sorgen dafür, dass sich Ben und Claire immer näher kommen und schließlich im Bett landen. Ihre Gehirne haben ihr Ziel erreicht: Ben und Claire haben ihre Gene erfolgreich weitergegeben.

Dafür belohnt das Gehirn die beiden: mit dem Kuschelhormon Oxytocin. Das wird bei Berührungen und Streicheln freigesetzt. Es senkt den Stresslevel und sorgt für Vertrauen zwischen zwei Menschen.

Ben und Claire sind verliebt und könnten am Anfang Beziehung stehen und auch den nächsten Valentinstag miteinander feiern, zumindest wenn beide am nächsten Morgen kein böses Erwachen erleben.

Beitragsbild: Pablo / flickr.com

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