Einmal Liebe süß-sauer, bitte!

Jana steht in der Mensa. Das macht sie öfter, immer dann, wenn der Hunger ruft und die Zeit zwischen den Vorlesungen es zulässt. Aber seit ein paar Tagen findet sie die Speisepläne wenig abwechslungsreich. Der Nachtisch ist viel zu süß und der Rosenkohl viel zu bitter. Wer soll das bloß runter kriegen? Dass Jana gerade am liebsten kiloweise Gewürze in ihr Essen schütten möchte hat einen Grund: Sie ist verliebt – und Liebe geht nicht nur durch den Magen, sondern beeinflusst auch unsere Geschmackssinne enorm.

Naschtouren mit dem Liebsten können schiefgehen: Wer verliebt ist, schmeckt weniger süß.

Vorsicht bei romantischen Naschtouren: Wer verliebt ist, schmeckt weniger süß. Foto: Karin Jung (pixelio.de)

Die Forscher vom Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven, kurz ttz, haben herausgefunden, dass Verliebte bestimmte Geschmacksnoten schlechter wahrnehmen als nicht verliebte Menschen. Oben auf Wolke Sieben gibt es einen wahres Chaos im Hormonhaushalt. Die üblichen Nebenwirkungen wie wackelige Knie und Herzrasen sind bekannt. Neu ist, dass auch die Geschmackswahrnehmung eine gänzlich andere ist als bei Nichtverliebten. Salzige und Saure Geschmacksnoten schmeckt der Verliebte nämlich deutlich besser heraus, während die Wahrnehmung für Süßes und Bitteres abnimmt.

Imke Matullat, Projektleiterin der Sensorik des ttz, hat mit ihrer Forschergruppe herausgefunden, woran das liegt: „Wir haben bei unseren Testpersonen festgestellt, dass sie einen verminderten Serotinwert haben. Serotin ist als Hormon eine Art Botenstoff, das Signale wie „süß“ oder „bitter“ an unser Gehirn weiterleitet.“ Weniger Serotin bedeutet also eine gedämpfte Wahrnehmung der bitteren und süßen Geschmacksrichtungen. Die Wahrnehmung von sauren und salzigen Geschmäckern wird hingegen von anderen biochemischen Prozessen gesteuert.

Wie hoch ist dein Verliebtheitsgrad?

Wenn Jana ihren Nachtisch also für viel zu überzuckert hält und beim Schlemmen sowieso ständig von ihrem Liebling spricht, ist sie eindeutig verliebt. Damit hätte sie sich auch einen Platz ganz oben auf der „Passionate Love Scale“ gesichert. Mit Hilfe dieser Skala, mit der seit 1986 in der Wissenschaft gearbeitet wird, wird der Verliebtheitsgrad untersucht.

Auch die Forscher des ttz haben ihre Probanden mit Hilfe der Skala in die Gruppen „Frisch verliebt“, „sehr verliebt“ und „weniger verliebt“ eingeteilt. „Diese Skala arbeitet mit der persönlichen Einschätzung der Gefühle, das bedeutet der Proband bekommt 14 Fragen vorgelegt und diesen Fragen muss er entweder zustimmen oder sie ablehnen. Demnach kann man einteilen wie verliebt diese Person ist oder eben nicht.“, erklärt Imke Matullat. Ihre „sehr verliebten“ Probanden reagierten auf Bitterreize fast gar nicht, saures und salziges aber viel schneller als ihre Mitstreiter, die weniger verliebt waren.

Sag mir wie süß du schmeckst und ich sag dir, wie verliebt du bist!

Sag mir wie süß du schmeckst und ich sag dir, wie verliebt du bist! Foto: Jörg Siebauer (Pixelio.de)

Allerdings ist auch bewiesen, dass sich der Serotinwert von Verliebten mit der Zeit von ganz alleine wieder reguliert. Wie auch die rosa Brille gewissermaßen langsam an Stärke abnimmt und auch die Kniee nicht mehr schlackern, so schmecken auch glückliche Paare letztlich wieder ganz normal. Die Konsequenz: Spätestens dann können die ehemals Frischverliebten feststellen, ob ihre Liebe ein guter Koch ist, oder doch eher ein Gewürzmuffel…